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28.06.2017 Von: Silvan Rosser

Züriberg

Schweiz erlebt aussergewöhnliche Hitzewelle


Hitzetage (Höchsttemperatur über 30 Grad) im Juni sind in jüngster Vergangenheit häufiger aufgetreten. Tropennächte (Tiefsttemperatur über 20 Grad) wurden abgesehen von den Jahren 2003 und 2017 noch nie im Juni beobachtet. Grafik: Silvan Rosser

Waldbrände in Portugal und Hitzewellen in Mitteleuropa gehören zwar zu einem heissen Sommer. In der Vergangenheit sind diese Phänomene erst im Hochsommer aufgetreten. Der Juni wurde zu einem Hochsommermonat.

Der Juni brachte in Mitteleuropa fast durchwegs warmes und sonniges Wetter. Mit einer ausgeprägten Hitzewelle zwischen dem 19. bis 23. Juni setzte der Sommer 2017 ein erstes Ausrufezeichen. Hitzewellen im Monat Juni kommen in der Schweiz äusserst selten vor. In den letzten 120 Jahren wurden in Zürich lediglich zehn Hitzewellen im Juni registriert. Vier dieser zehn Juni-Hitzewellen ereigneten sich in den letzten 16 Jahren, also seit 2002. Die heurige Juni- Hitzewelle «beendet» eine mehr als zehnjährige Durststrecke ohne Juni- Hitzewellen. Davor gab es in der ersten Hälfte der Nullerjahre eine regelrechte Häufung von Juni-Hitzewellen, nämlich in den Jahren 2002, 2003 und 2005. Im 20. Jahrhundert hingegen traten Juni-Hitzewellen vor allem in den 30er- und 40er-Jahren auf. Es handelte sich um die Jahre 1931, 1935, 1937, 1941, 1947, 1948. Die Juni-Hitzewelle im Jahr 1947 war aufgrund von Temperaturen weit über 30 Grad an fünf aufeinanderfolgenden Tagen die bisher intensivste. Eine ausgeprägte Hitzeperiode zeigte sich im Juni 2002. Die Periode zwischen dem 17. und 23. Juni 2002 war sehr heiss. Nur am 21. Juni gab es einen kurzen Unterbruch der Hitze.

Berüchtigter Hitzesommer
Der Juni 2003 war der Auftakt in den berühmt-berüchtigten Hitzesommer 2003. Von Anfang bis Ende Monat wurden immer wieder Hitzetage registriert – insgesamt zehn Hitzetage im ganzen Monat. Mehr Hitzetage in einem Juni gibt es in der ganzen Messreihe nicht. Allerdings gab es im Juni 2003 nie mehr als fünf Hitzetage in Folge. Die Juni-Hitzewelle 2017 mit fünf Hitzetagen in Folge gehört in Zürich somit zu den fünf längsten und extremsten Hitzewellen für den Monat Juni seit Messbeginn. Die Juni- Hitzewelle 2017 hebt sich nicht nur aufgrund ihrer Länge, sondern auch aufgrund ihres frühen Termins ab. Die bisherigen Hitzewellen im Juni starteten später. Eine Ausnahme dabei ist der Juni 2002. Damals startete die Hitzewelle am 17. Juni.
Die Hitze machte sich 2017 nicht nur mit hohen Nachmittagstemperaturen bemerkbar, sondern vor allem auch mit tropisch warmen Nächten. So sank die Temperatur während der Juni-Hitzewelle 2017 während fünf Tagen auch nachts nicht unter 20 Grad, sodass deren fünf Tropennächte in Zürich registriert wurden. So etwas gab es seit Messbeginn 1901 in Zürich nie. Tropennächte sind allgemein eine Seltenheit. Erst in den letzten Jahren sind sie regelmässiger aufgetreten. Zum Vergleich: Im Hitze- Juni 2003 gab es lediglich eine Tropennacht in Zürich.

Vorzeichen für den Hochsommer?
Hat der Sommer mit der Hitzewelle im Juni sein Pulver schon frühzeitig verschossen oder folgt jetzt erst recht ein Hitzesommer? Hilft dabei ein Blick in die Vergangenheit? Nach den angesprochenen Hitzewellen im Juni 1935 und 2005 folgte ein warmer Juli, aber ein kühler August. Der August 2005 war nicht nur kühl, sondern brachte auch verheerende Überschwemmungen in den Alpen.
Auch im Sommer 2002 folgte auf die Junihitze zwar ein warmer Sommer, doch in puncto Hitze gab es keine Steigerung mehr. Richtig heiss ging es nach den Juni-Hitzewellen im Sommer 1947 und 2003 weiter. Beide Sommer brachten noch viele Hitzetage und Juli wie August legten in Sachen Hitze sogar noch zu. Allein aufgrund der Hitzewellen im Juni lässt sich die Witterung im Hochsommer (Juli und August) nicht prognostizieren. Ein Schlüssel zum Prognoseerfolg könnte im vorherrschenden Frühsommerklima liegen: Verrät der Frühsommer (Mai und Juni) etwas über den bevorstehenden Hochsommer (Juli und August)? Diese Annahme wird von Studien des Instituts für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich gestützt. So gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen den Niederschlägen im Frühling und Frühsommer sowie dem Klima im Sommer.
Der Frühsommer 2017 war ausgesprochen warm und trocken. Mai und Juni brachten viel Sonnenschein, wenige Niederschläge und deutlich überdurchschnittliche Temperaturen. Im Frühsommer 1935 war dies anders. Abgesehen von der Hitzewelle Ende Juni war der Frühsommer kühl, aber auch trocken. Auch die Frühsommer 2002 und 2005 verliefen nicht analog zu 2017. 2002 war der Mai kühl und in beiden Fällen war der Frühsommer feucht. Grössere Parallelen gibt es zur Vorgeschichte der beiden Hitzesommer 1947 und 2003. In beiden Fällen war der Frühsommer schon heiss. 1947 war der Frühsommer zudem wie 2017 sehr trocken. Der Mai 2003 war hingegen mit reichlich Niederschlag gesegnet.

Kein eindeutiges Vorzeichen
Warme und trockene Frühsommer wie in diesem Jahr gab es abgesehen von 1947 zudem in den Jahren 1868, 1915 und 2008. Die folgenden Hochsommer waren 1868 und 2008 warm, aber nicht heiss. Während der Hochsommer 1868 trocken verlief, war es 2008 wiederum recht feucht. Der Hochsommer 1915 fiel grundlegend ins Wasser. Er war nass und sehr kühl.
Der Juni 2017 beendet einen sehr warmen und trockenen Frühsommer und brachte eine der frühsten und extremsten Juni-Hitzewellen seit Messbeginn. Die Chancen auf einen warmtrockenen Sommer stehen nicht schlecht. Ein eindeutiges Vorzeichen für den Hochsommer ist aber nicht ableitbar.



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