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27.09.2017
Zürich West

Ausstattung ist sehr gewöhnungsbedürftig


Das Camp besteht aus zwei Zelten und einer offenen Küche mit Festbank. Foto: Sarah Koller

Als ich auf Boa Vista vor Westafrika gelandet bin, um hier Meeresschildkröten zu helfen, lernte ich meinen neuen Alltag kennen: Jeden zweiten Tag gibt es einen Eimer Wasser, um mich zu waschen. Und neben dem Koch- und Abwaschplan gibt es einen Plan für die Morgen- und die Nachtpatrouille zu den Schildkröten. 

Sarah Koller

Am Sonntag treffe ich frühabends in Boa Vista ein. Müde vom Flug durchquere ich die Passkontrolle, schnappe mir mein Gepäck und begebe mich an die frische Luft, die vielmehr einem Ofen gleichkommt. Direkt vor mir erscheint das mit «Turtle Foundation» beschriebene Willkommensschild, das ein Mann in Shorts und blauem Shirt in die Höhe stemmt. Mit dem Auto geht es direkt nach Sal Rei, der Hauptstadt Boa Vistas.

Sträucher, Steine – und Leere

«Zuerst ein klein wenig Bürokratie, dann ab ins Camp», erklärt mir mein Fahrer, der sich schon wenig später als Volunteer-Koordinator entpuppt. Im Büro der Organisation bezahle ich die Aufenthaltskosten für Essen und Co., unterschreibe das Formular zur Einhaltung der Richtlinien, und dann gehts los! «Ready for camping, Sarah», lässt mein Fahrer den Motor an und düst gleich los Richtung Camp. Die Strassen sind ganz schön holprig. Überall tummeln sich Kühe, Ziegen und Esel. «Wie auf dem Mars», lacht mein Fahrer und deutet auf die kahle Landschaft, die ausser Sand, ein paar Sträuchern und Steinen nichts als Leere zu bieten hat. Als wir von der Hauptstrasse abbiegen, führt der Weg, der als solcher nur schwer zu erkennen ist, über Stock und Stein. Ich muss mich festhalten, so sehr schüttelt mich die Fahrt hin und her. Doch dann die Erlösung: Das Camp erscheint.

Ein wirkliches Klo gibt es nicht

Man heisst mich willkommen, stellt mich dem Team vor. Gleich darauf folgt ein kleiner Rundgang: zwei Zelte, eine offene Küche mit angrenzender Festbank, Raucherecke und Solarladestation. Ein wirkliches Klo gibt es nicht, und auch das Waschsystem ist schnell erklärt: An jedem zweiten Tag steht einem ein Eimer Wasser zur Verfügung, mit dem man sich in der mit Tüchern bespannten Duschstation waschen kann.

Schnell wird klar: Die Ausstattung ist simpel und für wohl jeden Neuankömmling sehr gewöhnungsbedürftig. Müde wie ich bin, lege ich mich gleich nach dem aus Reis und Bohneneintopf bestehenden Abendessen schlafen. Gütigerweise werde ich in dieser Nacht von den Patrouillengängen am Strand noch verschont.

Neue Nester schon umplatziert

Der Folgetag beginnt für mich um 6 Uhr. Mit dem Camp-Koordinator laufe ich einen der bewachten Strände ab, um die Nistaktivität der Schildkröten in der vergangenen Nacht zu prüfen. Tatsächlich gab es auch in dieser Nacht wieder einige neue Nester. Da aber ein Hotel mit einer Vielzahl an Touristen an ebendiesen Strand grenzt, wurden die Nester von den Volunteers bereits an einen anderen Strand gebracht und wieder eingebuddelt. Folglich gibt es für uns nicht viel zu tun.

In einer Farm, nicht weit entfernt vom Camp, legen wir eine kleine Pause ein. Man bringt uns Wasser und Kaffee sowie frischfabrizierten Ziegenkäse, den wir gleich mit ins Camp nehmen. Dort angekommen, wartet schon das Frühstück. Man erklärt mir das Programm und stellt mir die Wochenpläne genauer vor. So gibt es neben dem Koch- und Abwaschplan noch je einen Plan für die Morgen- und für die Nachtpatrouille.

Für heute Nacht bin ich für die erste Nachtschicht von 21 bis 1 Uhr vorgesehen, die jeweils von der zweiten abgelöst wird und bis 5 Uhr dauert. Dabei bewacht man die Strände und arbeitet mit den nistenden Schildkrötenmamis. Ebenfalls auf dem Plan findet man die «Hatchery»-Schicht, bei der die Volunteers neben einem selbstabgesteckten Feld übernachten, um die frischschlüpfenden Schildkrötenbabys zu beobachten. Ich bin gespannt und freue mich darauf, sämtliche Erlebnisse, die mich noch erwarten, im nächsten Artikel genauer erläutern zu können.

 

Meeresschildkröten helfen: Teil 2

Nachdem die 22-jährige Sarah Koller aus Altstetten diesen Sommer erfolgreich ihre Lehre als Kauffrau abgeschlossen hatte, fasste sie spontan den Entschluss, auf die Kapverdischen Inseln zu reisen, wo die Turtle Foundation ein Schutz- und Hilfsprojekt für Meeresschildkröten unterhält. Von dort aus wird sie nun für drei Wochen berichten und den Leserinnen und Lesern das Projekt auf Boa Vista näher vorstellen. Nach dem Artikel über die Vorbereitungen sowie die Organisation Turtle Foundation folgt nun der zweite Teil der Kurzserie mit ersten Erfahrungen vor Ort.



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