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27.09.2017 Von: Bastian Bernhard

Züriberg

Ein Semester im Ruhrpott studieren


Ende einer Ära im Ruhrgebiet – dem grössten Ballungsraum Deutschlands: Kaum etwas beschreibt Gelsenkirchen besser, als die gefühlt unzähligen Denkmäler der geschlossenen Bergwerke. Foto: Bastian Bernhard

Die Feuer in den Zechen im Ruhrgebiet sind erloschen. Was das Ruhrgebiet ausser dem Kohleabbau zu bieten hat, soll während eines Semesters in Gelsenkirchen ergründet werden.

Das Austauschsemester: sechs Monate Spass, Studentenpartys, neue Bekanntschaften, lauschige Abende zwischen Bänken und Stühlen und keine Sorgen. (M)Eine Utopie? Das werde ich nun herausfinden. Schon seit ich mich fürs Studieren entschieden habe, steht dieses halbe Jahr Studium im Ausland fest. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich darauf sogar fast am meisten gefreut. Rund sechs Monate in einem fremden Land, mit fremder Sprache und einer fremden Kultur; schon lange ein Traum von mir.
Vor knapp einem halben Jahr habe ich also angefangen, die verschiedenen Partnerhochschulen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchzuschauen. Darunter gab es Angebote in Dänemark, Frankreich, den USA, und sogar eine Universität in Kenia stand auf der Liste. Ein illustres Angebot in allen Herren Länder präsentierte sich mir. Und nun die relevante Frage: Wo bin ich schlussendlich gelandet? In Gelsenkirchen, in Deutschland. Exotisch oder fremd sind dabei leider nicht die ersten Assoziationen, welche einem dabei vorschweben, wenn man an den grossen Kanton denkt. Und sowieso: Wo zur Hölle liegt dieses Gelsenkirchen denn eigentlich? Und wieso bin ich dort gelandet?

Das Land der Zechen
Gelsenkirchen ist Teil des grössten Ballungsraums Deutschlands, des sogenannten Ruhrgebiets, situiert zwischen Rhein und Ruhr. Umgangssprachlich «Ruhrpott» genannt. Das Gebiet ist eine Ansammlung von Grossstädten wie Dortmund und Essen, welche während der Industrialisierung rasch gewachsen sind und nun kaum mehr ersichtliche Stadtgrenzen aufweisen. Der Grund für diesen Wirtschaftsboom: Kohle.
Die Kohleförderung hat das ganze Gebiet und somit auch Gelsenkirchen geprägt. Egal, in welche Richtung man geht oder fährt, früher oder später steht man vor einem Bergwerk, meist «Zeche» genannt. Aufgrund der unzähligen Förderschächte und Kokereien mit ihren brennenden Kaminen wurde Gelsenkirchen früher «Stadt der 1000 Feuer» genannt. Viel geblieben ist davon aber nicht. Die Feuer sind erloschen, und gezecht wird nur noch in Kneipen und Buden (kleine, in Hauswände eingelassene Trinkhallen, ähnlich den Berliner «Spätis». Geblieben sind die das Stadtbild prägende Fördertürme der ehemals so lukrativen Bergwerke, die noch immer stolz über die Dächer der Stadt ragen. Doch genug von Kohle, Russ und geschlossenen Bergwerken. Denn besonders für eines ist Gelsenkirchen auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Fussball. Die Stadt ist die Heimat des FC Schalke 04 oder eben: der «Königsblauen ». Gegründet 1904 im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke, hat sich der Verein im Laufe der Jahre als einer der erfolgreichsten Fussballklubs Deutschland verewigt. Doch damit nicht genug. Schalke 04 zählt rund 140 000 Mitglieder in verschiedenen Sportdisziplinen und ist damit der sechstgrösste Sportverein der Welt.
Nicht nur in sportlicher Hinsicht ist der Verein wichtig, auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz ist in Gelsenkirchen jederzeit sicht- und spürbar. Mehr dazu möchte ich an dieser Stelle aber noch nicht erzählen. Das würde dem Verein nicht gerecht werden. Eines steht jedoch fest: Gelsenkirchen ohne Schalke wäre wie Zürich ohne See.

Auf in neue Gefilde
Bis jetzt klingt dieses Gelsenkirchen, diese ehemals rohe und russgeschwärzte Kohlenstadt, doch ganz interessant. Gerade diese raue, im Rest Deutschlands auch als «asozial» verschriene Gegend finde ich sehr spannend, schliesslich gibt es in der Schweiz nichts Vergleichbares.
Wenn jemand es genau wissen will, wieso ich dort gelandet bin: Ich habe mich in Deutschland einfach schon immer sehr wohl gefühlt. Deshalb will ich herausfinden, wie es denn ist, wenn ich in unserem Nachbarland für längere Zeit lebe. Der endgültige Entscheid hat bei mir etwas lange gebraucht. Ich bin ein Mensch, der sich mit Entscheidungen schwertut. Somit habe ich es auch möglichst lange aufgeschoben. Um ehrlich zu sein, habe ich alles, was mit meinem Aufenthalt zu tun hatte, immer bis zum letzten Zeitpunkt aufgeschoben. Bis dann eine Stimme in meinem Kopf plötzlich gemeint hat: «So, hopp, Flug buchen und packen, in ein paar Tagen gehts los.»
Ich habe oft mit meinen «Gspähnli», die es ebenfalls ins Ausland zieht, über die kommende Zeit geredet. Über Vorstellungen, Hoffnungen und Vorfreuden, aber auch über Ängste. Denn alleine weit weg in ein anderes Land zu gehen, ist zugegeben ziemlich beängstigend. Und letzte Woche stand ich dann plötzlich am Flughafen. Koffer gepackt (wobei ich natürlich sofort nach der Ankunft gemerkt habe, was alles vergessen gegangen ist), und war auf dem Weg in eine neue, hoffentlich positive Erfahrung.



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