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26.10.2017 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Der FC Erlenbach wächst dank Flüchtlingen


Das Nachwuchsteam des FC Erlenbach: Bereits konnte die Equipe erste Freundschaftsspiele gewinnen. Foto: Annina Just

Der FC Erlenbach soll ein Revival erleben: Mit einem neu gegründeten Team aus mehrheitlich Asylbewerbern strebt der Verein den Wiedereinstieg in die Meisterschaft an. Aber auch in den etablierten Vereinen finden junge Flüchtlinge Anschluss.

Sie kommen aus Mali, Syrien, Guinea, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Afghanistan und aus der Schweiz. «Auf dem Platz spürt man schon die vielen verschiedenen Mentalitäten», sagt Dominique Böckli, Präsident des FC Erlenbach und Trainer der neu gegründeten Nachwuchsmannschaft. Diese zu einer Mannschaft zu formen, das sei eine der Herausforderungen, denen er und sein Co-Trainer Johann Wille begegnen müssten. Gemeinsam haben die Jungs, die jeden Dienstag und Freitag in Erlenbach zum Training kommen, ihre Liebe zum Fussball. Wie zum Beispiel Ismat Ismail aus Syrien. Er spiele seit seiner Kindheit Fussball. Beim FC Erlenbach findet er Mitspieler, Trainer und Teamgeist sehr toll. «Wir haben viel zu viel verloren, aber trotzdem hat niemand von uns aufgegeben», erzählt der 17-Jährige.

Bereits erste Erfolge
Der FC Erlenbach nimmt seit 1987 nicht mehr an der Meisterschaft teil und führte seit Langem nur noch eine Seniorenmannschaft. Wie Präsident Böckli erklärt, habe er daher schon länger etwas für die Jungen tun wollen. An der letzten Generalversammlung hat er dann sein Projekt einer Nachwuchsmannschaft vorgestellt und im Winter mit einem Sonntagstraining in der Halle begonnen. Auf das Angebot machte der Erlenbacher auch das MNA-Zentrum in Zollikon, wo rund 90 minderjährige Asylbewerber leben, aufmerksam. So ist das Team nach und nach gewachsen. «Die Nachricht verbreitete sich, und nun kommen fast jedes Mal wieder neue Gesichter», sagt Böckli, der den FC Erlenbach seit drei Jahren präsidiert. Der Grossteil des Teams lebt im Zolliker Zentrum für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, manchmal kommt aber auch ein Kumpel aus Zürich oder aus anderen Seegemeinden mit. Die Mannschaft komplettieren ein paar junge Erlenbacher, die sich bisher noch keinem Fussballverein angeschlossen hatten.
Seit diesem Sommer misst sich die neue Mannschaft nun in Freundschaftsspielen mit A-Juniorenteams von etablierten Vereinen und konnte dabei bereits erste Erfolge feiern. «Wir haben grosse Fortschritte gemacht und sind auch weggekommen von den Eishockey-Resultaten mit sehr vielen Toren auf beiden Seiten», erzählt Böckli stolz. Wichtig sei gewesen, dass sich die Gruppe zu einer Mannschaft formiert habe, dass die Spieler gelernt hätten, Positionen einzuhalten und diszipliniert zu spielen. «Wir mussten vor allem das Passspiel trainieren, denn dribbeln können sie alle wie Weltmeister», berichtet Co- Trainer Wille lachend.
Mit seinem neu gegründeten Team hat Böckli ambitionierte Ziele: Er will sich mit dem FC Erlenbach wieder dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) anschliessen und Meisterschaftsspiele bestreiten. Machbar wäre dies erst auf die Saison 2019/20, denn für nächste Saison ist die Meldefrist bereits verstrichen. «Ob wir dann in der 5. Liga oder bei den Junioren A+ starten, ist momentan noch offen», so Böckli. Eine Voraussetzung für dieses Projekt ist es zudem, dass die Gemeinde Erlenbach den Umbau des Sportplatzes Allmendli nach Vorgaben des SFV zustimmt, sodass überhaupt offizielle Meisterschaftsspiele ausgetragen werden dürfen. «Es braucht aber auch noch einen Grundsatzentscheid, denn bis jetzt gilt der Sportplatz Allmendli als öffentliche Spielwiese », erklärt Böckli, der auch in der Betriebskommission der Sportanlage sitzt.

