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11.10.2017 Von: Lisa Maire

Zürich West

Theater im Theater zum 50. Geburtstag


Der Präsident des Theatervereins, gespielt von Thom Küng (r.), packt ein altgedientes Vereinsmitglied, gespielt von Gerhard Lengen, beim Schlafittchen: Szenenprobe zum Jubiläumsstück «Sanfranzisko!». (Foto: Lisa Maire)

Zu ihrem 50-Jahre-Jubiläum bringt die Theatergruppe r67 «Sanfranzisko! oder E chliini Revolution» auf ihre Stammbühne im Friesenberg. Das Stück spielt 1967 in Zürich, wo eine Theatergruppe um die richtige Stückwahl ringt.

«Ich muess na lehre hüüle», sagt eine der Darstellerinnen, bevor sie zur Szeneprobe auf die Bühne steigt. Die Umstehenden lachen. Geprobt wird an diesem Abend im Pfarreisaal St. Theresia eine der letzten Szenen des Stücks. Regisseur Peter Zimmermann schaut und hört aufmerksam zu, lobt begeistert, tadelt freundlich, wobei er hin und wieder auf die Bühne springt und gleich selber vormacht, wie er einen bestimmten Part haben möchte.

Besondere Herausforderung

Auch wenn noch nicht jeder Text, jede Geste, jeder Ablauf sitzt, auch wenn es bei den letzten Proben Krankheitsabsenzen gab: Zimmermann ist zufrieden und zuversichtlich, dass bis zur Premiere am 21. Oktober alles gut kommt. Der Regisseur arbeitet zum ersten Mal mit dem Amateurtheater r67 zusammen. Besonders spannend sei für ihn, so betont er, dass «Sanfranzisko!» eine neue, extra für r67 geschriebene Produktion sei. Aussergewöhnlich ist auch die Art, wie das 16-Personen-Stück zustande kam: «Wer mitspielen wollte, konnte sich bewerben und bekam dann von Autor Paul Steinmann seine Rolle quasi auf den Leib geschrieben», erzählt Theaterleiter Gerhard Lengen, der die Idee zum Stück lieferte. Die einzelnen Parts wurden dabei auf der Basis eines Fragebogens, in dem Mitspiel-Interessierte auch ihre besonderen Talente wie Singen oder Tanzen angaben, und aufgrund von Fotos vergeben.

«Wir machen Theater im Theater», beschreibt Zimmermann den Clou der Produktion. Für die Darsteller bedeutet dies eine besondere Herausforderung: «Sie müssen ja nicht nur eine Figur spielen, sondern sich als diese Figur auch noch in eine weitere Figur verwandeln können.» Für die anspruchsvolle Bühnenarbeit mit Gesang und Tanz haben sich die Theatermacher denn auch die professionelle Unterstützung einer Choreografin und eines Gesangstrainers geholt.

Zeitkolorit der späten 60er-Jahre

«Sanfranzisko!» spielt 1967, also im Gründungsjahr von r67. Auch geht es darin um das Stück «Dä Schaggi Buume suecht e Stell», das einst ebenfalls zum Repertoire von r67 gehörte. Erzählt die Jubiläumsproduktion etwa aus der Geschichte der eigenen Theatergruppe? «Nein», lacht Gerhard Lengen. Die r67 habe ja damals nur aus «jungen Wilden» bestanden. Im Stück gebe es aber auch altgediente Vereinsmitglieder. Im Zentrum von «Sanfranzisko!» stehe einfach die Aufbruchstimmung dieser Zeit mitsamt den Grabenkämpfen zwischen Alt und Jung, zwischen Tradition und Revolution. Ganz dem Zeitkolorit geschuldet ist denn auch der Titel des Theaterstücks: Er ruft Scott McKenzies legendären Song «San Francisco» von 1967 in Erinnerung. Der Ohrwurm und Millionenseller entwickelte sich damals schnell zur Hymne der Flower-Power-Gegenkultur.

Das Stück

Herbst 1967 in Zürich: Der Theaterverein ist von der Kirchgemeinde angefragt worden, zum jährlichen Kirchenbasar wieder ein Theaterstückli beizusteuern. Präsident Edi Nussbaum hat zusammen mit dem Vorstand entschieden, die Anfrage positiv zu beantworten, da man schliesslich seit Jahren im Pfarreisaal spielen und proben könne. Um den Aufwand in Grenzen zu halten, will man das gleiche Erfolgsstück wie vor drei Jahren spielen, den Schwank «De Schaggi Buume suecht e Stell», der damals am Basar 1964 so gut angekommen ist.

