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25.10.2017 Von: Christina Brändli

Züriberg

Pro-Senectute-Freiwillige helfen vielen Senioren


Erika Lüthi und Anton Schmid: Er hilft ihr, wo es nötig ist. Foto: Christina Brändli

616 Freiwillige unterstützen im Kanton Zürich im Rahmen des Treuhanddienstes von Pro Senectute Pensionierte bei Versicherungsangelegenheiten, dem Briefverkehr mit Ämtern und Institutionen, der Steuererklärung und in sämtlichen finanziellen Fragen.

Der Treuhanddienst wurde von der Pro Senectute Kanton Zürich vor genau 20 Jahren lanciert. Anton Schmid übernimmt seit beinahe drei Jahren die administrativen Aufgaben für Erika Lüthi. Die beiden geben einen Einblick in ihre Zusammenarbeit. «Der Treuhanddienst wurde als Ergänzung zu der Sozialberatung von Pro Senectute ins Leben gerufen. Grund dafür war, dass immer mehr Leute Hilfe in administrativen Bereichen benötigen und die Sozialberatung das nicht zusätzlich leisten konnte», sagt Ursina Iselin. Sie ist seit 13 Jahren Teamleiterin des Treuhanddienstes.

Wann braucht es Hilfe?
Zwei der häufigsten Probleme sind laut Ursina Iselin, dass Kundinnen und Kunden mehr Geld ausgeben, als sie haben – oder ihr Vermögen verschenken. «Die Freiwilligen müssen immer wieder an die Vernunft ihrer Mandanten appellieren.» Der Treuhanddienst wird auch hinzugezogen, wenn beispielsweise der Partner stirbt, der die administrativen Belange geregelt hat.
Dass Hilfe benötigt wird, meldet selten der Betroffene selbst. Sei es, weil die Hemmschwelle zu hoch ist oder das Bewusstsein und das Eingeständnis fehlen, dass man allein nicht mehr so gut zurechtkommt wie früher. Meist sind es Angehörige, der Sozialdienst, die Spitex oder das Altersheim, welche sich mit Pro Senectute in Verbindung setzen und so den ersten Schritt unternehmen.

Die Zusammenarbeit
Zwei, die aus Erfahrung sprechen, sind Erika Lüthi und Anton Schmid. Seit bald drei Jahren unterstützt Anton Schmid Erika Lüthi in Belangen wie der Geltendmachung von Rückerstattungsansprüchen, dem Ausfüllen der Steuererklärung und in jeglichem Schriftverkehr mit Ämtern, Banken und Versicherungen. Zirka alle drei Wochen besucht Anton Schmid seine Mandantin in Zürich. Nach seiner Pensionierung bei der UBS wollte der ehemalige Banker im sozialen Bereich tätig sein. Auf den Treuhanddienst wurde er durch einen Zeitungsartikel aufmerksam. Erika Lüthi erfuhr durch Pro Senectute direkt vom Treuhanddienst, als sie ihre Steuererklärung dort ausfüllen liess.
Herzstück ihrer Arbeit ist ein Ordner, in dem Schmid alle Unterlagen seiner Mandantin ablegt. Diesen Ordner gehen die beiden bei ihren Terminen Punkt für Punkt durch. Anton Schmid informiert Erika Lüthi, was er in der Zeit seit ihrem letzten Termin in die Wege geleitet hat, erklärt ihr, welche Belege er für Rückforderungen benötigt, und hält sie auf dem Laufenden, welche Rückzahlungen eingegangen sind. Er kontrolliert auch jegliche Ein- und Ausgänge von Zahlungen und achtet genauestens darauf, dass alle Fristen eingehalten werden.
Im Gegensatz zu anderen Mandanten übernimmt die fitte Rentnerin das Einzahlen ihrer Rechnungen noch selbst – wie früher noch mit Postbüchlein. «Solange das in dieser Form noch möglich ist, wird Erika Lüthi diese Aufgabe noch selbst übernehmen. Die Post hat jedoch angekündigt, diese Dienstleistung einstellen zu wollen. Dann müssen wir die Situation neu beurteilen», meint Anton Schmid. Damit die Treuhandbeauftragten ihre Arbeit ausüben können, schliesst Pro Senectute mit den Klienten einen Treuhandvertrag ab. Die Freiwilligen werden dann von Pro Senectute mit dem Mandat beauftragt und stehen unter Schweigepflicht. Jeder Freiwillige untersteht einem ausgebildeten Sozialarbeiter. Ihm werden jährlich alle Berichte, Abrechnungen und das Budget zur Genehmigung eingereicht. Der Vertrag kann von beiden Seiten jederzeit aufgelöst werden.
Pro Senectute bietet seinen Freiwilligen die Möglichkeit, periodische Aus- und Weiterbildungskurse kostenlos zu besuchen. Anton Schmid besucht diese Kurse regelmässig, um sich über Änderungen zu informieren, und um sein Wissen aufzufrischen.

