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26.07.2017 Von: Karin Steiner

Zürich Nord

Ein Velo-Abenteuer durch die halbe Welt


Auf ihrer Reise hat Christa Bär viele Bekanntschaften gemacht. Hier in Nordvietnam. Foto: zvg.

Nach der Pensionierung erfüllte sich Christa Bär einen Traum: Sie bepackte ihr Velo und fuhr in die Welt hinaus. In einem Jahr durchquerte sie 20 Länder und legte rund 10 000 Kilometer zurück.

«Das Reisen mit dem Velo ist spannend», sagt Christa Bär, die erst vor ein paar Tagen wieder zu Hause in Affoltern angekommen ist. «Man sieht mehr, riecht mehr, hat mehr Kontakt zu den Leuten. Es ist ein langsames, intensives Reisen.»
Die 65-Jährige ist keine Extrem-sportlerin. «Ich war zwar in den Ferien schon oft mit dem Velo in verschiedenen Ländern unterwegs und fahre auch zu Hause hin und wieder Velo, aber auf diese Reise habe ich nicht extra trainiert.» Sie hat sich jedoch ein auf ihre Grösse abgestimmtes Trekking-Velo machen lassen.
Ende Juni 2016 wurde sie pensioniert, und am 11. Juli fuhr sie los, schwer bepackt mit Kleidern für jede Temperatur, Kartenmaterial und einem Zelt für Notfälle. Im Gepäck waren auch zwei Pfeffersprays, die jedoch unbenutzt blieben. «Ich hatte keine Angst, als Frau alleine zu reisen. Wenn man Angst hat, darf man so etwas nicht machen. Es kommt auch sehr darauf an, wie man sich gibt. Durch das eigene Verhalten kann man viele unliebsame Situationen vermeiden.»

Zwanzig Länder durchquert
Christa Bärs Ziel war Malaysia in Südostasien, wo sie alte Bekannte besuchen wollte, die dort leben. Sie durchquerte die Schweiz, Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Georgien, Armenien, den Iran, die Arabischen Emirate und Oman, flog von dort aus nach Indien, besuchte Sri Lanka, Thailand, Laos und Vietnam, bevor sie ihr Ziel in Malaysia erreichte. «Ich legte täglich zwischen 35 und 130 Kilometer zurück», erzählt sie. «In Armenien musste ich längere Zeit bleiben und auf das Visum für den Iran warten. Das war sehr kompliziert.» Im Iran angekommen, erfuhr sie, dass es Frauen verboten ist, Velo zu fahren. «Ich fuhr aber trotzdem los, mit Kopftuch, und wurde überall sehr freundlich aufgenommen.»

Grosse Hilfsbereitschaft
Überhaupt habe sie überall grosse Hilfsbereitschaft erfahren. «In Georgien zum Beispiel brachten mir die Leute Früchte und Getränke, und auch im Iran wurde ich herzlich empfangen und sofort eingeladen. Die Leute dort waren sehr neugierig zu erfahren, wie man bei uns in Europa lebt. Sie bekommen keine Nachrichten aus der westlichen Welt und waren sehr erstaunt, dass man bei uns kein Kopftuch trägt», erzählt sie lachend. Die iranischen Männer seien sehr respektvoll im Umgang mit Frauen. «Aber Männer und Frauen leben weitgehend getrennt voneinander. So gibt es zum Beispiel von Männern gesteuerte Taxis für Männer und von Frauen gesteuerte Taxis für Frauen.»

Eis und Schnee
Für die Nächte hat sich Christa Bär immer eine Unterkunft gesucht. «Das war nicht immer einfach. Im Iran war es sehr kalt. Ich erinnere mich an eine Nacht in einem Gasthof, der eigentlich geschlossen war. Man gab mir ein kleines Zimmer und einen Ofen, aber ich lag mit allem, was ich dabei hatte, im Bett neben dem Ofen und fror trotzdem.» Auf den Strassen lag Eis und Schnee, sodass sie für gewisse Strecken den Bus nehmen musste.

Vom Iran aus fuhr sie mit der Fähre nach Dubai und traf dort ihren Partner Hans Meier, mit dem sie den Rest der Reise fortsetzte. Sie durchkreuzten Oman – ein sehr schönes Land, wie sie betonte – und flogen von Muskat aus nach Indien. «Ich habe mir überall viel Zeit genommen, um die Landschaft, die Menschen und ihre Kultur kennen zu lernen. Ich habe Schildkröten und Blauwale beobachtet und in Sri Lanka ein Theater besucht. Obwohl ich nichts verstanden habe, war es interessant zu sehen, wie sie dort Theater machen.»

Reden mit Händen und Füssen
Die Unterhaltung mit den Menschen sei nicht immer ganz einfach gewesen. «Je touristischer eine Region ist, umso eher sprechen die Leute Englisch. Aber je weiter man ins Landesinnere kommt, umso schwieriger wird es. Aber mit Händen, Füssen und Gesten habe ich mich immer verständigen können.»

Das Interesse an und die Sympathie für die Schweiz seien durchwegs überall gross gewesen. «Man kennt unser Land, hat aber oft klischeehafte Vorstellungen davon – viele Berge und viel Geld.»

Unterwegs hat sie einige andere Reisende kennen gelernt. «Manchen bin ich an anderen Orten wieder begegnet. Zum Beispiel habe ich eine junge Deutsche getroffen, die mit aufs Handy heruntergeladenem Kartenmaterial unterwegs war. Und ich habe Karten und Bücher mitgeschleppt! Sie hat mir gezeigt, wie es geht, und ich bin meinen Ballast losgeworden.» Allein reisenden Frauen sei sie sonst nicht begegnet. «Zu meiner Sicherheit trug ich einen Ehering und sagte den Leuten, dass mein Mann im nächsten Dorf auf mich warte.» Aber wirklich brenzlige Situationen habe sie nicht erlebt, und die Pfeffersprays blieben unbenützt.

Treffen mit der Familie
In Thailand traf die zweifache Mutter und vierfache Grossmutter ihre Familie, die dort Ferien machte. «Ich habe mich wenn immer möglich regelmässig bei meinen Angehörigen gemeldet, sodass sie sich keine Sorgen um mich machen mussten.» In Malaysia haben Christa Bär und Hans Meier ihr Ziel erreicht und die Freunde besucht. «In den Zeitungen erschienen Artikel über mich und meine Reise, und der König und der Ministerpräsident haben mir die Hand geschüttelt», erzählt sie schmunzelnd.

Wo es ihr am besten gefallen hat? «Ich habe viel Schönes gesehen. Aber Sri Lanka würde ich schon gerne wieder einmal besuchen.»

Der Alltag in Zürich
Jetzt ist Christa Bär dabei, sich in Affoltern wieder einzufinden. Die Wohnung hat sie während ihrer Reise untervermietet. Viel Zeit, sich mit der Pensionierung auseinanderzusetzen, hatte sie bisher nicht. «Aber ich habe keine Angst, dass es mir langweilig wird. Ich habe vier Enkelkinder und ich habe ein Hobby, das mich ausfüllt: Ich schweisse aus Alteisen Kunstwerke. Vielleicht mache ich einmal eine Ausstellung.»

Und natürlich war diese Reise auch nicht ihre letzte: «Im kommenden Frühling fahren wir Richtung baltische Staaten bis Moldawien.»



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