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31.08.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Wenns brennt, soll Sticker Haustiere retten


Rettung eines Kaninchens beim Brand eines Kleintierstalls: Es wird mit Sauerstoff versorgt. Foto: Feuerwehr Opfikon

Bei einem Brand muss die Feuerwehr neben Menschen auch Tiere retten. Jetzt werden Notfallsticker und Notfallkarten für Haustierbesitzer eingeführt.

Ein Horrorszenario: Ein Wohnblock steht in Flammen und die Bewohner verlassen in Panik das Gebäude. Dummerweise hat keiner gewusst, dass die Nachbarin aus dem dritten Stock ein schneeweisses Kaninchen namens Köbeli gekauft hat.
Vor kurzem hat der Schweizerische Feuerwehrverband (SFV) die sogenannten Notfallsticker und Notfallkarten für Haustierbesitzer lanciert. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Feuerwehrverband, dem Österreichischen Bundesfeuerwehrverband sowie der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Wie es in einem Faktenblatt heisst, sind die Notfallsticker und Notfallkarten dafür gedacht, die Feuerwehrleute zu informieren, dass sich Haustiere im Haushalt befinden, die auch gerettet werden müssen. Während man die Notfallsticker am Türrahmen oder an der Tür anbringen sollte, wird die Notfallkarte mitgeführt. «Die Notfallkarten sollen die Einsatzkräfte darüber informieren, dass sich Haustiere im Haushalt befinden und jemand kontaktiert wird, der sich um die Tiere kümmern kann», wird im Faktenblatt erklärt. Ähnlich wie ein Organspendeausweis oder eine Karte mit Notfallkontakten.

Über 7000 Bestellungen
Bekanntmachen will der SFV die Notfallsticker und Notfallkarten mit Plakaten und Karten, die der Verband allen Tierarztpraxen in der Schweiz und in Liechtenstein zukommen liess. Hinzukommen laut Urs Bächtold, Direktor des SFV, Informationen an alle Feuerwehrkommandos, Inserate sowie Beiträge in Tierzeitschriften und Artikel in der Feuerwehrzeitschrift «118 Swissfire». Zudem nutzt der SFV Facebook für die Bewerbung der Aktion, in welcher er von Vier Pfoten unterstützt werde.
«Mittlerweile sind bereits über 7000 Bestellungen für das Notfallset eingegangen und ausgeliefert worden », freut sich Bächtold. Das Set besteht aus zwei Notfallstickern sowie Notfallkarten mit Kontaktadresse im Kreditkartenformat. Es ist für 8.50 Franken im Online-Shop des Feuerwehrverbands erhältlich.
Die Feuerwehr Zumikon-Küsnachterberg steht hinter der Aktion: «Selbstverständlich empfehlen wir die Notfallsticker», sagt Kommandant Christoph Dettwyler. Informationen darüber, wer sich in einem Gebäude befindet, darunter Mensch, Tier oder Gefahrengut, sei für den Einsatz hilfreich und gestalte das Absuchen effizienter. «Es ist einfacher, nach etwas zu suchen, als zu suchen, bis man etwas gefunden hat», betont Dettwyler und fügt an, «die Rettung von Mensch und Tier ist nach wie vor unsere erste Priorität.» Alles was dabei helfe, helfe dem Betroffenen.
In Herrliberg ist die Stützpunktfeuerwehr Meilen zuständig. «Wir erachten die Aktion als durchaus sympathisch und sind der Meinung, dass es sinnvoll ist, mit einfachen Mitteln auf Haustiere hinzuweisen», so Philipp Büchele, Leiter Bevölkerungsschutz bei der Gemeinde Meilen. Ob die Form eines standardisierten Stickers die Richtige sein werde, könne erst durch die gemachten Erfahrungen zu einem späteren Zeitpunkt beurteilt werden. Büchele: «Grundsätzlich ändert sich für uns als Rettungsorganisation nichts.» Umgehend nach der Erstellung der eigenen Sicherheit stehe das Sichern von Menschen und Tieren an erster Stelle des ständigen Auftrags der Feuerwehr. Aktiv Werbung für das Projekt ist seitens Stützpunktfeuerwehr Meilen nicht vorgesehen. «Wir werden jedoch auf unserer Homepage unter den News auf die Aktion hinweisen», so Büchele. Für Fragen der Bevölkerung stehe man jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.
Für die Feuerwehr Erlenbach ist klar: «Grundsätzlich unterstützen wir diese Aktion. Da sie aber noch neu ist, werden wir die Handhabung mit dem Kommando noch genauer anschauen », gibt Kommandant Marcel Wirz Auskunft.

