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26.07.2017 Von: Silvan Rosser

Züriberg

Eigener Strom auf dem Dach bringt Rendite


Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad eines 4-Personen-Haushalts (5’200 kWh/Jahr) mit einer 30 Quadratmeter PV-Anlage (5 kWp) und einem Batteriespeicher (10 kWh Kapazität). Grafik: Silvan Rosser

Hohe Rendite und Unabhängigkeit bringt eine eigene Photovoltaikanlage.

Der Juni 2017 war in Zürich nicht nur der zweitheisseste, sondern auch sehr sonnig. Die rund 250 Sonnenstunden in Zürich entsprechen einem Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Für Besitzer einer Photovoltaik-(PV-)Anlage war der Juni 2017 also ein guter Monat. Je sonniger, also strahlungsintensiver ein Monat, desto mehr Strom produzieren die PV-Anlagen.

Grosses Potenzial
Die Photovoltaik ist eine wichtige Technologie für die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft. Das Potenzial von Solarstrom ist beträchtlich: rund die Hälfte aller für Solarstrom geeigneten Dachflächen der Schweiz könnten mit ihrer Stromproduktion ein Viertel des heutigen Stromverbrauchs der Schweiz decken. Heute deckt die Stromproduktion aus Photovoltaik erst rund 2 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs der Schweiz.
Gemäss Energiegesetz soll sich dieser Anteil in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. So schreibt das Energiegesetz vor, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 um mindestens 5400 GWh erhöht wird. Der Hauptpfeiler für dieses Ziel ist die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Sie wurde am 1. Mai 2008 eingeführt, um die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien finanziell zu fördern. Mit der KEV wird der Bau von neuen Anlagen gefördert, welche Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen. Die Gelder stammen aus dem Netzzuschlag, welche alle Stromkonsumenten mit jeder verbrauchten Kilowattstunde per Stromrechnung bezahlen. Der Bundesrat legt ihn jährlich nach Bedarf fest. Er ist von 0.45 Rappen/kWh im 2009 auf 1,5 Rappen/kWh im Jahr 2017 gestiegen. Im Vergleich zu den Energie- und Netznutzungskosten macht die Förderung der erneuerbaren Energien auf der Stromrechnung somit rund 7 Prozent aus.

Hohe Rendite
Wer heute eine PV-Anlage auf sein Haus bauen will, kann in der Praxis aber nicht mehr von einer kostendeckenden Einspeisevergütung profitieren. Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel und des grossen Ansturms auf die Fördergelder gibt es jahrelange Wartelisten. Die Chance auf einen Zuschlag ist für neue Gesuche praktisch null. Aus diesem Grund hat das Parlament 2013 im Rahmen einer Revision des Energiegesetzes die Einmalvergütung (EIV) eingeführt. Mit der EIV erhalten Betreiber von kleinen Photovoltaikanlagen statt einer kostendeckenden Einspeisevergütung einen einmaligen Investitionsbeitrag (Einmalvergütung).
Dieser Investitionsbeitrag ist für Private, die eine PV-Anlage auf ihr Dach bauen wollen, eine sehr attraktive Lösung. Eine kleine PV-Anlage von gut 30 Quadratmetern auf einem Einfamilienhaus kostet weniger als 15 000 Franken. Zieht man die Einmalvergütung des Bundes von 3900 Franken sowie Steuerabzüge von 2000 bis 3000 Franken ab, kostet die Anlage deutlich weniger als 10 000 Franken. Mit heutigen Strompreisen und Einspeisevergütungen kann ein Privater mit einer solchen PV-Anlage Renditen von 6 Prozent auf das gebundene Kapital erzielen. Auch ohne Einmalvergütung liegt die Rendite immer noch bei rund 3 Prozent.
Wie attraktiv eine eigene PV-Anlage ist, zeigt sich auch in den Gestehungskosten für den selber produzierten Strom. Sie liegen bei rund 12 Rappen/kWh. Das ist deutlich weniger als die 20 Rappen/kWh, welche die meisten Haushalte für den Strom aus der Steckdose bezahlen. Diese Tatsache wiederum macht den Eigenverbrauch so attraktiv. Je mehr vom selber produzierten PV-Strom auch selber verbraucht werden kann, desto tiefer sind die totalen Stromkosten und desto höher die Rendite auf dem eingesetzten Kapital. Bei einem Eigenverbrauch von 40 Prozent kann die Rendite so auf über 10 Prozent ansteigen!

Eigenverbrauch erhöhen
Die Stromerzeugung der PV-Anlage auf dem Hausdach ist kaum steuerbar. Die Anlage produziert nur dann Strom, wenn die Sonne scheint. In der Nacht liefert die Anlage keinen Strom. Um den Anteil des finanziell attraktiven Eigenverbrauchs zu erhöhen, muss die Stromnachfrage eines Haushalts folglich möglichst gut auf die Stromproduktion der PV-Anlage angepasst werden. Da einige Stromverbraucher wie Kühlschrank, Gefrierfach und Geräte im Stand-by auch Strom verbrauchen, wenn niemand zu Hause ist, liegt der Eigenverbrauchsanteil eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalts (5200 kWh Stromverbrauch pro Jahr) mit einer 30 Quadratmeter grossen PV-Anlage bei 31 Prozent. Die restlichen 69 Prozent des produzierten Stroms der Solaranlage werden ins Netz eingespeist und mit einer (nicht kostendeckenden) Einspeisevergütung abgegolten. Erwärmt der Haushalt das Warmwasser mit einem Elektroboiler (+3000 kWh pro Jahr), können mindestens 40 Prozent des selbst produzierten Stroms der PV-Anlage selber verbraucht werden. Heizt der Haushalt mit einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe (+6000 kWh pro Jahr) so steigt der Eigenverbrauchsanteil auf knapp 50 Prozent, was eine hohe Rendite verspricht.

Batteriespeicher bringt Vorteile
Eine weitere Möglichkeit, den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen, ist der Einbau eines Batterie-Speichers. Diese Speicher haben heute eine Kapazität von 3 bis 15kWh. Wird der von der PV-Anlage produzierte Strom im Haushalt gerade nicht benötigt, kann der Strom im Batteriespeicher zwischengespeichert werden und sobald der Stromverbrauch des Haushalts wieder steigt, verwendet werden. Durch den Einsatz eines Batteriespeichers kann der Eigenverbrauch auf über 75 Prozent erhöht werden. Das heisst, dass nur noch ein Viertel des erzeugten Stroms der PV-Anlage ins Netz abgegeben werden muss. Natürlich ist diese Massnahme mit weiteren Investitionen verbunden. So kostet ein Batteriespeicher mit 10 kWh Kapazität rund 6000 Franken.
Ganz autark ist man damit nicht. Trotz PV-Anlage und Batteriespeicher ist ein Haushalt so erst zu rund zwei Drittel selbstversorgend. Der fehlende Drittel Strom wird weiterhin über das Netz vom Energieversorger bezogen. Es erstaunt somit kaum, dass Netzbetreiber und Energieversorger eine neue Tarifierung wünschen. Denn wer seinen Eigenverbrauch optimiert, um eine hohe Rendite zu bezahlen, muss auch bereit sein, in Stunden der Nicht-Selbstversorgung höhere Preise zu bezahlen.



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