Nicht nur administrative Fragen
Ein aktuelles Thema von Schmid und Lüthi ist die Kündigung eines Bankkontos, das der alten Dame nur Gebühren und keinen Nutzen mehr bringt. «Ich sehe meine Aufgabe als eine Überblicksfunktion», sagt Anton Schmid. Dabei geht es nicht nur um Zahlen und Administratives. Ein neues Projekt der beiden ist das topmoderne Handy von Erika Lüthi. Anton Schmid schmunzelt, als sie das Telefon erwähnt. Wie man der Rentnerin ein so neues Smartphone verkaufen konnte, versteht er zwar nicht, aber nichtsdestotrotz macht das eingespielte Team nun das Beste daraus. Hochmotiviert erzählt die fröhliche Dame, dass ihr Helfer ihr beim letzten Besuch die erste Unterrichtsstunde gegeben habe. Sie hatte zuvor mehrere von der Swisscom angebotene Kurse besucht, doch leider nicht davon profitieren können. Nun lernt sie von Anton Schmid alles, was sie wissen muss.

Enges Vertrauensverhältnis
«Ich besuche meine Mandanten in der Regel alle drei Wochen. Der zeitliche Aufwand für ein Mandat beläuft sich pro Monat auf etwa sechs Stunden », so Schmid. Seit fünf Jahren führt er drei Mandate. Die Einsätze seien sehr gut planbar und spontane Ferien kein Problem. Meist entsteht aus der Zusammenarbeit ein Vertrauensverhältnis, das über Jahre hinweg besteht. Erika Lüthi schätzt nicht nur die Arbeit, die Anton Schmid zuverlässig für sie übernimmt, sondern freut sich auch über die Gespräche und die Abwechslung, die er in ihr Leben bringt.
Auf die Frage, ob sie nie Probleme damit hatte, Hilfe anzunehmen, erwidert Lüthi: «Nein, wenn es dieses Angebot gibt, dann sollte man es auch beanspruchen. Stolz ist dabei ein schlechter Ratgeber.» Durch die Unterstützung von Schmid erfuhr Lüthi zum Beispiel auch von Pro Mobil. Einem Transportdienst, der von der öffentlichen Hand finanziert wird, bei dem die Taxikosten für Fahrten in Spitäler oder zu Arztterminen zu 90 Prozent übernommen werden.

Freiwillige gesucht
«Bis jetzt hat es der Treuhanddienst noch recht komfortabel, neue Freiwillige zu finden. Man hat ein handfestes Thema, das den Beziehungsaufbau erleichtert» so Ursina Iselin. Jeweils im Frühling und Herbst schult Pro Senectute bis zu 24 neue Freiwillige in der Stadt Zürich. Doch die Nachfrage neuer Klienten ist gross und die Warteliste lang. 312 Freiwillige, davon sind über die Hälfte männlich, betreuen allein in der Stadt Zürich rund 550 Personen. Das der Treuhanddienst bislang eher Männer anspricht, liegt laut Ursina Iselin daran, dass sie sich mit dem Thema Treuhand wohler fühlen als Frauen.
Pro Senectute sucht gezielt nach Helfern im Pensionsalter: «Pensionäre haben am meisten Zeit. Zudem ist es für sie insofern ein Gewinn, als sie einen Einblick erhalten, was im Alter auch auf sie zukommen kann», erklärt Iselin. Doch in den nächsten Jahren wird es wohl immer schwerer Freiwillige, zu finden und zu halten. Immer weniger Menschen sind bereit, sich für längere Zeit festzulegen: «Wir erwarten, dass die Freiwilligen schon eine Weile bleiben. Denn für die Kundinnen und Kunden, oft 80-jährig und älter, ist es unzumutbar, wenn alle paar Monate ein neuer Freiwilliger kommt. «Freiwillig tätig sein» wird immer mehr zum ‹Lifestyle›. Es muss also möglichst cool sein und Spass machen.»

Gute Vorbereitung
Wer als Freiwilliger im Treuhanddienst arbeiten möchte, wird im Vorfeld bei einem persönlichen Gespräch genau über die Arbeiten informiert. Pro Senectute stellt so sicher, dass die Helfer kein falsches Bild des Treuhanddienstes haben.
Die Freiwilligen erhalten neben einer Grundschulung jährliche themenbezogene Weiterbildungen und die Möglichkeit, individuelle Weiterbildung zu besuchen. Themen wie psychische Widerstandsfähigkeit, Gedächtnis, Altersdiskriminierung, Trauer, aber auch Wohnen und Ernährung sollen das Thema Alter aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Daneben werden die Freiwilligen konstant durch Sozialarbeitende begleitet und können viermal jährlich an einem Erfahrungsaustausch teilnehmen.
Drei Viertel der Kundinnen und Kunden beziehen Ergänzungsleistungen. Dafür hat Pro Senectute Kanton Zürich mit dem Sozialdepartement der Stadt Zürich einen Leistungsvertrag abgeschlossen, wodurch die Kosten zu 90 Prozent getragen werden. Der Rest wird von der Pro Senectute finanziert. Für Selbstzahler belaufen sich die Kosten auf 1000 bis 3000 Franken, abgestuft nach dem Vermögen. Mit diesem Betrag werden Betriebsauslagen wie Büromaterial, Miete oder Lohnkosten finanziert. Wer die Kosten nicht vollumfänglich tragen kann, wird von der Pro Senectute unterstützt. Die Freiwilligen erhalten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit eine Spesenvergütung.



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