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27.09.2017 Von: Lorenz Steinmann

Zürich 2, Züriberg

Einblick in die Karrierewelt junger Frauen


Regula Bührer Fecker ist Gründerin und heutige Mitinhaberin der Werbeagentur Rod Kommuniaktion AG (Kunden u.a.: Credit Suisse, Denner, SBB, Google, Siroop, Mobility, «20 Minuten»). «Zürich 2» hat sie in der Bar «La Stanza» am Bleicherweg getroffen, wo auch dieses Porträt entstand. (Foto: Lorenz Steinmann)

Regula Bührer Fecker ist zweifache Werberin des Jahres. Der Firmensitz ihrer Werbeagentur Rod Kommunikation ist an der Bürgli-strasse. In diesen Tagen erscheint ihr Buch «#Frauenarbeit – Tipps und Tricks für junge Berufsfrauen». Fazit: Es ist auch für ältere Semester – und für Männer – durchaus lesenswert.

Ihr Büro hat sie schon seit zehn Jahren an der ruhigen, beschaulichen Bürglistrasse, aufgewachsen ist sie in Zürich-Witikon, heute wohnt die 39-Jährige mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern im Kreis 7. Die Rede ist von Regula Bührer Fecker. Ich treffe sie in der Bar «La Stanza» am Bleicherweg. Sie ist ohne Hund Oscar unterwegs, dafür ausnahmsweise mit dem Auto, «weil ich noch zu einem Kunden muss», wie Bührer Fecker fast entschuldigend sagt. Die gelernte Werbeassistentin hat ein respektables Palmarès aufzuweisen. Sie ist zweifache Werberin des Jahres, Gründerin und heutige Mitinhaberin der 25-köpfigen Werbeagentur Rod Kommunikation. Zu deren Kunden gehören etwa Credit Suisse, Denner, SBB, Google, Siroop, Mobility und «20 Minuten». Regula Bührer Fecker ist einer der Stars der Werbebranche – und eine der ganz wenigen Frauen in der dünnen Luft der Chefetage. In diesen Tagen kommt ihr Buch «#Frauenarbeit. Tipps und Tricks für junge Berufsfrauen» auf den Markt. Es ist ein Erfahrungsbericht mit 100 Tipps, wie junge Frauen im Beruf voll durchstarten können – direkt und unverblümt geschrieben. «Ich möchte jungen Frauen Mut machen, einen ähnlichen Weg einzuschlagen wie ich», erklärt Bührer Fecker ihren Erstling.

Verbunden mit dem Quartier
Dass Bührer Fecker auf eine sympathische Art erfolgsfokussiert ist, zeigt ihre persönliche Promotionsarbeit für ihr Buch. Sie hat uns schon vor Monaten angefragt, ob wir nicht an einem Porträt interessiert seien. Stichworte: «Quartierzeitung, Stadtzürcher Werberin, Neuerscheinung». Das zeugt von Leadership, das tönt interessant. Generell sind Anfragen übrigens Alltag auf der Redaktion. Oft eine Neueröffnung, manchmal eine spezielle Aktion. Ist der kommerzielle Hintergrund glasklar, macht das Verweisen an unsere Inserateabteilung Sinn. Dies nur am Rand, als Leserinfo. Nun aber zurück zum Thema, zum vorzustellenden Buch.
Speziell ist, dass darin Regula Bührer Fecker viel über ihre eigenen Erfahrungen preisgibt. Wie sie die Ochsentour, also quasi den Start in der Werbebranche von ganz unten, erfolgreich durchgezogen hat. Sie kennt den Begriff «Frauenarbeit» bestens. Matura, Praktikum in einer kleinen Agglo-Werbeagentur, berufsbegleitende Ausbildung als Werbeassistentin.

