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06.09.2017 Von: Liz Sutter

Zürich 2

«Motel One»: Einchecken in der alten Post

Am 31. August ist an der Ecke Brandschenke-/ Stockerstrasse das Motel One eröffnet worden, mit nahezu 400 Zimmern eines der grössten Hotels der Schweiz.

Schon Wochen vor der Eröffnung steuerten Menschen mit Rollkoffern den Hoteleingang an, denn Direktor Urs Vogel hatte den Betrieb sanft anlaufen lassen, damit dann ja alles klappt. Innerhalb von 22 Monaten waren die vier Gebäude zwischen Brandschenke-, Stocker -, Diana- und Tödistrasse zu einem einzigen grossen Hotelkomplex geworden.

Teilweise denkmalgeschützt
Auch wenn die Arbeiten eher unauffällig vor sich gingen, so gab es doch einige Knacknüsse. «Die Statik verursachte Probleme», sagt Peter Lehmann, CEO von Swiss Prime Site SPS, «und vonseiten der Denkmalpflege gab es strenge Auflagen.» Die grösste Immobiliengesellschaft der Schweiz hatte die Liegenschaft 2001 von der Swisscom übernommen. Im ältesten Teil von 1915 war eine Telefonzentrale, später eine Poststelle untergebracht. Als sie im Mai 2006 dichtmachte, war dies ein Vorgeschmack auf kommende Filialschliessungen.
Eine Angestellte, die über zwanzig Jahre dort gearbeitet hatte, erinnert sich: «Natürlich waren wir alle traurig, dass ‹unsere› Post verschwinden würde, aber sie entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Als dann in den Räumlichkeiten der Nachtclub Jade eröffnet wurde, ging ich ein paarmal mit Kolleginnen zum Mittagessen hin. Aber irgendwie war uns das Haus da schon fremd.» Für Swiss Prime Site war lange unklar, was mit den ehemaligen Postgebäuden geschehen sollte. «Bis uns bewusst wurde», so Peter Lehmann, «dass sich die rund 13 000 Quadratmeter grosse Nutzfläche von den Dimensionen und Proportionen her für ein Hotel eignen würden.» Mit der Motel One Group fand sich ein geeigneter Partner. Bald sprach sich herum, dass in der Nachbarschaft ein Budget-Hotel namens Motel One einziehen würde. Migg Eichenberger, der seit 1989 gleich gegenüber den Sandwichladen Migg’s Mix führt, meinte: «Das wird sicher schön. Ich kenne die Hotels aus Deutschland, die sind günstig, aber sehr gut.»

Beim Wort «Motel» denkt man an Autos, aber die Hotels der Gruppe haben wenige bis gar keine Parkplätze. «Motel klingt nach günstig, One steht für das Beste», sagt Dieter Müller, CEO und Gründer der Hotelkette zur Wahl des Namens, «oder – anders ausgedrückt – das Grandhotel zum Budgetpreis.» Was wie ein Widerspruch klingt, scheint ein Erfolgsrezept zu sein. Motel One, im Jahr 2000 in Deutschland gestartet, eröffnet mit Zürich bereits sein 57. Hotel. Es war Ursula Schelle-Müller, Chefin Marketing und Design sowie Ehefrau von Dieter Müller, welche für das Erscheinungsbild der Kette die Farbe Türkis festgelegt hatte. In Kombination mit Beige-, Gold- und Brauntönen sorgt diese für eine frische, moderne Note. In Zürich spielt die Einrichtung augenzwinkernd mit den Klischees Berge, See und Schokolade: Bergpanorama hinter der Réception und am Kopfende der Betten. Goldenes Schokoladepapier als Himmel für die Bar, Ledermöbel in allen Schokoladefarben für die Lounge sowie handgemachte Pralinés von Max Chocolatier im Angebot.

Design ist Programm
Im Frühstücksbereich, der bei schönem Wetter auch die Terrasse im Innenhof umfasst, sind Modelle des Schweizer Bootsbauers Boesch ausgestellt. «Like the Price. Love the Design» lautet der Slogan von Motel One. Die Zusammenarbeit mit bekannten Designmarken für Möbel über Lampen bis zur Badeinrichtung ist also Programm. Die Preise beginnen in Zürich bei 169 Franken für eine Person, zu zweit bezahlt man 15 Franken mehr. Frühstück am grossen Buffet gibts für 14.50 Franken. Keines der Häuser hat ein eigenes Restaurant.

In der Umgebung ist das neue Hotel willkommen. Eine Anwohnerin meint: «Früher war das Gegröle der Nachtclub-Gäste bis in die Morgenstunden zu hören, jetzt ist Ruhe eingekehrt.» Peter Bichsel, Buchhändler und Antiquar, lobt die Bibliothek in der Lobby: «Eine populäre, aber geschickte Auswahl an aktuellen Büchern über Zürich und die Schweiz, welche die Gäste sicher anspricht.» Und Migg Eichenberger schätzt die Internationalität und die Belebung des Quartiers und freut sich über erste Hotelgäste, die seinen Laden entdeckt haben.



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