Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
23.08.2017 Von: Pia Meier

Zürich Nord, Zürich 2, Zürich West

Warten auf die Inkraftsetzung der revidierten BZO


Wie viel Wachstum soll und darf möglich sein, etwa im Gebiet Haumesser in Wollishofen? Foto: zvg.

Die kantonale Baudirektion hat die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung grösstenteils genehmigt. Das Plan- und Regelwerk soll in der Stadt Zürich Wachstum ermöglichen und gleichzeitig bestehende Qualitäten sichern. Am 1. September wird es öffentlich aufgelegt.

Die Stadtbevölkerung soll gemäss Szenarien von Statistik Stadt Zürich bis 2030 auf über 490 000 Einwohnerinnen und Einwohner anwachsen. Bis 2040 gar auf 520 000 Menschen. Damit steigen auch die Ansprüche an die bauliche Entwicklung. Die revidierte Bau- und Zonenordnung BZO 2014 soll gemäss Hochbaudepartement der Stadt Zürich diese Entwicklung ermöglichen, ohne dass die Quartiere an Wohn- und Lebensqualität einbüssen oder ihre charakteristischen Bau- und Freiraumstrukturen verlieren.

BZO mit Augenmass
In der Vergangenheit waren die Revisionen von Bau- und Zonenordnungen immer begleitet von hitzigen bis giftigen Polit-Debatten. «Zwar wurde auch über die BZO 2014 heftig debattiert, aber insbesondere im parlamentarischen Prozess fachlich fundiert diskutiert», hielt Stadtrat André Odermatt anlässlich der Medienkonferenz fest. Nun ist das Planungsinstrument von der kantonalen Baudirektion bis auf zwei Punkte genehmigt worden. «Ein wichtiger Meilenstein, um die Qualität der wachsenden Stadt zu sichern», so Odermatt.

Die vorliegende BZO sei eine mit Augenmass. Sie biete eine ausgezeichnete Ausgangslage für die weitere Entwicklung der Stadt. Massgebliche wertvermehrende Um- oder Aufzonungen werden keine vorgenommen. Die Fachleute sind überzeugt, dass die vorliegende BZO über genügend realisierbare Reserven für das erwartete Wachstum verfügt.

Die wichtigste Änderung der BZO 2014 ist die Abschaffung des sogenannten Zürcher Untergeschosses. Dafür dürfen Häuser um ein Vollgeschoss höher gestaltet werden als bisher. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Baumschutz. Erstmals sind in der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich Baumschutzgebiete bestimmt. In diesen Gebieten braucht das Fällen von Bäumen mit mehr als 80 Zentimeter Durchmesser eine Bewilligung. Weiter sollen Zonen für publikumsorientierte Erdgeschossnutzungen an zentral gelegenen Passantenlagen zwecks Förderung des Kleingewerbes eingeführt werden.

Für zwei Punkte zieht die Baudirektion eine Nicht-Genehmigung in Erwägung. Es geht dabei um die vom Gemeinderat gewünschte Möglichkeit zum Ausbau des zweiten Dachgeschosses an Gebäuden, die vor 1999 entstanden sind, sowie um eine technische Anpassung bezüglich Anteil an sexgewerblicher Nutzung. Die Stadt hat nun die Gelegenheit zu einer Stellungnahme.

30-tägige Rekursfrist
Die revidierte Bau- und Zonenordnung wird am 1. September öffentlich aufgelegt. Damit beginnt die 30-tägige Rekursfrist. Der Zeitpunkt der definitiven Inkraftsetzung hängt vom Verlauf der Rechtsverfahren ab. Rekurse werden erwartet, vor allem auch wegen der neuen beziehungsweise erweiterten Kernzonen sowie Quartiererhaltungszonen. Diese schränken die Bauherren stark ein, sind aber für die Quartiere und die Identität der Bewohnerinnen und Bewohner wichtig. Auch wegen Änderungen in Industrie- und Gewerbezonen werden strittige Punkte erwartet.

Bis zur Inkraftsetzung der BZO 2014 gilt wie bis anhin gemäss Stadtratsbeschluss vom Oktober 2014 die Voranwendung mit negativer Vorwirkung. Bauvorhaben werden bereits auf gewisse Vorschriften der neuen BZO überprüft. Dieses Vorgehen erleichtert die Projektierung von Bauvorhaben und verhindert, dass diese die beabsichtigten Vorschriften nachteilig beeinflussen, also grundsätzliche Zielvorstellungen der Planung unterlaufen. Wie Odermatt festhielt, erwartet das Amt für Baubewilligungen eine Fülle von Gesuchen für Um- und Neubauten, sobald die revidierte BZO in Kraft tritt. Grund sei, dass sie dann attraktiver bauen können.