Zusätzliche Infos hilfreich
Zurückhaltender scheint man in Zollikon zu sein: «Grundsätzlich sagen wir, dass so viele Informationen wie möglich am besten sind», sagt John Elben, Zolliker Feuerwehrkommandant. Ein Kleber an der Tür sei für ihn daher sicher keine schlechte Idee, beinhalte aber nicht unbedingt alle Informationen, die die Einsatzkräfte brauchen würden. So wie der Kleber aktuell aufgebaut sei, sage er nur, «dass zu irgendeinem Zeitpunkt ein Haustier im Haus war – mehr nicht», gibt Elben zu bedenken. Wenn auf dem Kleber stehen würde, «drei Meerschweinchen, zweites Zimmer links», dann wären dies sehr wertvolle Informationen. Wenn darauf stehe, «zwei Hunde – Achtung: vom 13.07.- 18.08. in den Ferien», dann helfe dies der Feuerwehr ebenfalls. Der Grund: Die Einsatzkräfte wissen dann, ob zu einem gewissen Zeitpunkt Tiere im Haus sind oder nicht. «Wenn aber bei einer Wohnung steht, ‹eine Katze›, dann ist es nicht falsch, aber doch schon fast überflüssig, da wir sowieso absuchen werden», sagt Elben.
Bei jedem Einsatz würden immer Bewohner oder Nachbarn gefragt, ob sich noch Personen oder Tiere im Haus befänden. Diese Befragung beginne bereits, wenn der Brandfall bei der Einsatzleitzentrale über Telefon 118 gemeldet werde. «Die Informationen, die wir so bekommen sind meistens aktuell und akkurat und haben uns bis jetzt immer geholfen», so Elben.

«Sticker erübrigt sich»
Ebenfalls kritischer äussert sich die Feuerwehr Küsnacht. «Grundsätzlich halten wir den Führungszylinder bei jedem Einsatz ein», erklärt Thomas Bürgin, Kommandant Feuerwehr Küsnacht. Der sogenannte Führungszylinder setzt sich aus Retten, Halten und Beheben zusammen, wobei die eigene Sicherheit an oberster Stelle steht. «Das heisst: 1. Eigene Sicherheit, 2. Retten von Mensch und Tier, 3. Halten von Umwelt und Sachwerten und 4. Beheben, löschen, entsorgen, räumen», zählt Bürgin auf. Die Feuerwehr stelle möglichst rasch einen Kontakt mit den Bewohnern, Nachbarn oder dem Hauswert her und erkundige sich nach vermissten Personen und Tieren. «Teilweise werden wir auf der Anfahrt zum Einsatz durch die Einsatzleitzentrale betreffend Situation informiert, oder der Einsatzfax erhält wichtige Details», ergänzt der Kommandant. «Von mir aus erübrigt sich ein solcher Sticker, da wir immer nach ‹Lebewesen› suchen und das unser Auftrag ist. Egal ob Wellensittich, Katze oder Hund», fügt Bürgin an.
Die Bevölkerung für die Notfallsticker und Notfallkarten zu sensibilisieren, überschreite die Kapazitäten der Feuerwehr Küsnacht. «Wir sind eine Milizfeuerwehr», betont Bürgin. «Unterstützen würden wir das Ganze, nur den Lead können wir nicht übernehmen», sagt der Kommandant.

Ändert nichts an Einsatztaktik
Im Kanton Zürich hat die Gebäudeversicherung des Kantons (GVZ) die Aufsicht über die Feuerwehren. Für die GVZ sei die Aktion zwar sympathisch, allerdings ändere sie am taktischen Einsatz bei den Feuerwehren nichts, erklärt Kommunikationsverantwortliche Ruth Mattle Schärli und ergänzt: «Bei einem Feuerwehreinsatz steht immer die Rettung von Mensch und Tier im Vordergrund. Der Sticker kann jedoch durchaus als zusätzliche Informationsquelle dienlich sein.»
Welche Erfahrungen damit bisher im Kanton gemacht worden seien, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. «Da die Aktion erst angelaufen ist, verfügen die Feuerwehren im Kanton Zürich noch über keine Erfahrungswerte», sagt Mattle Schärli. Zudem betont die Mediensprecherin: «Bei einem Brandfall gehen die Haustiere nicht vergessen.» Alle Räume würden sorgfältig abgesucht. Doch was sollten Haustierbesitzer bei einem Brandfall konkret beachten? «Die Haustierbesitzer sollen sich wie ein normaler Hausbesitzer verhalten: Über Telefon 118 die Feuerwehr alarmieren, Personen und Haustiere retten, Türen schliessen, wenn die Möglichkeit besteht, den Brand bekämpfen, sowie die Feuerwehr zum Brand leiten», zählt Mattle Schärli auf.



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