Nette Absagen auf schönem Papier
«Es war nur schon äusserst schwierig, überhaupt einen Praktikumsplatz zu ergattern. Alle Briefe wurden mit netten Absagen auf schönem Briefpapier zurückgesandt», erzählt Bührer Fecker. Keine Erfahrung, keine Ausbildung, kein Platz in diesem Mettier. Nach einer letzten Telefonrunde an zehn Agenturen schaffte es Bührer Fecker tatsächlich. Ein Praktikumsplatz in einer kleinen, unbekannten und darum nicht so heftig umworbenen Agentur in Schlieren. «Vom Giessen der Pflanzen über die Betreuung der Kaffeemaschine bis hin zur Telefonakquisition neuer Kunden durfte und musste ich alles machen», so Bührer Fecker. «Neben Schule und Praktikum arbeitete ich ein Jahr lang als Pizzakurierin, um alles finanzieren zu können. Ich stand um acht Uhr morgens in der Agentur und um zwölf Uhr abends noch neben dem Pizzaofen», beschreibt sie in ihrem Buch die damalige Situation stimmig. Das gefällt auch darum, weil der Leser so richtig eintaucht in die Welt der jungen Leute. Eine Welt, wo man lieber einmal mehr Ja zu einer Arbeit als Nein sagen sollte, dies zumindest die Ansicht von Bührer Fecker. Als die damals 21-jährige frisch diplomierte Sawi-Absolventin eine «richtige» Stelle suchen musste, war ihr rasch klar. Sie musste eine weitere Telefonrunde starten und um einen Job betteln. Lassen wir sie doch aus ihrem Buch zitieren: «Zunächst las ich mich in die Firmenporträts ein und versuchte auch, mich in die Ansprechpartner einzufühlen, die ich kontaktieren wollte. Ich recherchierte intensiv, um Gesprächsstoff zu haben. Dann nahm ich ein paar Nachmittage frei, um meine Anrufe zu tätigen und die Bewerbungen gleich hinterherschicken zu können. Und ich überlegte mir, wann ich die Personen am besten kontaktieren sollte. Denn ich merkte: Ich muss selber in guter Stimmung sein, um Unbekannte anzurufen. Und idealerweise sollten meine Ansprechpartner in ebenso guter Stimmung sein. Der Montag ist grundsätzlich kein guter Tag, um Unbekannte anzurufen, der Wochenstart löst oft schon genügend Stressempfinden aus. Alle anderen Tage sind besser, der Freitag das Nonplusultra. Da sind die Menschen bester Laune, mit einem Bein bereits im Wochenende und in der Regel nett und freundlich zu allen. Ich wusste auch, dass ich pro Firma nur einen Versuch haben würde. Wenn eine Person einen einmal abwimmelt, muss man es nicht mehr versuchen. Also ackerte ich Listen mit Agenturen durch und versuchte, trotz vieler Absagen frohen Mutes zu bleiben. Je mehr Anrufe ich nacheinander machte, desto besser und routinierter wurde ich am Telefon. Deshalb waren die Agenturen, bei denen ich nicht unbedingt arbeiten wollte, immer zuerst an der Reihe, sie waren die Übungsobjekte in meinen Telefonmarathon. Die Traumagenturen kontaktierte ich immer am Schluss, wenn ich mich trainiert fühlte. Plötzlich lief es nicht schlecht. Mir wurde klar, wie ich in die Gespräche einsteigen musste, welche Sätze funktionieren, und ich merkte auch, auf welche Argumente die Leute gut oder schlecht reagieren.»
«Feministisch, aber realistisch»
Die weitere Entwicklung ist schon fast Legende. Nur so viel: Der berühmte Werber Dominique von Matt (Jung von Matt/Limmat)) wurde ihr Chef, nach einer Weiterbildung an der Miami Ad School konnte sie einem Jobangebot bei einer sehr grossen, renommierten Werbeagentur in New York nicht widerstehen. Doch auch dass sie damals dauererkältet war und sich nach ihrem damaligen Freund sehnte, erwähnt Regula Bührer Fecker. Diese Ehrlichkeit macht das Buch so lesenswert, nicht nur für junge Frauen. Doch wie lautet eines der Erfolgsrezepte für junge Frauen? «Früh Gas geben», ist Bührer Fecker überzeugt. Sei man dann mal in einer gewissen Position, sei auch die Geschichte mit dem Nachwuchs, den eigenen Kindern weniger karrierehemmend. Ganz Werbeprofi, hat Bührer Fecker ihrer Neuerscheinung, es ist die erste Publikation von ihr, den leicht ironischen Titel «Frauenarbeit» gegeben und die Farben erinnern vage an Frauenstreiktage. «Der Titel ist feministisch, aber realistisch», schmunzelt Bührer Fecker. Sicher sei, dass alle ihre Tipps «gratis und für alle machbar» seien. «Als Autorin in dieser Materie bin ich sicher kompetent, weil ich aus eigener Erfahrung schreibe», ist Bührer Fecker überzeugt. Für den kommenden Herbst sind schweizweit viele Lesungen und Podiumsgespräche geplant. So stehen die Zeichen nicht schlecht, dass die Neuerscheinung ein Renner wird. Ein Renner, dessen Erfolgsstory auch an der Bürglistrasse entstanden ist.

«#Frauenarbeit – Tipps und Tricks für junge Berufsfrauen». Das gedruckte Buch kostet 34, das eBook 22.30 Franken. 978-3-03810-298-4 (Buch). 978-3-03810-317-2 (eBook). 144 Seiten. Verlag NZZ Libro. «#FRAUENARBEIT» ist das erste Buch von Regula Bührer Fecker. Alle Erlöse der Autorin kommen der Stiftung #FRAUENARBEIT zugute.

 

Das Coaching-Programm

Die Initiative #FRAUENARBEIT wurde 2017 von Regula Bührer Fecker und Judith Weber Günter ins Leben gerufen, um junge Frauen dabei zu unterstützen, schneller und erfolgreicher im Beruf starten zu können. Wer von anderen lernen möchte, bewirbt sich bei diesem Coaching Programm. Wer sich mit anderen vernetzen und organisieren möchte, hat hier beste Gelegenheit dazu. Wer erfahren möchte, wann Gleichgesinnte an Events zusammentreffen, findet hier die Daten. «Es ist an der Zeit, Frauenarbeit neu zu definieren. Legen wir los», heisst es auf der Website www.frauenarbeit.ch

 



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