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30.08.2017
Zürich West

«Der Grat war schmal, oft stürzte etwas ab»


Radiomacher der ersten Stunde: Frank Baumann und Röbi Koller (v. l.). Foto: zvg.

Radio 24 ist zurzeit mit knapp 200 000 Hörern das meistgehörte Privatradio im Konzessionsgebiet Zürich–Glarus. Ein Blick in die Geschichte des Privatradios, das am 1. November 1983 legal auf Sendung ging.

Elke Baumann

Seinen eigentlichen Start hatte der Schweizer Privatsender vor bald 40 Jahren in Italien: 1979 sendet Roger Schawinski über die weltweit grösste UKW-Antenne vom 2948 Meter hohen Pizzo Groppera aus moderne Musik und News bis in den Grossraum Zürich hinein. Mit dieser Herausforderung entfacht der Journalist eine Hörfunkrevolution in der Schweizer Radiolandschaft. Schawinskis Sendestudio befindet sich in einem Einfamilienhaus in Cernobbio, in der Provinz Como. Ein Husarenritt, denn nach italienischem Recht war es, im Gegensatz zum Schweizer Gesetz, schon damals legal, private Radiostationen zu unterhalten.

«If you really want»

Die Schweizer Behörden versuchen sofort mit allen Mitteln, den italienischen Staat dazu zu bewegen, den Piratensender Radio 24 zu schliessen. Das Team befindet sich auf einer Achterbahn. Mehrmals steht die italienische Polizei mit einem Schliessungsbefehl vor der Tür, mehrmals ziehen die Radiomacher ihre Köpfe wieder aus der Schlinge. In der Heimat ist man besorgt und sieht sie bereits in einem italienischen Gefängnis schmoren. Doch Schawinskis Bonmot «You can get it if you really want» bewahrheitet sich. 1983 werden die Lokalradios in der Schweiz legalisiert. Radio 24 zieht nach Zürich um und sendet fortan vom Uetliberg.

Als der Sender noch in den Kinderschuhen steckt, kommt der Moderator mit seinen Polyvinyl-Langspielplatten und Singles ins Studio, die er abwechselnd auf einem der zwei Plattenspieler abspielt. Er schneidet auf den legendären Revox-Tonbandgeräten Beiträge aus Magnettonbändern und klebt die Schnipsel zusammen. Die Bänder und Werbespots werden mittels klapprigen 8-Spur-Tonbandkassetten abgespielt. Heute sind es Computer, die für einen störungsfreien Programmablauf sorgen, sogar die Musik vollautomatisch zusammenstellen. Aber genau wie damals steht und fällt das Programm mit dem Rund-um-die-Uhr-Einsatz der hoch motivierten, perfekt eingespielten Crew. Ohne sie und ihre Begeisterung für das Medium könnte im heutigen harten Konkurrenzkampf kein Sender bestehen.

«Eine Art Taschenmesser»

Frank Baumann, ein Mann der ersten Stunde, erinnert sich: «Am Anfang war Radio 24 ein journalistisches Allzweck-Tool. Eine Art Taschenmesser mit den verschiedensten «jungen» Werkzeugen und scharfen Klingen. Im Vordergrund stand die flinke und unkomplizierte Vermittlung von Inhalten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Sport, Kultur oder Unterhaltung. Die frische, unbekümmerte Art und Weise, wie wir jungen Journalisten ans Werk gingen, unterschied sich wesentlich von jener des behäbigen Schweizer Staatsradios. Es wurde viel improvisiert, gebastelt und gelacht. Der Grat war schmal, oftmals stürzte etwas ab. Aber stets durfte sich das Publikum auf Überraschendes freuen.»

Anpassung an Hörerbedürfnisse

Handwechsel, Rochaden und hoher Wellengang – der Radio-24-Luxusliner bleibt zwar über die Jahre auf Kurs, aber jetzt geht es nicht mehr nur um den Kampf gegen die Stilllegungsverfügung der «Swiss Pirates», sondern gnadenlos um Hörerzahlen und Reichweiten. Hörerschwund bedeutet weniger Werbeaufträge, und die sind das A und O für den Sender. Um à jour zu bleiben, muss sich das Radioteam laufend neu ausrichten, seine Produktion den Hörerbedürfnissen anpassen. So beginnt zum Beispiel seit 2011 ein Frühredaktor bereits morgens um drei Uhr mit den Vorbereitungen zum «Ufsteller».

Über 300 000 Hörer erwarten von ihrem Sender News, Interviews, Unterhaltung und einen modernen Musik-Mix. Punkt fünf Uhr sind dann jeweils zwei Moderatoren «on air». Das Radio 24 von heute ist zwar noch immer unterhaltend und fröhlich, aber es ist erwachsen geworden und das Programm bis ins letzte Detail durchstrukturiert. Und immer häufiger finden die Wünsche der Werbeabteilungen Eingang ins Programm. In Zeiten, in denen der Gürtel enger geschnallt werden muss, ist der Kunde König. Und wenn immer möglich, werden für ihn Wettbewerbe und Events ausgetüftelt.

«Bester Musik-Mix»

Immer wieder werden die Weichen neu gestellt. Der Moderator von heute geht raus aus dem Aufnahmeraum, geht raus zu seinen Hörern, die denjenigen erleben wollen, der sie morgens munter macht, ihnen Tricks und Tipps für den Alltag und nervige oder launige Hits mit auf den Weg gibt. «Modernes Radio machen bedeutet, dass wir versuchen, die Hörerbedürfnisse so gut wie möglich zu befriedigen», bestätigt Florian Wanner, Geschäftsführer von Radio 24. Gerade bei der Musik sei das zentral und dank intensiver Marktforschung gut möglich. «Wir spielen den besten Musik-Mix für unsere Zielgruppe.» Bei den News und Inhalten müsse man jene Themen aufgreifen, welche die Züricherinnen und Zürcher bewegen. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Inhalt aus Zürich oder aus der Welt kommt.

Natürlich setzt Radio 24 auch auf seine Moderatoren. Wanner: «Sie sind unsere Aushängeschilder und sie leben in Zürich. Daher wissen sie, was hier passiert. Sie dürfen durchaus mal überraschen und frech sein – aber immer auf einem erwachsenen Niveau.» Mit den drei Säulen Moderatoren, Musik und News versuche sich Radio 24 von der Konkurrenz abzuheben. Vor allem auch gegenüber internationalen Konkurrenten wie Spotify seien die drei Säulen «einzigartig und können nicht kopiert werden».

Am Samstag/Sonntag, 2./3. September, gibt es bei Radio 24 Führungen durchs Studio auf dem Löwenbräu-Areal, Limmatstrasse 264, 8005 Zürich. Anmeldung erforderlich unter www.radio24.ch («Besucht uns im Radio-Studio»)



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