Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
11.10.2017 Von: Lorenz Steinmann

Züriberg, Zürich West, Zürich Nord, Zürich 2

Stadt erlaubt neu vielerorts Sonntagsverkauf


Gilt als Präzedenzfall: Der neu eröffnete Avec-Laden am Hardplatz. Nun muss die Stadt mit einer Flut von offenen Läden am Sonntag und an Feiertagen rechnen. (Foto: ls.)

Die Stadt Zürich hat einem Avec-Laden ohne SBB-Anbindung die Öffnung an Sonn- und Feiertagen bewilligt. Ein Dammbruch, denn dadurch können viel mehr Geschäfte länger offen haben. Eine Bewilligung sei nicht nötig, so der Chef des Arbeitsinspektorats.

Unspektakulär wurde vor einigen Wochen ein Avec-Laden beim Hardplatz eröffnet. Er ist jeden Tag, also auch an Sonn- und Feiertagen, geöffnet. Erst auf den zweiten Blick wird die Brisanz dieser erweiterten Öffnungszeiten ersichtlich. Denn entgegen den bisherigen Gepflogenheiten der städtischen Bewilligungsbehörden für längere Öffnungszeiten sind weder eine Tankstelle noch ein Bahnhof in der Umgebung auszumachen. Kilian Borter von der Valora Management in Muttenz erklärt dazu: «Gemäss Auskunft der Stadt Zürich wird die Haltestelle Hardplatz aufgrund der hohen Fahrgastfrequenzen als Terminal des öffentlichen Verkehrs eingestuft. Deshalb darf der Avec auch an Sonn- und Feiertagen zwischen 6 und 23 Uhr offen sein.»

Hardplatz, der neue Massstab?
Nicole Barandun, Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbands, ist darüber erstaunt. Auf Anfrage bezeichnet sie diese Bewilligungspraxis der Stadt Zürich als «recht abenteuerlich». Barandun: «Dass neben dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Stadelhofen ausgerechnet der Hardplatz ein neues Zentrum des öffentlichen Verkehrs in Zürich sein soll, finde ich eigenartig.» Die Fahrgastfrequenzen am Central und Bellevue seien bestimmt um ein Vielfaches höher.
Die Rechtsanwältin folgert daraus: «Wenn der Hardplatz der Massstab sein soll, könnte in Zukunft wohl fast jeder Detailhändler in Zürich, der sein Geschäft in der Nähe einer Tramhaltestelle mit Umsteigemöglichkeit hat, verlangen, dass auch er am Sonntag viele Passagiere bedienen möchte.»
Was gilt nun? Lokalinfo hat beim Arbeitsinspektorat der Stadt Zürich nachgefragt. Diese Fachstelle ist für die Einhaltung des Arbeitsgesetzes für Mitarbeitende zuständig.

Stichzahl 15 000 Personen
Peter Maier, Leiter Arbeitsinspektorats erklärt, dass man diese Vorgaben des Seco erstmals angewendet habe. «Der Seco-Wegleitung ist zu entnehmen, dass die ‹Terminals des öffentlichen Verkehrs› eine Ergänzung zu Bahnhöfen, Häfen etc. sind», so Maier. Konkret umfassen «Terminals des öffentlichen Verkehrs» grosse Anfangs- und Endstationen wie auch eigentliche Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrs von Tram und Bus mit starkem Publikumsaufkommen. Die Stadt Zürich hat nun dieses «starke Publikumsaufkommen» mit einer durchschnittlichen Fahrgastfrequenz von täglich mehr als 15 000 Personen pro Tag festgelegt. Maier: «Damit der Betrieb als ‹Betrieb für Reisende› qualifiziert werden kann, muss er sich unmittelbar an einer solchen ZVV-Haltestelle befinden.» Obwohl die Stadt in Zusammenhang mit der entsprechenden Seco-Checkliste noch einige weitere Einschränkungen vorgibt – etwa eine maximale Ladenfläche von 200 Quadratmetern –, stellt die erstmalige Anwendung der Wegleitung des Seco betreffend «Terminal des öffentlichen Verkehrs» einen grossen Meilenstein in der Liberalisierung der Stadtzürcher Ladenöffnungszeiten dar. Maier ist sich bewusst, dass dies Begehrlichkeiten bei Detailhändlern wecken könnte. «Neben dem Bellevue mit 60 000 Personen täglich fallen beispielsweise der Bucheggplatz mit 28 000 Personen darunter, der Sternen Oerlikon mit 25 000 Personen oder die Schmiede Wiedikon mit 18 000 Personen», so Maier, dessen Abteilung dem Departement von Claudia Nielsen angegliedert ist. Maier erklärt auf Nachfrage, dass dafür weder ein Gesuch noch eine Bewilligung nötig seien.

Unia nicht begeistert
Und was sagen die Arbeitnehmer? Lorenz Keller, Co-Leiter der Unia Zürich-Schaffhausen, bedauert, wie Zürich die gesetzlichen Vorgaben um-
setze. «Die Stadt interpretiert das Gesetz auf dem Buckel der Angestellten», so Keller. Damit nehme der Verteilkampf unter den Detaillisten noch mehr zu. «So wollen sicher bald weitere auch an Sonn- und Feiertagen offen haben», ist er überzeugt.



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