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14.09.2017 Von: Lisa Maire

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Kunstausstellung und Ausstellungskunst im Höchhuus


Ob im Küsnachter Atelier oder in der Himalaja-Landschaft entstanden: Fred und Manuel Bauer (v. l.) zeigen im Höchhuus starke Arbeiten. Foto: Lisa Maire

Vitalität, Engagement und hohe Professionalität charakterisieren die Doppelausstellung des Küsnachter Künstlers Fred Bauer und seines Sohns, des Fotografen Manuel Bauer, in der Galerie im Höchhuus.

Das Höchhuus ist für Ausstellungsmacher nicht unbedingt ein einfacher Ort: Die historischen «skulpturalen» Strukturen der Räumlichkeiten wollen bei der Hängung respektive Platzierung berücksichtigt sein, sollen sie nicht allzu sehr in Konkurrenz treten zu den Exponaten. Das Vater-Sohn-Gespann Fred und Manuel Bauer hat diese anspruchsvolle Aufgabe hochprofessionell umgesetzt. So präsentiert Fotograf Manuel Bauer seine kleinformatigeren fotografischen Arbeiten auf extra angefertigten Kartonsockeln; für die grossformatigen Fotos hingegen hat er Motive ausgewählt, die sich auf wunderbarste Art und Weise mit den alten Steinmauern des Höchhuus-Kellers verbinden. Fred Bauer wiederum setzte für die Präsentation seiner künstlerischen Arbeiten in den oberen Räumen der Galerie mit Bedacht auf Fülle und Grossformat.

Aus Alt wird Neu
Die «Taktik», mit der Fred Bauer der visuellen Macht der historischen Mauern, Balken und Nischen Paroli bieten will, brachte für ihn allerdings ein Problem anderer Natur mit sich: Seine gerahmten und hinter Glas präsentierten Werke seien so schwer, dass er sie gar nicht mehr alleine hängen könne, sagte der 89-jährige, halb stöhnend, halb lachend. Kein Thema ist sein Alter jedoch, was die Schaffenskraft angeht: Auch die Kunsthistorikerin Gabriele Lutz gab sich bei ihrer Einführung an der Vernissage beeindruckt von der Vielfalt und Vitalität seines Schaffens. Der Grafiker, Maler und Holzschneider zeigt eine Vielzahl von Acrylbildern und Collagen, dazu einige wenige Holzschnitte und -gravuren.
Ein übergeordnetes Thema haben Fred Bauers Arbeiten nicht, und doch ziehen sich formale und farbliche Gemeinsamkeiten durch das gezeigte Werk. Zum Beispiel das schöne, intensive Blau auf den gemalten Bildern. «Blau war schon immer meine Farbe», heisst seine Erklärung dazu. Eine symbolische Bedeutung verbindet er damit jedoch nicht. Blau sei für ihn «einfach eine schöne Farbe», geeignet, malerische Tiefe zu erreichen. Das Quadrat wiederum ist ein Element, das seine «Recycling»-Collagen prägt. Er liess sich dafür von «Bergen von Abfallmaterial » aus seinem Atelier inspirieren. Ob Fehldruck, Monotypie oder Malunterlage – alles hat er in kleine Quadrate zerschnitten und diese zu neuen Kunstwerken zusammengesetzt.
Quadrat und Collage kommen auch in den «Pixelporträts» zum Zug: Eine Reihe von gemalten Frauengesichtern – in Quadrätchen zerschnitten und zu neuen Gesichtern zusammengesetzt, die sich in der Abfolge immer mehr auflösen. Hinter der Serie steht ein Thema, das Fred Bauer stark beschäftigt: Es gehe darum, so betont er, dass die Entwicklung der Technik den Menschen verändere – in letzter Konsequenz bis zur Unkenntlichkeit, bis zur Auslöschung.

Die Moral kommt vor dem Geld
Wie Fred ist auch Manuel Bauer kein Mensch, der im Leben immer den einfachsten Weg nimmt. Während der Vater als selbstständiger Grafiker auf lukrative Aufträge verzichtete, wenn sie seinen eigenen ethischen Überzeugungen widersprachen, stieg der Sohn trotz vielversprechenden Angeboten aus seinem Beruf als Werbefotograf aus, um sich dem engagierten Fotojournalismus zuzuwenden. Seine Reportagen über den Dalai Lama oder die «Flucht aus Tibet», auf der er ein Mädchen und dessen Vater von Lhasa nach Indien begleitete, machten ihn bald international bekannt.
Auch die Reportage «Sam Dzong – ein Dorf zieht um», die Manuel Bauer nun im Höchhuus zeigt, ist mehr als nur eine eindrückliche fotografische Arbeit. Sie ist ein soziales Projekt im ehemals unabhängigen buddhistischen Königreich Mustang am Himalaja, das auf Initiative des Fotografen zustande kam. Als er 2008 ins Mustang-Tal reiste, habe er sich in der einmaligen Landschaft eigentlich erholen wollen, erzählt Bauer. Doch es kam anders: Bewohner von Sam Dzong kamen zu ihm und berichteten, sie hätten im Dorf kein Wasser mehr. Und schon war Bauers Helferwille geweckt! Auf seine Initiative untersuchten Experten aus der Schweiz das Phänomen und fanden heraus, dass es dem Klimawandel geschuldet ist: Die Quellen versiegten, weil es in der Region infolge des Temperaturanstiegs nicht mehr schneite und damit auch das Schmelzwasser fehlte, das die Dorfbewohner versorgte. Es gab nur eine Lösung: Das Dorf musste umziehen.

Nepalesischer Gerechtigkeitssinn
Nachdem der König von Mustang sich bereit erklärt hatte, den 18 betroffenen Familien neues Land für Häuser und Felder zur Verfügung zu stellen, kam das Hilfsprojekt ins Rollen: Bauer beschaffte mit Vorträgen und Fotoreportagen das nötige Geld, um mit Bulldozern das von Findlingen übersäte neue Land zu räumen. Eine Spendenaktion in der Schweiz brachte dann die Mittel, um das neue Dorf aufzubauen. Wobei die Dorfbewohner die meisten Arbeiten selbst erledigten. Sie hätten Zehntausende Lehmziegel selber gemacht, nennt Bauer ein Beispiel. Oder Geissenböhnchen- Dünger über einen 4000 Meter hohen Pass auf die neuen Felder gebracht.
Manuel Bauers Fotografien dokumentieren den Aufbau des neuen drei Stunden Fussmarsch entfernten Dorfs. Was ihn dabei besonders beeindruckte: Von Anfang an wurden alle Entscheide von den Dorfbewohnern ausdiskutiert. «Sie legen grossen Wert auf Gerechtigkeit», erzählt der Fotograf. So habe jede Familie gleich viel Land bekommen. Über die Zuteilung der «Parzellen » entschied das Los. Je nach Bedarf und Geldbeutel konnten die Familien dann ihre Häuser ausbauen oder untereinander Felder verpachten. Im Mai 2015 sei das neue Dorf bezogen und im Herbst 2016 die erste prächtige Ernte eingefahren worden, berichtet Bauer. «Es geht steil aufwärts!»



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