Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
23.08.2017 Von: Lorenz Steinmann

Zürich Nord, Zürich 2, Züriberg, Zürich West

Zürcher Formel E steht auf der Startlinie


Die Strecke (rot) mit Start und Ziel beim Hafen Enge (Stern) führt den Mythenquai und die Alfred-Escher-Strasse entlang, mit Schikanen etwa auf der Stocker- und der Dreikönigstrasse. Die blaue Linie ist die Boxengasse. Karte: Google Maps/Bearbeitung: pw.

Alles ist bereit für das Formel-E-Rennen im Juni 2018 im Enge-Quartier. Es fehlt nur noch die Bewilligung durch den Stadtrat.

Roger Tognella steht auf einer Mittelinsel des Mythenquais – Höhe Hafen Enge. Der Vereinspräsident von eMobil Zürich blättert in einem 200-seitigen Wälzer im Format A3. Es ist das Gesuch an den Stadtrat, damit am 10. Juni 2018 hier in der Enge ein Formel-E-Rennen stattfinden kann. Formel E – das ist quasi die Öko-Ausgabe der Formel 1: ähnliches Fahrzeug-Design, ähnliches Drumherum, aber der Antrieb elektrisch, zumindest in Zürich wäre auch der Stromverbrauch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Ressourcen. Seit vor kurzem Mercedes, BMW und vor allem Porsche angekündigt haben, in der trendigen Formel E einzusteigen, ist deren Reputation nochmals gestiegen. Dass Mercedes der benzingetriebenen Formel 1 den Rücken drehen will, zeigt auch, wie nervös der Rennsport, ja die Automobilindustrie allgemein momentan aufgestellt ist. Ein Wandel hin zu Elektrofahrzeugen scheint absehbar, wie dies bis 2030 oder 2040 auch für den Autoverkehr geplant ist.

Budget von 15 Millionen Franken
Doch wie ist der Stand beim Bewilligungsprozedere, Herr Tognella? Der FDP-Gemeinderat seufzt. Zwar ist das OK beisammen, das 15-Millionen-Budget gesichert, der Termin vom 10. Juni 2018 im internationalen Rennkalender reserviert und das Konzept bis zum letzten (temporär) abzutragenden Verkehrsinseli ausgearbeitet. Doch eine grosse Unbekannte steht noch aus. Lässt sich der Stadtrat dazu bewegen, bis spätestens Ende September grünes Licht für den Grossanlass zu geben? Tognella gibt sich optimistisch: «Die motorisierte Zukunft wird elektrisch sein. Der Abgasskandal hat das seine noch dazu beigetragen. Da ist ein Formel-E-Rennen in Zürich genau das Richtige, um Schub zu geben.» Zudem werde der Anlass begleitet durch ein hochkarätig und international besetztes ETH-Symposium über nachhaltige Mobilität. Mit einem breiten Schmunzeln ergänzt Tognella, er könne sich zudem vorstellen, am Rennwochenende auf dem General-Guisan-Quai zusätzlich einen Info-Markt für alternative Mobilität anzubieten. «Die Stadt ist eingeladen, ähnlich dem früheren Multimobil-Tag etwas auf die Beine zu stellen», so Tognella. Das wäre eigentlich ein Steilpass an den Stadtrat, Ja zu sagen zu diesem Grossanlass, den Tognella punkto internationaler Ausstrahlung in der Liga des Leichtathletik-Meetings und des Filmfestivals sieht. Auf Anfrage erklärt Robert Soós vom zuständigen Sicherheitsdepartement, man habe das Detailgesuch mittlerweile erhalten. Dieses befinde sich momentan in Vernehmlassung, so der Mediensprecher.

Beisst sich der geplante Anlass nicht mit dem der herrschenden, je nach Blickwinkel überbordenden «Eventitis» im Seebecken? «Der Anlass muss sicher stadtverträglich sein, doch die Formel E ist ein wichtiger emotionaler Treiber für Elektromobilität», findet Tognella. Wichtig sei zudem, dass Training, Qualifikation und Rennen lediglich am Sonntag stattfinden. Zudem sei internationale TV-Präsenz gesichert. «Rund 21 Millionen Zuschauer hat die Rennserie momentan weltweit, 2018 ist neu die ARD dabei», freut sich der 49-jährige Elektrofachmann. Als Rennorte stehen New York, Hongkong, Mexico Stadt, São Paolo, Rom, Paris, sowie München oder Berlin fest. Da würde sich der Name Zürich durchaus gut machen. Tognella erwartet bis zu 30 000 Zuschauer, die ausserhalb der VIP-Tribünen Gratis-Eintritt geniessen würden. Dank der kurvenreichen Strecke wie Alfred-Escher-Strasse, Mythenquai, Genfer- und Gotthardstrasse wäre ein attraktives Rennen garantiert. Doch in den Details liegt der Hund begraben. «Es müssten sicher einige Trottoirs und Mittelinseln abgehobelt werden», erklärt Tognella. Freilich würde dies alles auf Kosten des OKs geschehen, versichert der ehemalige FDP-Fraktionschef im Gemeinderat. Das Tiefbauamt habe schon signalisiert, dass dies technisch sicher machbar sei. Und die Sperrung des Quartiers für den Verkehr? «Wir haben dafür ein Detailkonzept, wie es zum Beispiel auch für den Ironman gilt», so Tognella. Gelassen sieht er auch Kritikern wie der SP 1+2 entgegen. «Wir wollten das Ganze zuerst seriös aufgleisen und den Stadtrat umfassend informieren», kontert er ein Communiqué der SP1+2, das die bisherige Kommunikation bemängelte. Zudem habe man die Quartiervereine Enge und Wollishofen frühzeitig und aktiv informiert.

Deadline Ende September
Nun also liegt der Ball beim Stadtrat. «Wir brauchen die Zusagen bis Ende September, sonst ist der Termin von 2018 abgefahren.» Bisher habe man vom Stadtrat durchaus positive Signale erhalten, wertet Tognella einen Brief, den er im Mai vom Stadtrat erhalten hat. Formal entscheiden muss schlussendlich das Sicherheitsdepartement von Richard Wolff. «Dort ist das Büro für Veranstaltungen angesiedelt», erklärt Tognella. «Immerhin würde bei einer Zusage rund eine Million Franken an Gebühren in die Stadtkasse fliessen», fügt der Schwamendinger an.
Doch was passiert, wenn sich der Stadtrat nicht einigen kann? «Moskau steht schon in den Startlöchern, um den Termin zu übernehmen», sagt Tognella. Die Russen sollen übernehmen? Das wäre dann wirklich der Plan B.



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