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10.08.2017 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

FCK-Trainer Rainer Bieli: «Der Worst Case ist eingetroffen»


Marcio Araujo und Rainer Bieli,

Der FC Küsnacht steht vor einem Umbruch. Nachdem die Klubführung entschieden hat, Spielern kein Geld mehr zu bezahlen, haben etliche Spieler den Verein verlassen. Vor dem Saisonstart steht Trainer Rainer Bieli Rede und Antwort.

Rainer Bieli, heute beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Wie viele bekannte Gesichter sind noch dabei?
Das sind insgesamt noch neun inklusive zweier Torhüter und zweier ganz junger Spieler, die letzte Saison noch kaum Einsätze hatten. Stammspieler sind also noch fünf dabei, plus ich selber als Spielertrainer. Wir werden also wirklich jonglieren müssen.

Haben Sie erwartet, dass tatsächlich so viele gehen werden?
Nein, das ist wirklich der Worst Case. Wir haben gedacht, im schlimmsten Fall gehen 12 bis 14 Spieler, und das ist nun auch eingetroffen. Aber so etwas ist auch eine Kettenreaktion, wenn einer geht, dann gehen gewisse andere auch.

War bei allen Abgängen das Geld ausschlaggebend oder gab es auch andere Gründe für Abgänge?
Andere Gründe gab es nur im Fall von Jan Wiki, der einen Sprachaufenthalt macht, und Gigi Trazza, der aufgehört hat respektive mit Freunden in einer tieferen Liga spielt.

Wie setzt sich dann jetzt das Kader zusammen? Gab es Zuzüge?
(lacht). Ja, es gab Zuzüge aus dem eigenen Verein. Wir haben aus dem «Zwei» sowie den A- und B-Junioren mögliche Kandidaten evaluiert und mit diesen Gespräche geführt. Die Top 4 aus dem «Zwei» hat uns allerdings aus beruflichen Gründen abgesagt. Deshalb sind viele Jüngere zum Zug gekommen. Der Jüngste im Kader hat Jahrgang 2001. Es ist also eine sehr, sehr junge Mannschaft mit vielen Spielern, die bis jetzt noch bei den B-Junioren gespielt haben. Einen auswärtigen Zuzug gibt es, das ist Philipp Marda, der vom FC Unterstrass gekommen ist.

Sie haben schon Ende Saison, als bekannt wurde, dass der Verein Spieler nicht mehr bezahlt, den Ligaerhalt als Ziel definiert.Gilt dies nach wie vor?
Ja, daran ändert sich gar nichts.

Und wie realistisch ist das?
Es ist realistisch, aber es wird grausam hart. Vor allem körperlich werden wir sehr Mühe haben.

Wurde ein freiwilliger Abstieg auch in Betracht gezogen?
Nein, von uns Trainern nicht.

Gibt es keine Bedenken, diese junge Mannschaft könnte in der 2. Liga überfordert sein?
Nein, es ist kein Überfordern, sondern eine Herausforderung, an der sie wachsen soll. Der Verein hat bereits im Abstiegskampf letzte Saison ganz klar definiert, dass man die Liga halten will. Wir wussten ja auch, dass wohl einige gehen werden, und haben entschieden, dass wir mit den Jungen weiterarbeiten. Gut möglich, dass wir auch Lehrgeld bezahlen müssen, aber die Jungs wissen ja, was das Ziel ist. Falls wir nicht optimal starten, stehen sie nicht gleich unter Druck. Darauf werden wir die Mannschaft auch mit vielen Gesprächen vorbereiten. Es soll wirklich eine Chance sein, dass die Jungs schon in diesem frühen Alter relativ hoch spielen können.

Wird weiterhin versucht, neue Spieler zu holen?
Wir sind immer etwas am Schauen, bekommen auch hin und wieder Kontakte. Dann sagen wir immer ganz klar, was Sache ist, sind aber sicherlich nicht abgeneigt gegenüber weiteren Zuzügen.

Gibt es bestimmte Positionen, wo ihr noch besonders Verstärkung braucht?
Wir sind momentan sicher nicht in der Situation, einen Spieler, der anklopft und von der Qualität her passt, aus Positionsgründen abzulehnen. Wenn wir einen Spieler holen können, dann werden wir dies tun. Wir werden dann aufgrund unseres Spielermaterials unsere Spielweise definieren und nicht umgekehrt.

Ende letzter Saison haben Sie gesagt, das schmale Kader sei mit ein Grund für den knappen Ligaerhalt. Ist das Kader nun in der Breite besser bestückt?
Nein, in der Breite ist es überhaupt nicht besser. Aber dadurch, dass es jüngere Spieler sind, die von Natur aus gerne dort oben spielen möchten, kann sich eine andere Dynamik entwickeln. Letzte Saison hatten wir arriviertere Spieler gemischt mit jüngeren. Gegen Ende der Saison hatten die Erfahreneren das Gefühl, sie würden ja sowieso spielen. Da hat es dann an Konkurrenz gefehlt. Diesbezüglich haben wir jetzt eine andere Situation.

Was halten Sie vom Entscheid, dass der FC Küsnacht kein Geld mehr bezahlt?
Küsnacht hat immer gut bezahlt, sei es in der 2. Liga interregional oder regional. Das habe ich in diesem Masse nicht so erwartet und hat mich überrascht, als ich neu zum Verein kam. Das war eigentlich nicht 2.-Liga- regional-würdig. Dass man nun den Entscheid gefällt hat, von 100 auf 0 zu gehen, das liegt nicht an mir, dies zu kommentieren. Ich als Trainer hätte sicherlich begrüsst, wenn man vielleicht einen Mittelschritt gemacht hätte, um den Hauptteil des Kaders zusammenzuhalten. Dann hätte man die Mannschaft sukzessive umbauen können. So ist es einfach schwarz-weiss, sieht aber dann auch auf dem Platz schwarz-weiss aus.

Ist Küsnacht damit ein Exot in der 2. Liga regional?
Wenn man von offiziellen Zahlen ausgeht, gibt es einige, die nichts bezahlen. Von daher ist man vielleicht schon in einer Situation, in der es der richtige Entscheid gewesen ist.

Kurzfristig gilt der Ligaerhalt als Ziel. Wie sieht es längerfristig aus?
Ich gehe davon aus, dass es längerfristig schon das Ziel ist, dass man sich mit einer Mannschaft aus jungen, eigenen Spielern wieder im vorderen Mittelfeld etablieren kann. Aber die Saison 17/18, und vielleicht auch 18/19, ist eine Übergangssituation, wo man versucht, sich zu retten.

War für Sie klar, dass Sie unter diesen Bedingungen weitermachen werden?
Abgesehen davon, dass Sie nun auch einen tiefer dotierten Vertrag haben. Ja, ich sehe es als Herausforderung, mit einer Mannschaft, die nicht 2.-Liga- erfahren ist, etwas aufzubauen und sie 2.-Liga-tauglich zu machen. Aus sportlicher Sicht musste ich also nicht überlegen.



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