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05.07.2017
Zürich West

«Verdichtet wohnen muss kein Nachteil sein»


Der Einstand der Überbauung gestaltete sich als fröhliches Fest mit Attraktionen für Gross und Klein. Foto: mw.

In der neuen Siedlung an der Birmensdorferstrasse lud die Baugenossenschaft Rotach zum Triemli-Fest. Es wurde vom Besucheransturm fast überrannt.

Marcus Weiss

Ein stahlblauer Himmel, Seile mit bunten Wimpeln, die sich von Haus zu Haus ziehen, fröhliche Menschen vor einer Kulisse, die wie eine Mischung aus Gartenfest und Architekturausstellung anmutet: In dieser Atmosphäre ging das Eröffnungsfest für die von Grund auf neu gebaute Siedlung Triemli I an der Birmensdorferstrasse/Schweighofstrasse über die Bühne. Der Anlass stellt den Schlusspunkt einer jahrelangen Planungs- und Bauphase dar, die einen ganzen Quartierteil neu entstehen liess mit 167 Wohnungen und mehreren Gewerberäumen.

«Es handelt sich bei der neuen Siedlung um ein Beispiel für verdichtetes Wohnen, das sehr schön aufzeigen kann, dass diese Wohnform für die Bewohnerschaft nicht zwingend ein Nachteil sein muss», erklärte einer der am Fest anwesenden Architekten der neuen Wohnanlage, Matthias Hauenstein von Hauenstein La Roche Schedler Architekten. So habe man bei einer verdichteten Überbauung nicht nur mehr Budget beispielsweise für die Umgebungsgestaltung zur Verfügung, es fänden sich auch immer genügend Leute für gemeinschaftliche Aktivitäten wie beispielsweise Urban Gardening, das im neuen Triemli I auf einem der Flachdächer angeboten wird.

Fenster täuschen Wohnungen vor

Auf Führungen durch die Siedlung erklärte der Planer, welchen Herausforderungen er bei der Entwicklung gegenüberstand. Ein Hauptthema war der Schutz der Bewohnerschaft vor dem Verkehrslärm der Birmensdorferstrasse und der Schweighof-strasse. Hauenstein löste dieses Problem, indem er entlang der beiden Verkehrsachsen grosse Längsbauten platzierte und im geschützten Inneren der Siedlung weniger dominant wirkende Punkthäuser anordnete. Der Knackpunkt dabei sei gewesen, dass die Siedlung der Birmensdorferstrasse, die ein zentrales Einfallstor zur Stadt Zürich darstellt, nicht etwa eine fensterlose Rückseite zuwenden durfte. «Wenn Sie die Fassaden zur Strassenseite hin betrachten, sehen Sie lauter normale Fenster, hinter denen scheinbar Wohnräume liegen», führte der Architekt aus und deutete auf die Häuserfront an der Birmensdorferstrasse. In Wirklichkeit aber seien in diesen Bereichen die Erschliessungszonen wie etwa Treppenhäuser angeordnet.

«Fast ein Pfahlbau auf Lehm»

Bei der Aussengestaltung der Siedlung haben sich die Planer von der industriellen Vergangenheit der Gegend am Uetlibergfuss inspirieren lassen. So wurden die Fassaden teilweise mit Tonziegeln verblendet als Reminiszenz an ein Material, das in den nahen Tongruben gewonnen und in den Ziegeleien in der Binz verarbeitet wurde. Natürlich ist der Lehmboden auch heute noch da, was sich im schwierigen Baugrund für die Überbauung zeigte: «Wir haben es hier fast mit einem Pfahlbau im Lehm zu tun, die Siedlung ruht auf bis zu 30 Meter langen Betonpfählen», berichtete Matthias Hauenstein.

Blick in Vergangenheit und Zukunft

Einzelne der allesamt bereits bezogenen Wohnungen konnte man in Gruppen besichtigen. Der Andrang war dabei so gross, dass die Verantwortlichen ziemliche Organisationskunst an den Tag legen mussten, um das Ganze geordnet über die Bühne zu bringen.

Zurück in der Aussenanlage, da brachten die «7 Freunde», fantasievoll gestaltete Skulpturen des Künstlerduos Lutz & Guggisberg, viele Kinderaugen zum Leuchten. Die freundlichen Gesellen sind einem «Kunst am Bau»-Wettbewerb für die neue Überbauung entsprungen. Den Bogen zur Vorgängersiedlung, die in verschiedenen Baustilen und -etappen um 1930 «auf der grünen Wiese» errichtet worden war und 2013 dem neuen Triemli I weichen musste, spannte schliesslich eine Ausstellung aus Texttafeln und alten Fotos. In einem Anflug von Wehmut konnte man noch einmal die frühere Gartenstadt-Idylle bewundern, die bei zahlreichen langjährigen Bewohnern sehr beliebt gewesen war.

Der Blick ging aber auch in die Zukunft: «Wie werden wir in 20 Jahren wohnen?», lautete der Titel einer Texttafel. Sicherlich werde das Konzept der neuen Überbauung auch dann noch Anklang finden. «Wir von der Baugenossenschaft Rotach freuen uns sehr über das grosse Interesse am neuen Triemli I», sagt die Assistentin des Geschäftsführers, Anita Füglister, nach dem gelungenen Einstand.



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