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06.07.2017 Von: Jan Bolliger

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Herrliberg stimmt für eine grössere Badi


Der Imbissstand neben der Badi Steinrad muss nach der Sanierung der Seestrasse weichen. Die Badi erhält dann einen Neubau mit Küche. Foto: Annina Just

An der Gemeindeversammlung in Herrliberg waren die Anträge unumstritten: Die Stimmbürger sagen Ja zu einem neuen Badi-Kiosk und Nein zur Neubewertung des Verwaltungsvermögens.

Wenn Demokratie doch nur immer so eindeutig wäre. Unter den 232 anwesenden Stimmberechtigten herrschte überwältigende Einigkeit an der Herrliberger Gemeindeversammlung vom vergangenen Mittwoch. Bei keiner der vier Abstimmungen kamen mehr als zehn Gegenstimmen zusammen. Am meisten bewegte die Abstimmung über die Vergrösserung und Sanierung der Badi Steinrad. 
Für 2,93 Millionen soll die Badi aufgewertet werden. Geschehen soll dies im Rahmen der kantonalen Sanierung der Seestrasse. Der Gemeinderat will die Chance nutzen, um endlich dem Wunsch der Bevölkerung nach einer besseren Badi nachzukommen, welcher immer wieder in Umfragen geäussert wurde.

Ein teurer Kiosk 
Die Vergrösserung der Anlage um rund 465 Quadratmeter wurde deshalb von niemandem angefochten. Im Gegensatz zum Bau eines 940 000 Franken teuren «Kiosks». Das Gebäude soll an die schon bestehende Garderobe angehängt und mit einer einfachen Küche ausgestattet werden. Es soll den «dauerprovisorischen» Imbissstand auf dem Parkplatz ersetzen, welcher nach der Sanierung der Seestrasse vom Kanton nicht mehr geduldet würde. Die hohen Kosten entstünden durch kantonale Auflagen, die ein Gastronomiebetrieb erfüllen muss, wie Liegenschaftenvorstand Ernst Frei (SVP) erklärte. Unter anderem müssten ein separates WC und eine Garderobe fürs Personal und eine aufwendige Lüftung gebaut werden. 
Frei empfahl der Gemeindeversammlung dennoch die Variante mit Kiosk. Dieser würde einen echten Mehrwert für die Besucher schaffen. Zusätzlich könnten Solarzellen auf dem Dach gebaut werden, um die Duschen in der Garderobe zu heizen. Damit kämen endlich auch die Warmduscher in der Badi auf ihre Kosten, wie Gemeindepräsident Walter Wittmer (Gemeindeverein) witzelte. Auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gab dem Vorhaben ihren Segen. 
Diesen gaben dann auch die Stimmberechtigten. Mit nur vier Gegenstimmen wurde die Variante mit Kiosk angenommen, welche zuvor mit grosser Mehrheit ausgewählt worden war. In der vorangegangenen Diskussion musste der Gemeinderat jedoch eine kleine Rüge einstecken. Die Bezeichnung des Gebäudes als Kiosk sei «Wortklauberei» und Irreführung, da dieses viel mehr einem Badrestaurant gleichkomme. Das Votum erhielt grossen Zuspruch. 
Ansonsten konnte der Gemeinderat aber mehr als zufrieden sein mit dem Abend. Die Stimmberechtigten folgten in allen Geschäften seinen Vorschlägen.

«Viel Aufwand ohne Nutzen» 
Auch die Abstimmung, ob Herrliberg eine Neubewertung des Verwaltungsvermögens, ein Restatement, vornehmen soll, konnte er gewinnen. Dieses wurde, wie vom Gemeinderat empfohlen, beinahe einstimmig abgelehnt. 2019 tritt das neue, harmonisierte Rechnungsmodell 2 (HRM2) in Kraft. Auf diesen Zeitpunkt können die Gemeinden ihre Verwaltungsvermögen neu bewerten. Dazu gehören unter anderem Strassen, Schulhäuser und das Gemeindehaus. Bei einer Bewertung nach dem neuen Modell würde das Vermögen auf einen Schlag um rund 40 Millionen anwachsen. Dies würde aber «keinen einzigen Stutz mehr im Sack der Gemeinde» bedeuten, erklärte Finanzvorsteher Reto Furrer (FDP). Denn die betroffenen Objekte können nicht verkauft werden und deren Wert existiert nur auf dem Papier. Nicht nur auf dem Papier stünden jedoch die Kosten, die das Restatement verursachen würde: Dieses schätzt der Gemeinderat auf einen fünfstelligen Betrag. Deshalb würden die Nachteile überwiegen. 
Dagegen hielt die RPK. Deren Präsident Joel Gieringer (FDP) verteidigte die Neubewertung damit, dass sie für «mehr Informationen und Transparenz » sorgen würde. Damit stiess er jedoch auf taube Ohren. Die anwesenden Stimmberechtigten beurteilten die Übung als etwas mit «viel Aufwand, aber keinem Nutzen», wie es in einem Statement hiess.

Gute Jahresabschlüsse 
Mehr Freude hatte die RPK an den Jahresabschlüssen der politischen Gemeinde und des Zweckverbandes gemeinsame Sekundarschule Erlenbach- Herrliberg. Beide schlossen besser ab als budgetiert und die Rechnungen wurden einstimmig angenommen. 
So viel Einigkeit animierte die anwesenden Bürgerinnen und Bürger zu politischen Anregungen. Es wurde dem Telefonbüechli nachgetrauert, ein Naturschutzbeauftragter gewünscht und über die «blöden Begonien », die Herrliberg schmücken, gewettert. Die Versammlung dauerte gut zwei Stunden.



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