«Endlich Klarheit»
Albert Leiser (FDP) vom HEV hält fest: «Die von der Baudirektion genehmigte Teilrevision der BZO stellt für den HEV Zürich einen wichtigen Schritt für die Zukunft dar. Es ist wichtig, dass endlich Klarheit herrscht, wo und wie in Zürich inskünftig gebaut werden kann. Diese BZO setzt aber kaum Anreize oder Signale im Bereich der Stadtentwicklung.»
Markus Knauss (Grüne) hält fest: «Die BZO ist besonders im Bereich des Grünraums ungenügend. Das wirkt sich nun umso mehr aus, als der Regierungsrat viele Verbesserungen bei der Grünraumplanung im Regionalen Richtplan schlicht und einfach gestrichen hat. So ist eine qualitätsvolle Planung nicht möglich.»

«Zürich soll auch in Zukunft genügend Grünraum für alle bieten»

Stadtrat André Odermatt, im vergangenen Jahr wurden in der Stadt Zürich netto 2500 neue Wohnungen fertigerstellt. Dies hinterlässt nicht den Eindruck, dass die Bauherren auf die revidierte BZO warten.

Die hohe Zahl neu gebauter Wohnungen zeigt vor allem deutlich, dass noch sehr viel Potenzial in der BZO steckt. Um- oder Aufzonungen – wie dies zum Teil gefordert wird – sind zum jetzigen Zeitpunkt deshalb unnötig und keine kluge Massnahme. Mit der teilrevidierten BZO haben wir aber einer Reihe von qualitativen Verbesserungen – auch für Bauherrschaften – den Weg geebnet. Dazu zählt beispielsweise der Ersatz des Zürcher Untergeschosses durch ein Vollgeschoss. Dieser Umstand, wie auch viele Gespräche mit verschiedenen Bauherrschaften, führen zur Annahme, dass die Gesuche zunehmen werden. Exakt quantifizieren lässt sie sich aber nicht.

Kernzonen sind wichtige Identifikationsorte im Quartier. Es ist aber für die Eigentümer in solchen Gebieten schwer nachvollziehbar, wenn in direkter Umgebung siebenstöckige Bauten entstehen und sie gleichzeitig praktisch nichts an ihren Gebäuden machen können. Werden Eigentümer vom Hochbaudepartement beraten?

Bei der Zonenplanung achten wir immer auf quartierverträgliche Zonenabstufungen, sodass beispielsweise siebengeschossige Zonen nicht direkt neben dreigeschossige Zonen zu liegen kommen. Dieser Grundsatz gilt insbesondere auch in der Nachbarschaft der Kernzonen. In gewissen Wohnzonen dürfen aber ab einer bestimmten Grundstücksgrösse bis zu siebengeschossige Wohnüberbauungen realisiert werden, das ist richtig. Dies sind sogenannte Arealüberbauungen. Wichtig ist mir zu betonen: Unsere umfassenden Beratungsdienstleistungen stehen allen Bauwilligen zur Verfügung, auch Eigentümerinnen und Eigentümern in den Kernzonen.

Einerseits ist der Baumschutz ein wichtiges Thema, andererseits will man zum Beispiel die «Gartenstadt» Schwamendingen in den nächsten Jahren massiv verdichten. Wo bleiben die Bäume in Schwamendingen?

Es wurden dort Baumschutzzonen definiert, wo ein quartierprägender Baumbestand in einer gewissen Quantität vorhanden ist. In Schwamendingen haben wir es dahingehend eher mit kleineren Ansammlungen zu tun. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass in Zukunft alle Bäume aus Schwamendingen verschwinden! In der Tat müssen wir vor dem Hintergrund des Wachstums aber besonders Sorge tragen zum Erhalt der Grünräume. Deshalb ist dieses Thema nicht nur in der BZO, sondern auch im kommunalen Richtplan, den wir derzeit erarbeiten, ganz zentral. Zürich soll auch in Zukunft genügend Grünraum für alle bieten. (pm.)

 

 



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