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12.07.2017 Von: Karin Steiner

Zürich Nord

Immigration war eine Bereicherung für Unterstrass


Das alte Gemeindehaus von Unterstrass. Foto: kst.

Erneut lud der Quartierverein Unterstrass zu einer Führung durchs Quartier ein. Nicola Behrens, Archivar der Stadt Zürich, wusste viel über berühmte Zuwanderer zu berichten.

«Im Jahr 1529 wohnten in Unterstrass 160 Menschen, heute sind es weit über 20 000», sagte Nicola Behrens bei der Begrüssung der zahlreich erschienenen Quartierbewohnerinnen und -bewohner im Beckenhof. «So schnell können sich die Untersträssler nicht vermehrt haben!» Viele Menschen sind seitdem nach Unterstrass gezogen. Damals waren es oft Adlige und reiche Stadtzürcher, die sich hier in der ruhigen Gemeinde in der Anhöhe einen Landsitz erwarben und eine Residenz bauten. Der Beckenhof ist eine der schönsten, die heute noch erhalten sind. Um 1735 wurde die barocke Anlage von der Familie Grebel gebaut. Weil sie verarmte, wurde der Besitz an Familie Hess verkauft, deren Sohn David Hess ein bekannter Dichter war. Der Beckenhof war einst auch Nebenwohnsitz von Hans von Reinhard (1755–1835), einem international bekannten Zürcher Politiker. Seit 1924 gehört das Gut der Stadt Zürich.

Das alte Gemeindehaus
Nächste Station war das alte Gemeindehaus an der St. Moritz-Strasse. Es wurde 1868 eröffnet und verfügte über eine Gefängniszelle, die Gemeinderatskanzlei, ein Sitzungszimmer des Gemeinderates, ein Feuerspritzendepot und die Wohnung eines Polizisten und Abwartes. Auswärtige, die sich in Unterstrass niederlassen wollten, mussten hier vorstellig werden. «Seit 1800 durften sich Bürger aus dem Kanton Zürich in Unterstrass niederlassen. Sie mussten jedoch ihre Vermögensverhältnisse offenlegen, denn die Gemeinde wollte keine Einwohner aufnehmen, die armengenössig werden könnten», erzählte Nicola Behrens. Bürger aus anderen Kantonen mussten nicht aufgenommen werden. «Ein häufiger Ausweisungsgrund war das Konkubinat.» Bei Ausländern brauchte es eine Bewilligung der Regierung.

Das Siechenhaus
Seit dem 14. Jahrhundert befand sich auf der Spanweid ein Siechenhaus mit der St. Moritz-Kapelle. «1688 kamen 1100 Hugenotten auf der Flucht nach Zürich, wovon 100 in der Spanweid untergebracht wurden. Und das bei einer Bevölkerung von 200 Einwohnern», erzählte Behrens. «Man versuchte, sie so schnell wie möglich nach Deutschland loszuwerden.»

Nächste Station war das Gebiet um die «Krone». «Mit dem Bau der Schaffhauserstrasse entstand hier ein richtiges Zentrum mit vielen Beizen.» Entsprechend wuchs hier auch die Bevölkerung. Ein berühmtes Restaurant war das Weisse Kreuz, das dem Gebiet damals auch den Namen gab. Es gehörte Johannes Guggenbühl, der auch zum Posthalter ernannt wurde. Im Saal des Restaurants fanden wichtige politische Versammlungen statt. Im «Kreuz» wurde später das evangelische Lehrerseminar Unterstrass errichtet.

Weiter ging die Reise zum heutigen Alterszentrum Stampfenbach. Hier errichtete der deutsche Einwanderer Fritz Gauger eine Fabrik für Stahlblechrolladen, eine Erfindung, die er 1868 an der Weltausstellung in Paris gesehen hatte und deren Potenzial er erkannte. Die Fabrik wurde für den Bau des Milchbucktunnels abgerissen. Ein weiterer Einwanderer aus Deutschland war Franz Bauer. Er errichtete in den 1860er-Jahren die Kassenschrankfabrik Bauer, die Kaba.

Aus Zürich kam Martin Escher vom Glas (1788– 1870) nach Unterstrass. Der Sohn eines Seidenfabrikanten übernahm die väterliche Fabrik und war einer der einflussreichsten Männer seiner Zeit. Er war unter anderem Mitbegründer und Präsident der Schweizerischen Nordbahngesellschaft. Er residierte im Schindlerpark in einem prächtigen Landgut.

Ebenfalls ein «Ausländer» war Karl Krüsi aus Appenzell. Völlig mittellos wanderte er als 19-Jähriger nach Sumatra aus und kam Jahre später als Multimillionär nach Unterstrass, wo er die Villa Rosenberg kaufte und in Villa Sumatra umbenannte. Sie musste 1975 einem Neubau weichen. In dieser Villa lebte auch Julius Maggi (1846–1912), Sohn eines italienischen Einwanderers. Er entwickelte gemeinsam mit der Schweizerischen gemeinnützigen Gesellschaft eine Suppe, die  Ernährungsdefizite bei der Arbeiterschicht ausgleichen sollte. Zur Geschmacksverbesserung dieser faden Suppen erfand er die Maggi-Würze.



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