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09.08.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Zürich West

Bei Brand soll Sticker Haustiere retten


Rettung eines Kaninchens beim Brand eines Kleintierstalles: Es wird mit Sauerstoff versorgt. (Foto: Feuerwehr Opfikon)

Ein Horrorszenario: Ein Wohnblock steht in Flammen und die Bewohner verlassen ihn Panik das Gebäude. Dummerweise hat keiner gewusst, dass die Nachbarin aus dem dritten Stock ein schneeweisses Kaninchen namens Köbeli gekauft hat.

Vor kurzem hat der Schweizerische Feuerwehrverband die sogenannten Notfallsticker und Notfallkarten für Haustierbesitzer lanciert. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Feuerwehrverband, dem Österreichischen Bundesfeuerwehrverband sowie der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

Wie es in einem Faktenblatt heisst, sind die Notfallsticker und Notfallkarten dafür gedacht, die Feuerwehrleute zu informieren, dass sich Haustiere im Haushalt befinden, die auch gerettet werden müssen. Während man die Notfallsticker am Türrahmen oder an der Tür anbringen sollte, wird die Notfallkarte mitgeführt. «Die Notfallkarten sollen die Einsatzkräfte darüber informieren, dass sich Haustiere im Haushalt befinden und jemand kontaktiert wird, der sich um die Tiere kümmern kann», wird im Faktenblatt erklärt. Ähnlich also wie ein Organspendeausweis oder eine Karte mit Notfallkontakten.

Feuerwehr empfiehlt Sticker

Schutz & Rettung Zürich, unter deren Dach Feuerwehr, Rettungsdienst, Zivilschutz, Einsatzleitzentrale und Feuerpolizei der Stadt Zürich vereint sind, steht dem Projekt positiv gegenüber. «Wir halten das für eine gute Sache und unterstützen diese Idee, mit einfachen Mitteln auf Haustiere hinzuweisen», gibt Mediensprecher Urs Eberle Auskunft. Wie und ob sich dieses Mittel in der Praxis bewähre, werde sich dann später zeigen, wenn erste Erfahrungen gemacht worden seien, fügt Eberle an. In Zürich sei es schon vorgekommen, dass Tiere bei einem Brand gestorben sind, weil sie vergessen gingen. «Das ist bestimmt auch schon vorgekommen, weil wir keine Kenntnis davon hatten und weil sich Tiere dann auch oft verkriechen», so Eberle. Andererseits hätten durch Schutz & Rettung schon häufig diverse Tiere rechtzeitig gerettet und ihren Besitzern übergeben werden können.

Aktiv Werbung für das Projekt wird die Zürcher Berufsfeuerwehr wohl nicht machen. Die Sensibilisierung für die Aktion gehöre nicht zum Aufgabenbereich von Schutz & Rettung. Eberle: «Das sehen wir nicht als unsere Aufgabe, dafür ist der Feuerwehrverband die richtige Institution. Aber dennoch können wir das Ganze befürworten.»

Weiterhin Mensch vor Tier

In einem Brandfall gehe Eigenschutz immer vor. «Nie das eigene Leben riskieren, um ein Tier zu retten», empfiehlt Eberle. Wichtig sei, die Feuerwehr sofort darüber zu informieren, wenn sich noch Tiere im Haus befänden. Dazu gehöre die Art des Tiers, der Ort, an dem sie sich befinden, sowie die Anzahl.

Im Kanton Zürich hat die Gebäudeversicherung des Kantons (GVZ) die Aufsicht über die Feuerwehren. Für die GVZ sei die Aktion zwar sympathisch, allerdings ändere sie am taktischen Einsatz bei den Feuerwehren nichts, erklärt Kommunikationsverantwortliche Ruth Mattle Schärli und ergänzt: «Bei einem Feuerwehreinsatz steht immer die Rettung von Mensch und Tier im Vordergrund. Der Sticker kann jedoch durchaus als zusätzliche Informationsquelle dienlich sein.» Welche Erfahrungen damit bisher im Kanton gemacht worden seien, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. «Da die Aktion erst angelaufen ist, verfügen die Feuerwehren im Kanton Zürich noch über keine Erfahrungswerte», sagt Mattle Schärli.

Zudem betont die Mediensprecherin: «Bei einem Brandfall gehen die Haustiere nicht vergessen.» Alle Räume würden sorgfältig abgesucht. Doch was sollten Haustierbesitzer bei einem Brandfall konkret beachten? «Die Haustierbesitzer sollen sich wie ein normaler Hausbesitzer verhalten: Über Telefon 118 die Feuerwehr alarmieren, Personen und Haustiere retten, Türen schliessen, wenn die Möglichkeit besteht, den Brand bekämpfen, sowie die Feuerwehr zum Brand leiten», zählt Mattle Schärli auf.

 

Ein Feuerwehrmann gibt Tipps für Haustierbesitzer

«Wenn es möglich ist, kann der Besitzer bei einer Evakuation sein Haustier selbst in Sicherheit bringen. Idealerweise sollten Hunde angeleint und Katzen in einer verschlossenen Transportkiste evakuiert werden», erklärt Patrick Steiner, Stützpunktkommandant bei der Feuerwehr Kloten. So könnten die Tiere nicht wegrennen.

Ist dies nicht möglich, sollten Tiere in ein sicheres Zimmer gebracht werden und die Tür zugezogen werden – nie aber abschliessen. «Ganz wichtig ist zudem, beim Verlassen der Wohnung die Wohnungstür nicht mit dem Schlüssel zu verschliessen, auch wenn der Brand bei einem Nachbarn ist», betont Steiner. Die Feuerwehr müsse sonst mühsam die Schlüssel organisieren, um Zugang zu den Wohnungen zu erhalten. Dieser sei oft nötig, um beispielsweise die Wohnung zu entrauchen, einen Wasserschaden zu beheben oder Tiere abzuholen und den Besitzern zu übergeben.

«Wenn es nicht möglich ist, die Tiere mitzunehmen, sollte man dies unbedingt dem Einsatzleiter oder einem Offizier der Feuerwehr melden», sagt Steiner. Im Kanton Zürich erkenne man die Feuerwehroffiziere an ihren gelben Einsatzjacken. Jede Feuerwehr sei zudem froh, wenn Informationen über Schlangen, Spinnen oder andere Tiere, welche angetroffen werden könnten, raschmöglichst gemeldet würden. «Dies auch, wenn die Notfallkarte am Eingang sichtbar montiert ist», so Steiner.

Im Umgang mit Tieren schulen

Die Feuerwehr Kloten schult ihre Kader an Grosstierrettungskursen und an Kaderweiterbildungen im Umgang mit Tieren. Steiner: «Jeder Mensch ist aber anders und es gibt einige von uns, welche mit Tieren nicht arbeiten können oder sich den Umgang nicht gewohnt sind.» Hier brauche es immer gegenseitiges Verständnis, auch wenn man bei der Feuerwehr Kloten an Notsituationen gewohnt sei. «Denn jeder Einsatzfall ist neu und hat Unbekanntes in sich», sagt der Stützpunktkommandant. (pw.)

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