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23.08.2017
Zürich West

Mitten in den Sommer platzt der «Schockfrost»


Wenn sie abdrücken, raschelt mehr als bloss Papier: Die Autorinnen Mitra Devi und Petra Ivanov (v.l.). Foto: zvg.

Die beiden Zürcher Crime Queens Petra Ivanov und Mitra Devi haben gemeinsam einen Psychothriller geschrieben. Ein ziemlich einmaliges Unterfangen in der Schweizer Spannungsliteratur. 

Lisa Maire

«Wir wussten nicht sicher, ob es funktioniert, aber dann passte alles perfekt»: Mitra Devis Gesicht strahlt mit ihrer kanarienvogelgelben Jeans um die Wette, als sie «Zürich West» vom gemeinsamen Buchprojekt mit Petra Ivanov erzählt. Die beiden bekannten Zürcher Krimiautorinnen, die eine in der Altstadt zuhause, die andere in Wiedikon, sind seit Jahren befreundet und unterstützen sich gegenseitig bei ihrer Arbeit – zum Beispiel beim Erstlektorat ihrer jeweiligen neuen Buchtexte. Auch als Herausgeberinnen sind sie ein bewährtes Gespann. So erschien letztes Jahr bereits Nummer zwei des bei Krimi-Lesern sehr gefragten Sammelbands «Mord in Switzerland».

Storyboard gegen Bauchgefühl

Doch auch wenn die beiden Frauen professionell bestens zusammen funktionieren: Als Autorinnen haben sie trotzdem ihre jeweils eigenen Vorgehensweisen. Devi: «Petra schreibt mehr aus dem Bauch heraus, lässt sich von den Figuren leiten. Ich hingegen brauche ein Storyboard, bin die Planerin, die schon am Anfang wissen muss, wer der Täter ist und warum.»

Zu zweit ein Buch zu schreiben, sei deshalb eine ganz besondere Erfahrung für beide gewesen – nicht unbedingt einfach, aber spannend und vor allem sehr lehrreich. Es galt immer wieder Kompromisse zu finden und sich abzusprechen. Auch der Schreibstil der Autorinnen unterscheidet sich. Sie selbst, so Devi, habe die Tendenz, «nochmals einen draufzugeben», etwa eine «fiese Schlusspointe». Petra Ivanov packe mehr Infos in den Text, das könne manchmal verlangsamen. Dazu kommen sprachstilistische Unterschiede. Damit künftige Leserinnen und Leser nicht aus sprachlichen Gründen bei jedem neuen Kapitel aus der Story gerissen werden, haben Ivanov und Devi ihre jeweiligen Kapitel gegenseitig überarbeitet und so die Unterschiede geglättet.

«Schockfrost» spielt im Zürcher Psychiatrie-Milieu. Hauptfigur ist eine Psychiaterin, die Gerichtsgutachten schreibt. Inhaltlich brachte Ivanov dabei viel von ihrem juristischen Wissen mit ein. Devi wiederum, so lächelt sie, konnte bei den «Psychos» – etwas schräge, aber liebenswürdige Nebenfiguren, zu denen sie eine Affinität habe, aus dem Vollen schöpfen. Im Gesamtwerk sei aber nicht mehr erkennbar, welche Textstelle von wem stamme, versichert sie. Und schiebt nach: «Für uns als eingefleischte Einzelkämpferinnen waren die Anpassungen zum Teil gewöhnungsbedürftig.» Es habe einige Auseinandersetzungen gegeben – aber stets konstruktive. Was nicht zuletzt daran liegt, dass beide Autorinnen in hohem Mass zu Kritik und Selbstkritik fähig sind. Und dass zwischen ihnen grundsätzlich fördernde Kollegialität herrscht.

Ohne Vertrauen kein Teamwork

Das Anregende und Lehrreiche am gemeinsamen Schreiben eines Thrillers – ein wohl einmaliges Projekt in der Schweizer Spannungsliteratur – überwiegt jedenfalls in der Rückschau auf den Entstehungsprozess. «Ich habe gelernt, mit einer gewissen Unsicherheit, wie es weitergeht, zu leben, und dass man den Figuren vertrauen darf», bilanziert Devi. Und Petra habe mit einem roten Faden leben gelernt, «dass es also der Kreativität keinen Abbruch tut, wenn man ein wenig plant». Diese Art der Zusammenarbeit – ein Vorlektorat, während das Buch erst rudimentär vorhanden ist – sei zwar sehr ungewöhnlich und brauche viel gegenseitiges Vertrauen. «Das haben wir aber», ist die Autorin überzeugt.

Am Montag, 28. August, um 20 Uhr, lesen Petra Ivanov und Mitra Devi aus ihrem gemeinsamen Thriller. Und zwar anlässlich der Buchvernissage im Kaufleuten, Pelikanstrasse 18, 8001 Zürich. Anschliessend Apéro. Tickets: www.kaufleuten.ch

 

Wettlauf gegen Zeit

Die Psychiaterin Sarah Marten hat ihr Leben im Griff. Die alleinerziehende Mutter führt eine eigene Praxis und pflegt an den Wochenenden ihre behinderte Schwester Rebekka. Als sie den Künstler Till kennen lernt, ist Sarahs Glück perfekt. Doch dann stürzt sie die Treppe hinunter, leidet plötzlich unter Sehstörungen und Gedächtnislücken. Sarahs Exmann, ebenfalls Psychiater, zweifelt an ihren beruflichen Fähigkeiten. Ein Patient behauptet, sie befinde sich in Lebensgefahr. Rebekkas Körper ist von blauen Flecken übersät, Till entwickelt seltsame Krankheitssymptome. Sarahs 15-jähriger Sohn verschwindet.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (pd./mai.)



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