Grosse Nachfrage bei Vereinen
Neben dem FC Erlenbach haben auch die Fussballvereine aus Zollikon, Herrliberg und Küsnacht junge Flüchtlinge aufgenommen. Besonders der SC Zollikon wurde gemäss Präsident Ferry Hermida im Frühjahr etwas überrannt. Die Anfrage der Asylorganisation Zürich (AOZ), Betreiberin des MNA-Zentrums in Zollikon, ob der Verein ein Dutzend Jugendliche aufnehmen könne, sei erst nach der Planung für die Saison 2017/18 gekommen. «Einige Jugendliche mussten wir dann ad hoc einbauen, andere konnten noch nicht aufgenommen werden», so Hermida. Auf die Rückrunde werde der SC Zollikon womöglich wieder Junioren einbauen können. Diejenigen Jungs, die dem Verein beigetreten sind, trainieren nun bei den A- und B-Junioren, hätten aber noch keinen Spielerpass, erklärt der SCZ-Präsident. Grundsätzlich sei für den SC Zollikon wichtig, dass alles rund um die Versicherung geklärt sei und die Behörden grünes Licht für die Asylbewerber in Bezug auf das Fussballspielen in einem Verein geben würden.
Ähnlich klingt es beim FC Küsnacht: Geschäftsführerin Lorelei Fröhlich erklärt, dass der Verein grundsätzlich nicht zwischen Anfragen von Asylbewerbern und anderen Jungs unterscheidet. Der Fussballschule beitreten dürfen alle Kinder, die in Küsnacht, Erlenbach oder Zumikon wohnhaft sind. Ab der Stufe E (Jahrgang 2007/08) müssten Interessierte ein Probetraining absolvieren und die fussballerischen Anforderungen erfüllen. Trotz der grossen Nachfrage habe der Verein keine Spieler ablehnen, jedoch bei einigen die Eintritte verzögern müssen. Fröhlich dazu: «Wenn fünf gleichaltrige Jungs sich für das gleiche Team anmelden, sind auch wir gezwungen, die Jungs gestaffelt erscheinen zu lassen. In einer Mannschaft von 15 bis 20 Junioren wird es aus sportlicher Sicht schwierig, wenn 5 Neue dazukommen. Das gilt genauso für Schweizer wie Ausländer.» Ausserdem habe der FC Küsnacht der AOZ mitgeteilt, dass man mit Infrastruktur, Material und allenfalls Trainern helfen würde, ein eigenes Training anzubieten.

Problem mit Billett-Finanzierung
Gut bewältigen konnte der FC Herrliberg die Anfragen aus dem MNAZentrum. Mittlerweile seien acht Spieler, die in der Zolliker Unterkunft leben, bei den Herrliberger A- und B-Junioren integriert, sagt Benjamin Benz, Geschäftsführer beim FC Herrliberg. «Sie besitzen alle einen Spielerpass und werden auch in den Spielen eingesetzt», so Benz. Der Verein sei von der AOZ angefragt worden und habe alle Anfragen – unabhängig der fussballerischen Vorkenntnisse – berücksichtigen können. Ausserdem würden neu auch zwei Mädchen in der Juniorinnenabteilung des Vereins trainieren.
Ein Problem für die Herrliberger sei jedoch der Trainingsweg. Zwei- bis dreimal wöchentlich ein Zugbillett nach Herrliberg zu lösen, würde das Budget der Asylbewerber sprengen. Daher habe der FC Herrliberg eine interne und sehr grosszügige Übergangslösung gefunden. «Einer unserer Trainer holt seine Spieler ab, der andere zahlt das Zugticket für seine Spieler aus der eigenen Tasche», erklärt Benz. Diesbezüglich sei man mit der AOZ aber im Gespräch und auf der Suche nach einer anderen Lösung.
Mit dem «Problem Zugbillett» ist auch Dominique Böckli vom FC Erlenbach konfrontiert. Weil die Jugendlichen von der AOZ ein Gleis-7- Abonnement erhalten, können sie erst nach 19 Uhr abends auf den Zug und würden daher zu spät zum Training kommen. Böckli will nun Sponsoren suchen und denkt über ein Crowdfunding oder ein Götti-System nach. Auch für die Ausrüstung sowie einen neuen Satz Tenues sucht der Verein nach Unterstützung. Doch vorerst freut man sich auf das nächste Spiel, das bereits am Samstag ansteht. Dann will das bunt zusammen gemischte Team wieder einen Schritt weiter in seiner Entwicklung kommen und den zweiten Sieg in der noch jungen Karriere einfahren.



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