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04.10.2017 Von: Silvan Rosser

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Wie viel Wachstum ist auf beschränktem Raum möglich?


Das Buch «Endliche Erde» handelt davon, ob sich unbeschränktes Wachstum auf beschränktem Raum verträgt. Foto: Robert Schönbächler

Er gilt als ein Pionier des Nachhaltigkeitsdenkens: Das neue Buch «Endliche Erde» über Ernst Basler will mehr als eine Biografie sein.

Als um 1970 Wissenschaftler erstmals zeigten, welche gravierenden ökologischen Probleme sich die Menschheit mit ihrem rasanten industriellen Fortschreiten selbst geschaffen hat, war ein Schweizer zuvorderst dabei: der Ingenieur Ernst Basler. Er gehört zu den Pionieren einer Bewegung, die das Postulat der Nachhaltigkeit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte. Ernst Basler agierte zur selben Zeit und am selben Ort wie die Vordenker des Club of Rome, der 1972 mit dem bis heute millionenfach verkauften Werk «The Limits to Growth» («Die Grenzen des Wachstums») über Nacht berühmt wurde.
Thomas Sprecher, Rechtsanwalt und Germanist aus Zürich, blickt in seinem neuen Buch zurück auf Ernst Baslers Werdegang, auf die Gegenwart und in die Zukunft. Doch das Buch mit dem Titel «Endliche Erde» hat den Anspruch mehr zu sein als eine Biografie. In vielen Gesprächen mit dem Autor beschreibt der Nachhaltigkeitspionier Basler sein ökologisches Credo und gibt Ratschläge, wie es die Menschen vielleicht doch noch fertigbringen, sich mit der Endlichkeit der Erde zu arrangieren, bevor sie diese zerstören. Basler ging es daher primär um die Sache und weniger um seine Person, deshalb trifft auch die Bezeichnung «Sachbuch» zu. Nichtsdestotrotz ist die Sache an der Biografie Baslers aufgehängt. Diesen Doppelcharakter muss das Buch «Endliche Erde» aber nicht verleugnen, denn gerade diese Mischung macht es abwechslungsreich und spannend.

Unbeschränktes Wachstum
«Endliche Erde» ist in drei Teile gegliedert. Der erste zeigt Ernst Basler als ökologischen Pionier. Im Zentrum stehen seine damaligen Einsichten aus den 60er-Jahren und seine Gastvorlesung am Massachusetts Institute of Technology in Boston, wo er schliesslich 1970 die weltweit erste Vorlesung über die Bedingungen nachhaltigen Wirtschaftens hielt. Das war noch vor der Veröffentlichung von «Die Grenzen des Wachstums».
Auch Basler arbeitete zu jener Zeit an einem eigenen Buch mit dem Titel «Strategie des Fortschritts». Die Grundaussage lautete: «Was immer wir unternehmen, wir stellen fest, dass unbeschränktes Wachstum auf beschränktem Raum unverträglich ist mit dem hoffentlich noch stärkeren Wunsch, dass der Mensch für ungezählte Generationen über eine lebenserhaltende irdische Biosphäre verfügt. » Das Buch blieb, im Gegensatz zum Werk des Club of Rome, aber weitgehend unbeachtet. Im vorliegenden Buch wird der Inhalt von «Strategie des Fortschritts» zusammengefasst. Der Leser erfährt auch, dass Basler dem alten, aus der Forstwirtschaft stammenden Wort «Nachhaltigkeit » einen neuen Sinn gab. Er brauchte es im deutschen Sprachraum erstmals so, wie wir es heute brauchen. Im zweiten Teil erweitert das vorliegende Buch das Bild zur Entwicklung des ökologischen Denkens. Seit den 80er-Jahren ist die Diskussion nicht stehen geblieben. Die Literatur zu ökologischen Themen, zu Fragen nach der Art und den Grenzen des Wachstums, ist geradezu explodiert. Inhaltlich werden vom Brundtland- Report und zahlreichen UN-Klimakonferenzen bis zu einem ausdifferenzierten Wachstumsdiskurs als Kern der Nachhaltigkeitsdiskussion dem Leser zahlreiche spannende Aspekte, in gebotener Kürze, präsentiert.

Grenzen des Wachstums
Der letzte Teil des Buchs widmet sich wiederum Ernst Basler. Wie denkt der Nachhaltigkeitspionier heute? Baslers Plädoyer für nachhaltiges Handeln lässt sich in acht Leitsätzen fassen. Der erste Leitsatz lautet: «Wir müssen mit den Grenzen des Wachstums umgehen lernen.» Basler war sich früh bewusst, dass der Mensch die Natur dominiert und sich lästige Nebenwirkungen einhandelt. Vor diesem Hintergrund entspricht eine nachhaltige Entwicklung einem Lernprozess, den die Menschheit durchlaufen muss. Die erste und wichtigste Lektion ist dabei, dass sich die Menschheit ihrer dominierenden Stellung gegenüber der Natur bewusst wird.
Ein weiterer Leitsatz lautet: «So wie du die Welt wahrnimmst, so handelst du auch.» Der Hintergrund liegt in der wohl mangelnden Fähigkeit der Menschen zum angemessenen Umgang mit den ökologischen Problemen. Vor allem in Bezug auf exponentielles Wachstum haben wir Mühe zu realisieren, was ein kontinuierliches Wachstum von zwei oder drei Prozent pro Jahr bedeutet. Zu diesem Wahrnehmungsproblem kommen Hemmnisse dazu, von veralteten Denkmodellen und Wertvorstellungen Abschied zu nehmen.
Die verbleibenden sechs Leitsätze seien an dieser Stelle nicht verraten. Zum Schluss des Buches blickt der Autor mit Basler in die Zukunft. Mit etwas Wehmut muss der Leser feststellen, dass wir schon viel Zeit verloren haben und dass die Erde heute weniger schlecht dastünde, hätten die Menschen schon in den 70er-Jahren auf Ernst Basler und andere, die dasselbe sagten, gehört.



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