Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
30.08.2017 Von: Benny Epstein

Zürich 2

Früher war nicht alles besser


Benny Epstein findet nicht, dass früher alles besser war. (Foto: zvg.)

In der heutigen Kolumne lobt Benny Epstein zwei Plätze im Zürcher Kreis 2.

Ich staunte nicht schlecht, als ich diesen Montag auf tagi.ch den Stadtblog von Réda El Arbi las. Darin nervt sich der Verfasser über das Problem der Stadtplanung: Es werde am Menschen vorbeigebaut. Immer wieder müsse er sich «architektonischen Wortmüll» anhören, wenn er sich das neuste 3D-Modell vom nächsten Projekt zeigen lasse. Kollege Réda schreibt vom Platz rund um den Prime Tower, der so hässlich sei, dass selbst Obdachlose ihn nur als Toilette benutzten. Von der Europaallee, mit der ein tiefer Steinkrater ins Stadtherz gerissen worden sei, und von der Wiese, die in einen heissen Stein verwandelt worden sei, auf dem am Sechseläuten ohnmächtige Pferde grilliert würden. Letzteres Beispiel zeige, dass sich die Planer nicht eine Sekunde mit dem Nutzungsverhalten von freien Räumen in der Stadt auseinandergesetzt hätten.

Ach wirklich? Réda El Arbi stellt die These auf, dass sich lebende Menschen gerne in lebendem Umfeld aufhielten: auf Wiesen, in Pärken, am Seeufer. Nicht an toten Plätzen. Ach wirklich? Lieber Réda, ich muss dir entschieden widersprechen. Die ewige «Früher war alles besser»-Masche zieht hier nicht. Du übertreibst masslos, um deiner Kolumne Gewicht zu geben. Es mag sein, dass viele Fantasien junger Architekten nicht zu Ende gedacht sind. Auch gibt es so manch angebliche kunstvolle Skulptur, die das Stadtbild wohl eher verhunzt als verschönert. Doch bezüglich der Plätze, die an den Menschen vorbeigebaut worden seien, täuschst du dich.

Komm doch mal zu uns auf die Allmend Brunau und sieh dir den Freestylepark an: Beton und Metall – ein toter Platz? Mitnichten. Hier skaten Teenager stundenlang auf ihren Brettern herum, Sportfreaks stählen ihre Muskeln, Arbeiter setzen sich zum Mittagessen auf den Stein. Unweit davon ist übrigens – ebenfalls im Kreis 2 – der Tessinerplatz am Bahnhof Enge. Auch er wurde jüngst neu gemacht. Alles aus Stein und dazu noch ein paar Alibi-Bäumchen, würdest du sagen. In Wahrheit ist der Platz seit seiner Wiedereröffnung zum Mittagstreff von Bankern, Gymi-Schülern und Bauarbeitern geworden. Man setzt sich auf die Bänke, legt sich auf den Boden, lehnt an ein Mäuerchen. Toll.

Wann warst du zuletzt auf dem Sechseläutenplatz? Jener Platz, der früher so oft eine matschige Sauce war, ist heute Treffpunkt für Jung und Alt. Mit Glace und Buch sitzen Einheimische und Touristen auf den zur Verfügung gestellten Stühlen, Kinder rennen durchs Wasserspiel. Der Platz ist so gross und dennoch übersichtlich, sodass Eltern ihre Kleinkinder sorglos spielen lassen können, kein Auto, keine anderen Gefahren – mitten im Herzen der Stadt. Und bezüglich der Pferde auf dem heissen Stein: Während des Sechseläutens wird der Stein seit erster Stunde mit Green Turf belegt. Das schont Belag und Tiere. Daran wurde bereits in der Planungsphase gedacht. Nein, lieber Réda, da gab es früher den einen oder anderen Platz in Zürich, der zwar ein lebender Ort war, weil er an einem Flussufer lag. Er war trotzdem ein toter Ort. Weil die Menschen dort starben. Gewiss wird in Zürich viel verbaut, vieles wird grauer, die Weitsicht wird durch Hochhäuser gestört. Doch die schönen Plätze gehen Zürich so schnell nicht aus.

Benny Epstein ist Journalist und lebt in Wollishofen. Welches Plätzchen in Zürich er am liebsten mag, verrät er nicht. Sonst würden alle nur noch dahin gehen.



Anzeigen

Dossier Wahlen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 14. Dezemeber 2017
Zürich 2 vom 14. Dezember 2017
Zürich Nord vom 14. Dezember 2017
Zürich West vom 14. Dezember 2017
Küsnachter vom 14. Dezember 2017
Küsnachter Amtlich vom 14. Dezember 2017

Sonderzeitungen

Tonhalle
Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger