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21.09.2017 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter Amtlich, Küsnachter

Mehr Familien, mehr Demokratie


Zumikon will mehr jüngere Bürger an die Gemeindeversammlung locken. Foto: Archiv / aj.

Zumikon verlegt eine Gemeindeversammlung nächstes Jahr auf einen Samstagmorgen. Damit sollen Familien angelockt werden.

Gemeindeversammlungen sind basisdemokratisches Element unserer direkten Demokratie. Ein Forum für die Partizipation des Bürgers am kommunalen Polit-Geschäft. Und sie haben ein Attraktivitätsproblem. Jüngere Generationen sind an den Versammlungen nicht in dem Mass vertreten, wie es wünschenswert wäre. Zu diesem Schluss kam zumindest der Gemeinderat Zumikon. Daher hat dieser Ende August beschlossen, eine Gemeindeversammlung versuchsweise vom Dienstag auf einen Samstag zu verlegen. Der Gemeinderat geht davon aus, «dass die bisherigen Termine [...] gerade für junge Familien mit Kindern nicht ganz einfach einzurichten sind», wie er in seinem Sitzungsbericht vom 30. August festhält. Nach langen Arbeitstagen fehle zudem oft die Motivation, sich noch an einer Versammlung zu engagieren.

Samstagmorgen, 10 Uhr

Am 8. Dezember nächsten Jahres sollen darum vor allem junge Familien um 10 Uhr morgens in den Gemeindesaal pilgern, um ihr demokratisches Recht zu leben. Sieht sich Zumikon demnach im drohenden Griff der Gerontokratie? Nein, schreibt Thomas Kauflin, Gemeindeschreiber von Zumikon, auf Anfrage: «Das Durchschnittsalter an den Gemeindeversammlungen ist nicht eigentlich problematisch. Im Idealfall sind aber demokratische Prozesse so breit wie möglich abgestützt.» Deswegen sei es schade, wenn sich jüngere Einwohnergruppen nicht im Verhältnis ihres Bevölkerungsanteils in den politischen Prozess einbrächten. «Das würden wir gerne etwas ändern», so Kauflin.

Versammlung und Märt

Für den Termin am 8. Dezember in einem Jahr wurde das eigentlich bereits für die Gemeindeversammlung festgelegte Datum um zwei Tage vorverlegt. Dies ermöglichte es, die Versammlung gleichentags wie den Advents-Dorfmarkt durchzuführen, der bis anhin Ende November veranstaltet wurde. «Die Kombination mit dem Adventsmärt bietet sicher für alle einen Mehrwert», ist Kauflin überzeugt. Nach der Gemeindeversammlung können sogleich die Weihnachtseinkäufe erledigt werden. Den Versuch bereits in diesem Jahr durchzuführen, sei nicht möglich gewesen, der Planung wegen. «Die diesjährigen Termine von Versammlung und Adventsmärt waren bereits seit über einem Jahr gesetzt. Die Marktfahrer müssen ihre Einsätze, besonders in der Adventszeit, weit vorausplanen», erklärt Kauflin. Eine kurzfristige Änderung des Programms wäre organisatorisch zu verzwickt gewesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Zumikon versucht, seine Versammlungen familienfreundlicher zu gestalten. Ein Kinderhütedienst sollte ursprünglich dafür sorgen, dass der Nachwuchs während der Gemeindeversammlung gut betreut ist. Allerdings musste dieses Vorhaben aufgegeben werden: «Es gab jeweils nur ein oder zwei Kinder zu betreuen», sagt Kauflin. «Da stimmte das Verhältnis zum Aufwand leider nicht.» Für das neuste Vorhaben ist er aber guter Dinge: «Im Idealfall befruchten sich Gemeindeversammlung und Märt gegenseitig.»

Interessanter Versuch

In den anderen Gemeinden beobachtet man das Zumikoner Vorhaben mit Interesse. «Das ist ein interessanter Versuch, und wir sind gespannt, ob dieser Erfolg hat», meint etwa die Küsnachter Gemeindeschreiberin Catrina Erb. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn auch jüngere Personen vermehrt die Gemeindeversammlungen besuchen würden. Mit der Lancierung der Küsnachter-App und einer aktiven Bewirtschaftung der gemeindeeigenen Facebook-Seite bemühe man sich aktiv um diese Gruppe. «Die Teilnehmerzahl an den Versammlungen ist in den letzten Jahren aber generell nicht gesunken», so Erb.

Ähnlich tönt es aus Herrliberg: «Ideen, die Teilnehmerzahl zu erhöhen, gab es bisher nicht, da unsere Zahlen im Vergleich zu anderen Gemeinden eher über dem Durchschnitt liegen», so Schreiber Pius Rüdisüli. Zudem sei die Teilnehmerzahl immer abhängig von den zu behandelnden Traktanden. Doch «die Zumiker Idee ist einen Versuch wert», ist Rüdisüli überzeugt. Auch weil Gemeindeversammlungen strengtheoretisch-rechtlich ohnehin nicht immer am selben Wochentag stattfinden dürften, da dies einzelne Gemeindemitglieder eventuell benachteiligen könnte. Die Gemeinden Zollikon und Erlenbach waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.



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