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09.08.2017 Von: Franziska Jud

Zürich West

Hilfe beim Strukturieren des Alltags


Ob beim Einkaufen, Spazieren oder Vorlesen: Freiwillige des Kirchenprojekts Wegbegleitung bieten Unterstützung im Alltag. (Foto: aj.)

Krisen kommen manchmal wie aus heiterem Himmel. Manche Menschen schaffen die Bewältigung nicht aus eigener Kraft und benötigen Hilfe, die sie aber von den Behörden und anderen Institutionen nicht immer bekommen. Viele Menschen haben ihrerseits das Bedürfnis, ihre Lebenserfahrungen weiterzugeben. Hier setzt das Projekt Wegbegleitung der reformierten Kirche Zürich an: Freiwillige, die gerne andere Menschen begleiten möchten, werden an Hilfesuchende vermittelt. Ungefähr einmal pro Woche treffen sich die Freiwilligen mit den Begleiteten. Die Kirchgemeinden Affoltern, Höngg und Industriequartier haben das Projekt vor einigen Jahren gestartet. Nun soll es auf die ganze Stadt ausgeweitet werden.

Freundschaften entstehen

Zurzeit haben sich 15 Freiwillige engagiert. Sie machen gemeinsam mit den Begleiteten und einer Koordinatorin jeweils zu Beginn Art und Modus der Begleitung ab. Wie viel Zeit man investiert, kann jeder selbst entscheiden. Karen Walthert, die seit 2015 als Freiwillige Menschen betreut, schätzt dies sehr. Sie betont, dass es wichtig sei, seine eigenen Grenzen zu kennen: «Der Hilfesuchende soll die optimale Hilfe bekommen.» Man könne mit gutem Gewissen auch einmal absagen, denn es gebe noch andere Freiwillige, die eventuell passendere Fähigkeiten hätten.

In einem vierteiligen Einführungskurs bereiten sich die Freiwilligen auf ihre Aufgabe vor. Dennis Block, der diese Schulungsabende Ende 2014 besucht hat, erklärt, dass es dabei nicht nur darum geht, wie man den Begleiteten helfen soll. «Man lernt beispielsweise auch, wie man sich abgrenzen kann.» Die Freiwilligen unterstehen der Schweigepflicht. Falls sie dennoch selbst Hilfe benötigen, können sie sich jederzeit an die Koordinationsstelle wenden. Block war froh um diese Möglichkeit, als er eine Dame an ein Behördengespräch begleitete und sich selbst nicht genügend mit den Behörden auskannte.

Sowohl Walthert als auch Block sind begeistert von ihrer freiwilligen Tätigkeit. Beide mögen den menschlichen Aspekt. Die Freiwilligen lernen durch ihre Hilfe viele Menschen kennen. Eine Begleitung dauert grundsätzlich drei Monate. Nach dieser Zeit wird evaluiert, ob noch Hilfe nötig ist. Die effektive Dauer hängt immer von der Situation ab. Manche Freiwillige behalten den Kontakt zu den Begleiteten aber auch später noch. Walthert erzählt, dass sich zwischen ihr und einer älteren Dame, mit der sie spazieren ging, eine richtige Freundschaft entwickelt habe. Block ergänzt, dass er einmal eine Frau begleitet hat, die Fahrradmechanikerin war: «Sie war froh, dass sie mir durch ihre Erfahrung mit Fahrrädern etwas für die Unterstützung zurückgeben konnte.»

Eine Begleitung beginnt immer mit einer Anfrage. Wenn man sich der Situation gewachsen fühlt und die Anfrage annimmt, findet ein Treffen mit dem Hilfesuchenden und der Koordinatorin statt, wobei gemeinsam Inhalt und Ziel der Begleitung festlegt werden. «Danach kann man immer noch absagen», fügt Walthert an.

Helfen durch Zuhören

Jede Situation ist unterschiedlich und manche auch schwierig. Dies fordert von den Freiwilligen eine gewisse Flexibilität, was aber keine Hürde darstellt: Walthert gibt gerne ihre eigenen Lebenserfahrungen weiter. Grundsätzlich müsse man gut zuhören können und selbst etwas zurücktreten können. Der Aufgabenbereich ist sehr breit. Je nach Fähigkeit der Freiwilligen kann dies Spazieren, Einkaufen oder Vorlesen umfassen. Manchmal geht es auch darum, im Haushalt oder Garten zu helfen. Häufig helfe man, indem man den Menschen Gesellschaft leistet oder sie beim Strukturieren des Alltags unterstützt, so Walthert.

Das Projekt kann unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Herkunft in Anspruch genommen werden. Es habe keinen Fokus auf die Religion, auch wenn es von der Kirche organisiert werde, meint Block. «Dies war mir wichtig.»

Beide Seiten profitieren

Menschen zu helfen, bereitet den Freiwilligen grosse Freude. Block bezeichnet die Hilfeleistung als Win-win-Situation: «Der andere fühlt sich gut, weil man ihm geholfen hat, und selbst hat man Spass, weil man helfen konnte.» Dies funktioniere aber nur, wenn passende Hilfe angeboten werden kann. Besonders gefreut hat ihn, als er beim Gespräch mit den Behörden eine gewisse Ruhe mitbringen konnte, denn die Begleitete sei mit der Stresssituation etwas überfordert gewesen.

Die Erfahrungen im Projekt haben Auswirkungen auf den Alltag der Helferinnen und Helfer: Man sehe eher, wenn Menschen Hilfe brauchen, findet Walthert. «Es ist eine wunderbare Sache, einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten», schwärmt sie. Auch Block ist sehr zufrieden mit dem Projekt. Sein Tipp für Interessierte? «Machen!» Er schlägt vor, dass man an einen Informationsabend und zu den Vorbereitungskursen gehen soll und dann erst überlegt, ob man der Typ dafür ist. «Gerne dürfen auch mehr jüngere Leute mitmachen, ich war mit Abstand der Jüngste», sagt der 41-Jährige.

Nächster Informationsabend: Mittwoch, 23. August, 19.30 Uhr, Haus am Lindentor, Hirschengraben 7. Weitere Informationen: www.zhref.ch/wegbegleitung.



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