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18.10.2017 Von: Pia Meier

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Kampf ums Friedensrichteramt im Kreis 6 und 10



Am 26. November finden die Friedensrichterwahlen Kreis 6 und 10 statt. Für die CVP tritt Ursula Weber Rajower an, für die SP Christine Stokar. Friedensrichter ist zurzeit Robert Schönbächler (CVP).

«Schlichten vor Richten» heisst ein Grundsatz der Schweizerischen Zivilprozessordnung, weshalb für viele Streitigkeiten das Friedensrichteramt die erste Anlaufstelle ist. Der Friedensrichter, die Friedensrichterin soll wenn möglich immer, nach Anhörung beider Seiten, einen nachvollziehbar begründeten Vergleichsvorschlag machen. Dabei sollte sich ein fairer Vergleichsvorschlag auch von den Chancen und Risiken der Parteien in einem Gerichtsprozess leiten lassen. Ideale Grundvoraussetzungen sind unter anderem: eine unabhängige und authentische Persönlichkeit, vertrauenswürdig und verschwiegen, belastbar und geduldig mit genügendem Durchsetzungsvermögen. Auch sollte der Friedensrichter die Gesprächs- und Sitzungsführung beherrschen und juristische Grundkenntnisse haben. Diese Anforderungen sind beim Verband der Friedensrichter niedergeschrieben. Die Aufgaben eines Friedensrichters sind vielfältig. 

Juristin Ursula Weber Rajower (CVP) war am Bezirksgericht tätig und ist heute Anwältin mit einer Allgemeinpraxis. Ihr Engagement ist vielseitig.

Ursula Weber, warum wollen Sie Friedensrichterin werden?
Ich fühle mich reif für dieses Amt. Je länger, desto mehr erkenne ich, wie wichtig die frühzeitige Schlichtung von Konflikten ist, bevor die Parteien sich in nervenaufreibende, teure Prozesse verstricken. Die Friedensrichterin erfüllt dabei eine wichtige Funktion. Sie soll einen Vorschlag zur Beilegung des Rechtsstreites machen. Nach meiner Erfahrung ist die Akzeptanz des Vorschlags umso grösser, je besser den Parteien Chancen und Risiken in einem allfälligen Prozess veranschaulicht werden. So können faire und nachhaltige Lösungen zustande kommen, die befreiend für die Parteien und entlastend für die Justiz sind. Deshalb möchte ich meine Kompetenzen, die ich als Richterin und Anwältin in gut 25 Jahren erworben habe, in den Dienst dieses Amtes stellen.

Zuhören und Schlichten sind wichtig für dieses Amt. Haben Sie Erfahrung als Mediatorin?
Als Richterin und als Anwältin ist Zuhören und Schlichten oberstes Gebot. So habe ich vornehmlich mediatorisch gewirkt. Ein allseits akzeptierter Vergleich ist für alle besser als jahrelanges Prozessieren – anderslautenden Vorurteilen zum Trotz: Auch für den Anwalt ist dies befriedigender als das Recht um des Rechts willen erkämpfen zu müssen.

Warum ist die Parteizugehörigkeit wichtig?
Das Friedensrichteramt ist kein politisches Amt, auch wenn die Parteizugehörigkeit Werte widerspiegelt, für die man eintritt. Als Anwältin habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Parteizugehörigkeit eines Richters bei der Beurteilung des Falls kaum je eine Rolle spielt. Ein Richteramt soll auch nie als Pfründe für verdiente Parteimitgliedschaft vergeben werden. Kompetenz und Integrität müssen ausschlaggebend sein. Ich freue mich deshalb, dass ich weit über die Parteigrenzen hinaus unterstützt und offenbar für fähig erachtet werde, dieses Amt auszuüben.

Waren Sie schon einmal selber vor dem Friedensrichter?
Als Anwältin war ich schon viele Male vor dem Friedensrichter und habe erlebt, wie Sachverstand und Persönlichkeit des Friedensrichters darüber entscheiden können, ob ein Schlichtungsverfahren zum Erfolg führt. Als Privatperson wurde ich ein Mal vor den Friedensrichter zitiert, was dann auch für mich eine spezielle Erfahrung war. (Interview: Pia Meier)

 

Christine Stokar (SP) ist seit 2016 Bezirksrätin. Die ehemalige Gemeinderätin war Mitinhaberin und Geschäftsführerin eines Kleinbetriebs.

Christine Stokar, warum wollen Sie Friedensrichterin werden?
Heute lassen sich rund 50 Prozent der zivilrechtlichen Fälle auf der Stufe der Friedensrichterinnen und Friedensrichter erledigen. Für die Involvierten ist es häufig besser, einen fairen Kompromiss zu finden, als mit teuren Anwälten durch alle Instanzen zu prozessieren. Das ist natürlich auch im Interesse der öffentlichen Hand. Ich bin überzeugt, dass ich mit meiner breiten Erfahrung einen Beitrag dazu leisten kann, solche Konflikte zu schlichten. Zudem ermöglicht mir der Auszug meiner Tochter, mich nochmals voll und ganz in ein neues, spannendes Amt einzubringen.

Zuhören und Schlichten sind wichtig für dieses Amt. Haben Sie Erfahrung als Mediatorin?
Ich bin seit 38 Jahren in Berufen tätig, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht. Immer wieder erlebe ich Situationen, wo unparteiisches Vermitteln in Konflikten gefragt ist. Neben der Fähigkeit, konzentriert zuzuhören, helfen mir meine langjährige Erfahrung, Objektivität und der Mut, manchmal auch unkonventionelle Lösungen vorzuschlagen. Hilfreich sind dabei auch die Erfahrungen aus der Tätigkeit in der Geschäftsprüfungskommission des Gemeinderats Zürich sowie aus meiner jetzigen Arbeit als Bezirksrätin.

Warum ist die Parteizugehörigkeit wichtig?
Das Amt der Friedensrichterin ist ein juristisches, nicht ein politisches. Die Parteizugehörigkeit spielt deshalb keine Rolle. Wichtig ist, dass eine Friedensrichterin für alle Menschen da ist, die zu ihr kommen. Und dass sie allen Menschen mit Respekt und Offenheit begegnet und gerade auch für Menschen in schwierigen Situationen ein offenes Ohr hat.

Waren Sie schon einmal selber vor dem Friedensrichter?
Nein. Das ist jedoch nicht ein besonderes Verdienst. Denn vor den Friedensrichter kann man auch dann kommen, wenn man nichts falsch gemacht hat. Selber habe ich auch schon Arbeits- oder Nachbarschaftskonflikte erlebt, doch konnten wir diese jeweils ohne Friedensrichter lösen. Wenn das nicht gelingt, muss man aber keine Angst vor dem Friedensrichter haben – ganz im Gegenteil entsteht so Chance, um auch in einem verfahrenen Konflikt einen befriedigenden Kompromiss zu finden. Mein Ziel als Friedensrichterin ist, dass die Menschen gerne zu mir kommen, weil sie wissen, dass bei mir Konflikte weder ausgetragen noch teuer bewirtschaftet, sondern gelöst werden können. (Interview: Pia Meier)

 

 

 

 



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