Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
24.08.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Der Ausfall ist nicht ganz so schlimm wie erwartet


In diesem Jahr sind die Rebstöcke sehr spärlich behangen. Foto: Annina Just

Die Rebberge am Zürichsee haben den Frost im April etwas besser überstanden als anfänglich gedacht. Der Winzer Diederik Michel rechnet bei gewissen Sorten trotzdem mit Ausfällen von rund 90 Prozent.

Der Schock sass bei den Winzern tief: Ende April erfror wegen des Frosts ein grosser Teil der Rebentriebe. Seit Jahrzehnten hatte die Region um den Zürichsee keinen vergleichbaren Spätfrost mehr erlebt. Die bittere Bilanz war in weiten Teilen der Schweiz grosse Schäden im Wein- und beim Obstbau. «Der Schaden ist immens», sagte der Winzer Diederik Michel damals gegenüber dem «Küsnachter». Knapp vier Monate später hat sich die Lage leicht gebessert, die allerschlimmsten Befürchtungen von einem Totalausfall sind nicht eingekehrt. «Einige Reben haben sich zum Glück erholt», erklärt der Pächter des ehemaligen Welti- Weinbergs heute. Es sei aber von Sorte zu Sorte unterschiedlich. Wenn ein Trieb erfriert, wachsen in der Nähe meist neue Triebe. Allerdings bilden diese Triebe nur wenige Trauben. Will heissen: Obwohl die Rebberge aktuell voller Laub sind, bedeutet das nicht, dass viele Trauben hängen.
«Am Zürichsee haben wir milderes Klima als anderswo im Kanton. Aus diesem Grund waren viele Triebe beim Kälteeinbruch weiter entwickelt und sind erfroren», erklärt der Küsnachter die Situation. Von der Weissweinsorte Räuschling gebe es wohl etwa 20 bis 30 Prozent einer Ernte in einem durchschnittlichen Jahr. Noch düsterer sehe es beim Riesling-Sylvaner oder beim Dornfelder aus. Hier rechnet der Winzer mit höchstens 5 bis 10 Prozent der Ernte.
Im Gegensatz dazu sieht es bei der Rotweinsorte Pinot Noir deutlich besser aus. Michel denkt, dass diese rund 50 Prozent des regulären Ertrags abwerfen dürften. «Ich hoffe auf einen schönen Herbst», sagt der Küsnachter. Michel plant nun, Trauben einzukaufen. «Das gibt dann aber keinen Küsnachter Wein», bedauert er. Zudem sei das Einkaufen bei gewissen Sorten in diesem Jahr gar nicht so einfach, weil die ganze Deutschschweiz vom Frost betroffen war und es in allen Regionen Schäden gab. «Im Zürcher Weinland haben die Hagelstürme Anfang August der Ernte nochmals stark zugesetzt», so der Winzer. Zum Glück seien die Reben am Zürichsee wenigstens davon verschont geblieben.

Weissweinsorten hart getroffen
Dafür, dass das Unwetter vom 1. auf den zweiten 2. August die Goldküste verschont hat, ist Winzer Markus Weber vom Weingut Turmgut in Erlenbach dankbar. «Da haben wir wirklich Schwein gehabt», sagt Weber. Der Ausfall der Frostnächte im April sei nicht ganz so schlimm wie ursprünglich befürchtet, trotzdem habe bei ihm der Frost für grosse Verluste gesorgt. «Abschliessend kann ich das noch nicht sagen, im besten Fall ernten wir etwa 40 Prozent der Trauben», so der Winzer, der in Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg und Meilen Rebstöcke besitzt. Er sei jedoch schon mit 30 Prozent zufrieden. Hart getroffen habe es vor allem den Riesling-Sylvaner oder den Räuschling. Wie der Küsnachter Winzer Michel hofft auch Weber auf den Pinot Noir. «Diese Sorte hat das Merkmal, dass sie nochmals eine zweite Generation Trauben hervorbringt.» 2017 werde zwar mengenmässig ein kleiner Jahrgang, verspreche infolge des warmen Sommers aber eine gute Qualität.
Ähnlich sieht das Werner Georg Kuster, Kellermeister bei der Weinhandlung Welti Weine in Küsnacht. «Die Lage hat sich minimal entschärft », sagt Kuster. Welti Weine besitzt keine eigenen Rebstöcke und kauft die Trauben im Inland ein. Die ausländischen Weine würden fertig abgefüllt eingekauft. «Der Frost hatte den Reben in der Schweiz und im nördlichen Europa stark zugesetzt, zudem haben die Hagelstürme in der Nacht auf den 2. August nochmals vielerorts Schaden angerichtet.» Kuster besitzt im Weinland privat einen kleinen Rebberg. «Zwei Drittel der Trauben wurden durch den Hagel zerstört», bedauert der Kellermeister. «Zum Glück ist bei mir der Weinbau ein Hobby. Bei anderen können solche Unwetter die Existenz gefährden.» Bei den Rotweinen rechnet Kuster damit, dass er die Einbussen einschränken kann, weil Welti Weine letztes Jahr mehr rote Trauben gekauft hat. «Somit können wir den Mangel an 2017er Rotwein vermutlich überbrücken», hofft Kuster. Bei den Weissweinen ist er weniger zuversichtlich. Kuster: «Es wird grosse Mindererträge geben.»

Versicherung gegen Frostschäden
Richtig vor dem Frost schützen können sich Weinbauern laut Diederik Michel nicht. «Wir haben es mit Frostkerzen versucht, doch dafür braucht man je nach Grösse der Rebberge sehr viel Personal», so der Winzer. Es gebe noch weitere Methoden, deren Erfolg aber ebenfalls ungewiss sei. «Ich hoffe, dass ein solcher Frost in den nächsten Jahren ausbleibt», sagt Michel. Doch weil es mit der Klimaveränderung am Zürichsee tendenziell wärmer werde, würden die Reben wohl auch in Zukunft früher austreiben. Dadurch wären sie bei einem ähnlichen Kälteeinbruch wie in diesem Jahr stärker gefährdet. Der Küsnachter wird deshalb eine Versicherung gegen Frostschäden abschliessen. Die Versicherung decke allerdings nur den Ernteausfall. «Die Wertschöpfung entsteht, wenn wir aus den Trauben Wein produzieren», gibt Michel zu bedenken. Den Ertrag aus der Weinproduktion zu versichern, wäre laut dem Winzer kaum bezahlbar.



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