Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
14.09.2017 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Schlatter wagt die Verbindung von Humor und Religion


Im Garten des Pfarrhauses: Beat Schlatter und Andrea Bianca planen die Bettags-Predigt. Foto: Annina Just

Die Meldung, Beat Schlatter, der Schauspieler und Kabarettist, werde eine Predigt halten, sorgte für «Blick»- Schlagzeilen. Doch so abwegig ist diese Idee gar nicht – dies zeigt ein Gespräch zwischen Schlatter und Pfarrer Bianca.

In einem gewissen Sinn seien sie Berufskollegen, sind sich Schauspieler Beat Schlatter und Pfarrer Andrea Marco Bianca einig. Bei beiden erfordere es der Beruf, dass sie die Menschen mit ihren Worten erreichen und bei ihren Zuhörern etwas auslösen können – nur geschieht dies beim einen von der Kanzel herab und beim anderen von der Bühne. Auch müssten sie sich beide an eine vorgegebene Dramaturgie halten, erklärt Schlatter. «Und auch eine Predigt sollte humorvoll und unterhaltsam sein», ergänzt der reformierte Pfarrer Bianca. Aus diesen Gründen findet es der Küsnachter Theologe und Kirchenrat berechtigt, dass Schlatter, der Schauspieler, Kabarettist und Drehbuchautor, am Bettag in seine eigene Rolle schlüpfen wird.
Der Schauspieler betont aber – und dies sei ihm ganz, ganz wichtig –, dass er nicht «Pfarrer spielen» werde. «Ich mache also kein Theater», so der Künstler. Er wolle vielmehr eine authentische Predigt halten, eine, die seine eigene Handschrift trage.
Schlatter trifft Bianca im Garten des Küsnachter Pfarrhauses, um seine Rohfassung zu besprechen. «Wie entsteht Kreativität?», laute das Thema. Mehr will er in diesem Moment noch nicht verraten, schliesslich wisse er nicht, ob der Inhalt nach der Besprechung mit Pfarrer Bianca noch der gleiche sein werde, meint er schmunzelnd.

Schon viele Wunder erlebt
Den Wunsch, einmal selber auf die Kanzel zu steigen, äusserte Schlatter, nachdem er für die Zeitschrift «reformiert » in einer elfteiligen Serie Pfarrer aus dem Kanton Zürich befragt und sich somit über eineinhalb Jahre mit dem Pfarrberuf auseinandergesetzt hatte.
Zum Abschluss dieser Serie waren die Rollen getauscht worden und Bianca interviewte den Schauspieler zu den Themen «Wunder und Wein», «Kirche und Politik». Da erzählte Schlatter auch, was ihn in der Kirche halte: das Wunder, «das grosse Geheimnis des Glaubens». Er habe schon viele erlebt, hält er fest. «Zum Beispiel, dass die Beziehung mit meiner Frau so gut funktioniert, das ist doch irgendwie ein Wunder.» Auch in seinem Beruf als Künstler hätten «Wunder» eine zentrale Rolle. «Es gibt so vieles, wovon man nicht weiss, wie es funktioniert – das sind für mich Wunder», so der 56-Jährige. Schliesslich gehe es in der Kunst immer darum, Emotionen rüberzubringen, mal gelinge das, mal nicht. Vorhersehbar sei es oft nicht. So sind für ihn Blitzeinfälle – nicht nur in der Kunst, auch in der Wissenschaft oder der Medizin – genauso ein Wunder wie glückliche Zufälle. «Sobald man es erklären kann, ist es kein Wunder mehr, das ist für mich das Geheimnis des Wunders.» Dies sind mitunter Gedanken, die er auch in die Predigt einbringen wolle.
Wieso er das Bedürfnis habe, eine Predigt zu halten, erklärt Schlatter pragmatisch: «Man hat ja viele Wünsche. Genauso wie zum Beispiel einmal ein Feuerwehrauto fahren wollte ich auch schon lange mal auf der Kanzel stehen und eine Predigt halten », meint er schmunzelnd.
Aus Sicht von Pfarrer Bianca ist der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag die perfekte Plattform für eine Predigt Schlatters. Schliesslich ist es ein staatlich angeordneter und nicht ein kirchlicher Feiertag. An diesem Tag sei es Tradition, sogenannte «Laienprediger » in die Kirche einzuladen. «Es geht darum, die Predigt zum Volk zu bringen», erklärt Bianca. Dasselbe gilt auch für die Reformation. «Die Reformation hat die Predigt in die Volkssprache übersetzt. Das war ein ganz zentrales Anliegen von Luther und Zwingli», erklärt Bianca. Daher passe es auch hervorragend zum aktuellen Jubiläumsjahr der Reformation.

TV-Anfragen abgelehnt
Ein Schauspieler als Prediger, wird da die religiöse Rede zum Kabarett? Schlatter verneint ganz klar. Es werde schon einige «Pointen» haben in seiner Rede, aber ob die Kirchgängerinnen und Kirchgänger dann wirklich lachen würden, wisse er nicht. «Humor und Religion zu verbinden, das ist etwas vom Schwierigsten überhaupt», so Schlatter. «Aber genau diese Herausforderung reizt mich.»
Was er mit seiner Predigt auch nicht will, ist für mediale Aufmerksamkeit sorgen. Mehrere Anfragen von Fernsehsendern, die beim Gottesdienst dabei sein wollten, hat die Kirchgemeinde daher abgelehnt. Wer erfahren will, ob es Beat Schlatter gelingt, die Zuhörer mit seinen Worten zu fesseln und in ihnen etwas auszulösen – sozusagen ein kleines Wunder zu bewirken –, muss also den Weg in die Kirche auf sich nehmen.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 16. November 2017
Zürich 2 vom 16. November 2017
Zürich Nord vom 16. November 2017
Zürich West vom 16. November 2017
Küsnachter vom 16. November 2017
Küsnachter Amtlich vom 16. November 2017

Sonderzeitungen

Tonhalle
Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger