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13.09.2017 Von: Lorenz Steinmann

Zürich 2

«Stürze gehören einfach dazu»


Foto: zvg.

Die Wollishoferin Carol Bouvard (19) setzt die kommende Saison nach
ihrer Matura voll auf den Sport – auf «Aerials», früher Skiakrobatik genannt.
Bouvards Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

Carol Bouvard, Sie wohnen seit Ihrem zweiten Lebensjahr in Wollishofen. Wie kommt man da zum «Aerials», früher Skiakrobatik genannt?

Wir sind mit unserem Turnverein in ein Schnuppertraining auf der Wasserschanzenanlage in Mettmenstetten gegangen. Ich habe also einen Quereinsteig vom Geräteturnen zur Skiakrobatik gemacht.

Ihr Skiclub heisst «Freestyle Company Jumpin». Das tönt nicht nach Wengen oder Adelboden. Was steht dahinter?
Es handelt sich dabei um den lokalen Skiclub der Wasserschanzenanlage «Jumpin», die vom Olympiasieger Sonny Schönbächler in Mettmenstetten gegründet wurde.

Sie sind Zürcherin, kommen also nicht aus einem typischen Skikanton. Gibt es da hin und wieder blöde Sprüche, wie sie früher der Adliswiler Peter Müller auch anhören musste?
Nein, solche Sprüche musste ich mir bisher nicht anhören. Die grösste Wasserschanze der Schweiz, auf der wir den ganzen Sommer trainieren, steht schliesslich im Kanton Zürich.

In welchen Skigebieten trainieren Sie im Winter?
Im Oktober trainieren wir einen Monat in Saas-Fee auf dem Gletscher. Unsere Haupttrainingsanlage, auf der vor allem die Junioren trainieren, befindet sich aber in Airolo, im Tessin. Dort finden jedes Jahr auch die Schweizermeisterschaften statt.

Noch sind Sie im B-Kader. Sind Sie schon Profi, oder gehen Sie in den Sommermonaten noch einer anderen Beschäftigung nach?
Ich habe diesen Sommer die Matura gemacht und werde jetzt ein bis zwei Jahre voll auf den Sport setzen. Ein paar kleinere Beschäftigungen hat man aber auch als «Profisportler» noch nebenbei.

Ihre Disziplin nennt sich «Aerials». Was beinhaltet die Disziplin?
Mit Ski an den Füssen springen wir über bis zu 3,5 Meter hohe, extrem steile Schanzen und zeigen in der Luft akrobatische Sprünge. Gesprungen werden bis zu Dreifachsaltos mit fünf Schrauben. Das Ziel bei uns ist es, möglichst gestreckt und gerade unsere Sprünge zu springen und natürlich am Schluss wieder auf den Füssen zu landen. Bewertet werden am Schluss die Ausführung und die Schwierigkeit des Sprungs.

Wenn Sie oben beim Anlauf stehen, haben Sie da nie Angst vor einem Sturz?
Stürzen gehört in meinem Sport einfach dazu, und ich musste lernen, damit umzugehen. Wenn ich jetzt oben im Anlauf stehe, denke ich aber nicht übers Stürzen nach, sondern fokussiere mich auf meinen Sprung.

Die körperlichen Belastungen sind enorm. Deshalb haben Sie eine Crowdfounding-Plattform zur Finanzierung eines Physiotherapeuten gegründet. Wie ist der Zwischenstand?
Das Projekt läuft sehr gut. Unser Ziel haben wir bereits erreicht, sind aber gespannt, wie viel wir in den letzen 17 Tagen noch sammeln können.

Ältere Sportfans erinnern sich an die Skiakrobatin Conny Kissling. Wie hat sich Skiakrobatik in den letzten 30 Jahren entwickelt?
Skiakrobatik war früher eine Kombination aus Skiballett, Buckelpiste und Schanzenspringen. Die Skiakrobatik von heute hat sich daraus entwickelt, aber beinhaltet nur noch das Springen. Dafür wurden die Sprünge aber umso höher und schwieriger. Und heutzutage tragen wir Helme.

Ende September beginnt die Weltcupsaison. Auf welche Wettkämpfe freuen Sie sich besonders?
Eigentlich auf alle Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann auf den Weltcup in Peking, da ich noch nie in Asien war. Und falls es mit der Olympiaqualifikation klappt, dann freue ich mich natürlich sehr auf Pyeongchang!

Wie weit ist für Sie der Weg zu Olympia 2018 in Pyeongchang in Südkorea?
Näher als ich mir erträumt hätte. Mein Ziel ist es, dass ich mich für die Olympiade qualifiziere. Ich denke meine Chancen stehen nicht schlecht, aber wissen kann man das nie im Voraus.

Wo liegen Ihre sonstigen sportlichen Ziele?
Momentan springe ich, wie die meisten Frauen, nur Doppelsaltos. Mein Ziel ist es aber in Zukunft Dreifachsaltos zu springen. Auch möchte ich früher oder später Weltcup-Podestplätze holen, dafür springe ich aber momentan noch nicht genügend schwierige Sprünge.

Von Korea zurück nach Zürich-Wollishofen: Was gefällt Ihnen an Ihrem Quartier?
Die tolle Lage: Im Sommer gehe ich sehr gerne mit Freunden an den See. Zudem habe ich nur einen kurzen Trainingsweg und das Stadtzentrum ist auch nicht weit weg. Auch gehe ich gerne im Wald joggen.

Was weniger?
Da fällt mir grad nichts ein … Vielleicht, dass im Winter wenn es schneit, so viel Salz gestreut wird, sodass sich der schöne Schnee in Matsch verwandelt.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren sportlich und privat?
Ich denke, dass in zehn Jahren meine sportliche Karriere vorbei sein wird. Vielleicht bin ich dann als Trainerin tätig. Zudem möchte ich reisen gehen, denn dazu habe ich momentan keine Zeit. Ich denke, dass es mich nach Afrika ziehen wird, denn das ist der einzige Kontinent, wo ich mit meinem Sport sicher nie sein werde.



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