Als Nussbaum an der Generalversammlung seine Absicht bekannt gibt, löst dieses Vorhaben wider Erwarten Proteste aus. Einige Mitglieder des Vereins sind mit der Aufführung aus verschiedenen Gründen nicht einverstanden. Erstens möchten sie selber auch spielen, doch das Stück scheint schon besetzt zu sein. Zweitens haben sie etwas gegen das selbstherrliche Vorgehen des Vereinspräsidenten, der ja auch noch eine der Hauptrollen geben wird, und drittens ziehen sie den künstlerischen Wert des Stückleins in Zweifel. Das Angebot, dass alle, die beim Basarauftritt mitmachen möchten, den Schwank mit schweizerischem Liedgut umrahmen könnten, glättet die Wogen wieder etwas. Das «Chörli» trifft sich zum Proben, kocht dann aber heimlich sein eigenes Süppchen. (pd.)

50 Jahre Herzblut und Einsatz

Gerhard Lengen, Mitbegründer und seit 50 Jahren die konstante «operative Seele» von r67, hat zum Jubiläum in den Archiven gegraben und aus den Funden eine unterhaltsame Broschüre zusammengestellt. Geholfen hat dabei Bruno Rütti, seit vielen Jahren hinter den Kulissen engagiert. In der Broschüre kommen auch heutige und frühere Mitglieder der Theatercrew zu Wort.

Alles begann am 24. Februar 1967, als 13 Schüler einer 3. Realklasse die Theatergruppe r67 gründeten (r für Realklasse, 67 fürs Jahr.) Dem 1. Akt geht die Familiengeschichte der Lengens voraus. Denn ohne das Theaterfieber, das Gerhard Lengen in die Wiege gelegt wurde, hätte r67 kaum 50 Jahre überlebt. Schon sein Grossvater stand in der Walliser Heimat auf der Amateurbühne. Und seine Mutter lebte ihre Theaterbegeisterung später auch beim Embder Vereins Zürich aus.

50 Fränkli im Topf

1968 ging die erste Premiere der Theatergruppe r67 über die Bühne im Friesenberger Pfarreisaal St. Theresia: Die Jugendlichen spielten Jakob Steblers Schwank «En Chnopf im Nastuech». Lengen erinnert sich: «Dass der Hauptdarsteller seinen Text nicht konnte, störte einige wenige, die mehr als nur den Chasperli auf der Bühne machen wollten.». Bei der Topfkollekte kamen 50 Franken zusammen. Ein halbes Jahr später, bei der Aufführung des Schwanks «Furt mit em Dräck» gab es dann 70 Franken. Doch so bescheiden die Einnahmen, so bescheiden waren damals auch die Unkosten.

Die Erfolgsbilanz der 70er-Jahre ist durchzogen. In der Jubiläumsbroschüre ist auch die Rede von mittelprächtigen Zuschauerzahlen, schwierigen Schwangerschaften, schrumpfendem Ensemble. Auch Kritik gab es. So musste sich die Theatergruppe beim Krimi «Heiraten ist immer ein Risiko» 1976 vorwerfen lassen, das Stück mit Sarg und Kränzen auf der Bühne sei nun wirklich etwas makaber für einen Kirchgemeindesaal.

Unterhaltung auf gutem Niveau

Mit der Professionalisierung der Regie ab den 80er-Jahren erreichte der Erfolg neue Dimensionen: Die Zuschauerzahlen wurden vierstellig und r67 wiederholt an die Schweizer Volkstheatertage nach Aarau eingeladen. Der bisher grösste Publikumshit kam zum 25-Jahre-Jubiläum: «Hochzeit in Hägglingen» unter der Regie von Jürg C. Maier zog mit Komik, Musik, Gesang und einem Nachtessen für Darsteller und Publikum so viele Zuschauer an, dass Geld für schlechtere Zeiten zur Seite gelegt werden konnte.

Die r67 macht «Unterhaltungstheater auf gutem Niveau» (Lengen). Von den Zuschauern und Darstellern geschätzt wird dabei vor allem die vielseitige Stückwahl. So stehen auf der langen Liste der gespielten Stücke neben Schwanken und Krimikomödien auch ernstere Stoffe wie etwa «Einer flog über das Kuckucksnest» von Dale Wasserman oder «August: Osage County» von Tracy Letts. «Nach 50 Jahren», so hält der frühere r67-Regisseur Claudio Schenardi in der Broschüre fest, «kommt die r67 nicht antiquiert daher, sondern ist immer noch neugierig und offen für Neues.» Dies alleine ist schon ein Qualitätsmerkmal.



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