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09.08.2017 Von: Franziska Jud

Züriberg

Bund will die Zürcher Technokultur als Kulturerbe der Schweiz fördern


Die Zürcher Technoszene schafft Kultur und wird dafür als «immaterielles Kulturerbe» anerkannt. Foto: Andreas J. Minor

Stadtgärtnern und Technokultur: Das Bundesamt für Kultur hat das «immaterielle Kulturerbe» der Schweiz aufgelistet.

Was haben das Knabenschiessen, Fondue, das Reparieren von Dächern und die Zweisprachigkeit in Biel/Bienne gemeinsam? Sie alle stehen auf der «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz», die seit 2012 existiert. Um in die Liste aufgenommen zu werden, müssen die Traditionen von regionaler, kantonaler oder landesweiter Bedeutung sein. Die Liste umfasst Traditionen aus verschiedensten Bereichen und entsprechend bunt sind die Einträge. So steht etwa Schwingen zwischen Schwimmen im Rhein (BS) und dem Zürcher Sechseläuten. Genauso finden Interessierte auf der Liste Traditionen wie die Berner Bauernkeramik, die Aarauer Bachfischet oder Anna Göldi (GL).
Bisher standen 167 Schweizer Traditionen auf der Liste, aber wie das Bundesamt für Kultur (BAK) meldete, wurde sie nun erstmals aktualisiert und auf 199 Einträge erweitert. Die Schweiz führt die Liste als Teil der Umsetzung einer Unesco-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes. Zu diesem Kulturerbe gehören Musik, Tanz, Sagen, Feste, Bräuche, traditionelles Wissen und vieles mehr. Immaterielles Kulturerbe verändert sich stetig. Die Liste erfüllt eine wichtige Funktion, denn zum Schutz des Erbes muss dieses zuerst identifiziert und genau umschrieben werden. Das Ziel der Bestandsaufnahme ist gemäss dem BAK, «Anerkennung, Aufwertung und Bewahrung des immateriellen Kulturerbes zu fördern». Wie dies konkret funktioniert, erklärt Rico Valär, Leiter Dienst Kulturelle Teilhabe, auf Anfrage: Das Thema der lebendigen Traditionen werde über verschiedene Zusammenarbeiten oder Publikationen in die Bevölkerung gebracht, beispielsweise durch Ausstellungen, eine Buchreihe oder den beliebten thematischen Karten mit Illustrationen und Informationen.

Kein finanzieller Nutzen
Die Liste, die in fünf Sprachen im Internet zu finden und somit der Öffentlichkeit zugänglich ist, soll langfristig das Kulturerbe der Schweiz dokumentieren. In der Nationalbibliothek wird sie dafür digital archiviert. Die Traditionen, die auf der Liste stehen, haben jedoch keinen materiellen Nutzen von ihrem Eintrag, schreibt Valär. Es gebe keine finanzielle Unterstützung durch den Bund. Subventionen von den Behörden hätten nichts mit den Einträgen in der Liste zu tun, spezifische Vereine erhielten keine besseren Chancen auf Beiträge. Der Bund fördert jedoch indirekt die lebendigen Traditionen. Gewisse Vereine wie etwa der Eidgenössische Jodlerverband pflegen mit ihren Aktivitäten das immaterielle Kulturerbe und werden gleichzeitig vom Bund finanziell unterstützt, so Valär.
Den Traditionen nützt der Eintrag aber trotzdem etwas. Gemäss Valär soll das Engagement der Menschen, welche die Traditionen leben und weitergeben, bestärkt und wertgeschätzt werden. Gleichzeitig werde die Bevölkerung für das Kulturleben der Schweiz sensibilisiert.

Bevölkerung darf mitreden
Vorschläge für Traditionen, die aufgenommen werden sollten, können jederzeit eingesandt werden. Zur Aktualisierung betrachteten die Fachpersonen 90 Vorschläge. Diese Vorschläge stammten aus der Bevölkerung und wurden von den Kantonen beim Bundesamt für Kultur eingereicht. Auf die Liste gesetzt wurden schliesslich aber nur wenige. Valär schreibt, dass es bei der Auswahl zwar kein Limit gab, aber die Liste nur schrittweise erweitert werden solle. Dem widerspricht Walter Leimgruber von der Universität Basel. Er teilt auf Anfrage mit, dass die Steuergruppe nicht mehr als 200 Einträge auf der Liste haben wollte. Für die Aktualisierung wurden spezifisch lebendige Traditionen im städtischen Kontext ausgewählt.

Unesco-Kandidatur
Im Kanton Zürich neu dabei sind das Stadtgärtnern, die Wohnbaugenossenschaften und die Zürcher Technokultur. Gefragt nach dem Grund für die Auswahl der Wohnbaugenossenschaften, weist Leimgruber auf die zentrale Rolle von Genossenschaften in unserer Gesellschaft hin. Wohnbaugenossenschaften seien typisch für die Entwicklung von Genossenschaften und seien vor allem in Städten zentral für die Wohnpolitik, das Stadtbild und die Lebensgestaltung vieler Menschen. In Zürich komme ausserdem am deutlichsten zum Ausdruck, dass die Technokultur für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Daher der Eintrag auf der Liste. Seit der Erstellung der ursprünglichen Liste eingetragen sind beispielsweise das Albanifest, die Räbeliechtli- Umzüge, die Zürcher Seidenindustrie und das Vereinswesen.
Die Unesco führt gleichzeitig eine internationale Liste von lebendigen Traditionen. Einträge umfassen zum Beispiel die belgische Bierkultur oder Yoga in Indien. Aus der Schweiz wurde 2016 das Winzerfest in Vevey in die internationale Liste eingetragen. Momentan sind zwei weitere Kandidaturen hängig: Die Basler Fasnacht und der Umgang mit der Lawinengefahr in der Schweiz.



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