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28.06.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Züriberg

«Ich gehe mit dem Pinsel in der Hand»


«Manche meiner Besucher sagen, ich würde sie inspirieren, selber zu malen», sagt Arnaldo Ricciardi. Foto: Pascal Wiederkehr

Vom Toggenburg nach Zürich: Der Kunstmaler Arnaldo Ricciardi hat im Seefeld sein Atelier eröffnet. Zu seinen Kundinnen gehört auch Bundesrätin Doris Leuthard.

Ein Passant blickt interessiert durch das Schaufenster, in den hellen Raum, in dem Gemälde in unterschiedlichen Formaten ausgestellt sind. Es scheint, als traue er sich nicht, einzutreten. «Nur ein kurzer Moment», unterbricht Arnaldo Ricciardi unser Gespräch. «Nehmen Sie ruhig ein Gipfeli oder eine Kirsche», fügt er an und deutet auf den Tisch. Ricciardi steht auf und öffnet die Tür. «Kommen Sie doch rein und schauen Sie sich die Bilder an», begrüsst er den Überraschungsgast herzlich. Der Mann nimmt das Angebot gerne an, schaut sich ein wenig um. «Ich will Sie nicht unterbrechen, wollte aber einfach sagen, dass Sie wirklich starke Bilder haben. Sie sind ein wenig von Rothko inspiriert, nicht wahr?», fragt er nach wenigen Minuten. «Ja, sicher, Rothko und andere», antwortet Ricciardi. Der Kunstmaler freut sich sichtlich über das Kompliment.

Abstrakte Malerei
«Das war mein Ziel, als ich im Seefeld ein Atelier eröffnet habe», erklärt der 62-Jährige, der in Ebnat-Kappel im Kanton St. Gallen lebt. Hier habe er auch Laufkundschaft, sei am Ort, wo seine Kunden sich bewegen würden. «Im Toggenburg ist es zwar schön, doch mein Zielpublikum wohnt nicht dort», ergänzt Ricciardi. Seit zwanzig Jahren lebt er hauptberuflich von der Malerei. Ricciardi malt abstrakte Bilder, die mit ihrer farblichen Komposition überzeugen. Abstrakter Expressionismus lautet der Fachbegriff. Die Farbe ist sein wichtigstes Ausdrucksmittel. Meist gibt es eine dominante Farbe, die sich über die anderen Farben legt. Früher hatte Ricciardi klassisch mit Öl auf Leinwand gemalt, heute verwendet er Acyrlfarben.
Seine Bilder tragen Namen wie «tazza piccola 5», «neroterra 4» oder «punto di vista 10». Die Namen sind wie die Bilder Projektionsflächen für den Betrachter. «Es kann vorkommen, dass ich an einem Tag das eine erkenne und am nächsten mein Fokus auf etwas anderem liegt», erzählt Ricciardi. Wichtig sei ihm die Reduktion der Farben und Formen. Ein Arbeitsprozess könne schnell auch einmal mehrere Monate dauern. «Ich bin immer im Gespräch mit meinen Bildern. Ich male so lange, bis ich spüre, dass es fertig ist.» In seinem Atelier an der Dufourstrasse 35 kann man ihm bei diesem Prozess über die Schultern schauen. «Hier ist seit knapp zwei Monaten mein Atelier, meine Werkstatt und gleichzeitig mein Showroom.» Dass es sich bei dem Raum um eine Werkstatt handelt, betont der Vater von vier erwachsenen Kindern besonders. Er möge den Begriff Künstler nicht. «Was heisst denn Künstler? Sie schreiben, also sind Sie auch Künstler », so Ricciardi. Die Malerei sei ein Handwerk, da passe Kunstmaler deutlich besser. «Ich will, dass meine Besucher an meiner Arbeit optisch teilhaben können.» Er habe zwar keine geregelten Öffnungszeiten, wenn er da sei, dürfe man aber ungeniert in sein Reich eintreten. «Und sonst genügt ein Anruf oder eine E-Mail, um einen Termin zu vereinbaren.» Der gebürtige Italiener lebt seit 1964 in der Schweiz – davon viele Jahre in Zürich. Ein Bildband über van Gogh, welchen er in seiner Kindheit durchgeblättert habe, sei der Ausschlag für seine Liebe zur Malerei gewesen. «Die starken Farben, mit denen van Gogh gemalt hat, haben mir sehr gut gefallen», erinnert sich der Kunstmaler. Nach der obligatorischen Schule und einem kurzen Intermezzo am Gymnasium setzte Ricciardi seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Lugano fort. Seit 1996 hat er an über 60 Orten ausgestellt, heute darf er gar Bundesrätin Doris Leuthard zu seinen Kundinnen zählen. «Sie hat mittlerweile neun Bilder von mir», so Ricciardi. Auch weitere Prominente würden zu seinen Kunden zählen, so beispielsweise Vertreter der St. Galler Stadtregierung oder andere Politiker. Deren Namen möchte er aber aus Gründen der Diskretion nicht nennen.

Inspiration für andere
«Man wird natürlich nicht reich mit der Malerei, aber ich würde meinen Beruf gegen keinen anderen eintauschen wollen», gibt Ricciardi zu bedenken. «Manche meiner Besucher sagen, ich würde sie inspirieren, selber zu malen.» Das sei für ihn das grösste Lob.
Derzeit ist er auf der Suche nach einer kleinen Wohnung in Zürich. «Wenn es beim Malen spät wird, wäre es schön, nicht mehr jeden Abend nach Ebnat-Kappel fahren zu müssen und hier eine Ausweichmöglichkeit zu haben», so Ricciardi.
Im August wird er 63 Jahre alt. Dann sind es noch zwei Jahre bis zum Ruhestand. Doch ans Aufhören denkt er nicht: «Ich gehe mit dem Pinsel in der Hand.»



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