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26.10.2017 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Rochade in der Schützenstube


René und Martina Thieme werden die Schützenstube übernehmen. Foto: Fabio Lüdi

Martina und René Thieme übernehmen ab nächstem Februar das Restaurant Schützenstube in Küsnacht.

Das Restaurant Schützenstube in Küsnacht bekommt neue Pächter. Nächstes Jahr übernehmen Martina und René Thieme die Beiz an der Hesligenstrasse. Für die beiden geht damit ein langjähriger Traum in Erfüllung. «Wir möchten schon seit einiger Zeit etwas Eigenes auf die Beine stellen», sagt René Thieme. Er lebt zusammen mit seiner Frau Martina seit Februar in Küsnacht, für sie war es eine Rückkehr, für den gebürtigen Sachsen die Offenbarung einer zweiten Heimat. Aber der Reihe nach.

In der Gastrowelt zuhause
Martina absolvierte eine Verkäuferausbildung in der Papeterie, danach ging sie ins Marketing, hauptsächlich für die Lebensmittelbranche, wie sie sagt. Doch bereits während der Ausbildungszeit hat sie nebenher in einer Küsnachter Cateringfirma gearbeitet, «um mein Ausgangsleben zu finanzieren », blickt sie lachend zurück.
Die Gastrowelt hat sie nie wider losgelassen, auch später nicht. «Ich blieb immer mit einem Bein im Gastgewerbe », sagt die 31-Jährige. Dass sie nun zusammen mit ihrem Mann, ebenfalls 31-jährig, eine Beiz übernimmt, ist also nur konsequent. Dass es das Restaurant Schützenstube sein soll, ist zumindest ein schöner Zufall. «Ich bin in Küsnacht aufgewachsen und in der ‹Schützenstube› war ich schon als Kind», erzählt Martina. «Dort habe ich gespielt und meine Poulets im Chörbli gegessen.» Für die Nachfolge in der «Schützenstube» ist sie also geradezu prädestiniert. Es sei nämlich jeweils schwierig, den «richtigen » Pächter zu finden, schreibt die Gemeinde Küsnacht auf Anfrage. Interessenten gebe es zwar genug. Doch ein Entscheid werde auf Referenzen und nicht zuletzt persönliche Gespräche gestützt. Darüber, dass Thiemes den Zuschlag bekommen haben, freut sich natürlich auch René. Der gebürtige Sachse ist auf der Insel Usedom an der Ostsee aufgewachsen, machte dort die Ausbildung zum Koch und tingelte anschliessend durch Europa. Eine lebendige Vergangenheit also; mutet da das Lokalkolorit nicht ein wenig grau an? Wer aus der Welt nach Zürich kommt, eröffnet doch eine Szene-Bar. «Ich mag das Ländliche», winkt René ab. «Ich wollte schon immer eine bodenständige, gutbürgerliche Beiz.» Für den Koch sind das nicht bloss Schlagworte zur Kundenwerbung. Essen sei eine Erfahrung, die Erinnerung schafft und bleibt, die gutbürgerliche Küche sei dabei «das Wahre, das auf den Teller kommt». Ob die Karotte nun rechts oder links auf dem Teller liegt, mache schlussendlich keinen Unterschied. «Schmecken muss es», konstatiert er.

Gemeinsamer Traum
Mit Martina hat er vor drei Jahren jemanden gefunden, der seinen Traum einer Beiz teilt. Die beiden seien nun schon einige Zeit auf der Suche nach etwas Eigenem gewesen. Letzten Februar zog das Paar dann nach Küsnacht, in die alte Heimat Martinas und eine neue für René. Über ein Immobilienportal sind sie schliesslich auf die Ausschreibung der Gemeinde für das Restaurant Schützestube gestossen, doch hatten sie sowieso keine Chance, diese zu verpassen. Denn viele ihrer Freunde, die von ihren Aspirationen wussten, hätten sie einige Tage später auf die Pächter-Vakanz aufmerksam gemacht. Für die Thiemes das Zeichen, dass es nicht an Unterstützung und den Glauben an sie mangelt. In einer Zeit des Beizensterbens und der gastronomischen Schnellschüsse ist die Unterstützung des eigenen Umfelds sicher wichtig. Aber lässt sich die Kundschaft heute noch von Poulet im Chörbli locken? «Definitiv», sind die beiden Gastronomen überzeugt. Solche Gerichte seien eben mit jenen guten Erinnerungen verbunden, die nur Essen kreieren könne. Warum sollte man heute nicht mehr mögen, was man als Kind geliebt hat. Ganz ohne Veränderung geht aber nicht. Die beiden neuen Pächter spielen mit neuen Ideen und Konzepten. «Wir haben nicht nur einen Plan A, sondern auch einen Plan B und einen Plan C», verrät Martina. In die Karten schauen lassen sich die beiden jedoch nicht, die Neueröffnung im Februar soll schliesslich auch einige Überraschungen bergen. Nur so viel: Der Schützenbraten, ein Rindsschmorbraten, soll einer ihrer «Klassiker» werden. «Darüber hinaus wird es auch ein, zwei pfiffige Gerichte geben», verspricht René. Zudem werden Regionalität und Saisonalität eine prominente Rolle spielen. Das «Konzept Schützenstube» bleibe im Grossen und Ganzen aber das gleiche. «Denn da gehören die Vereine einfach dazu, und die wollen wir pflegen», sagt der Koch. Mit ihrem persönlichen Stil will das Paar die Klientel aber auch um Angehörige ihrer Generation ergänzen.

Gutes Essen und warmes Ambiente
Zu einem gescheiten Konzept gehören für die beiden denn auch vor allem freundliche Gastgeber und ein warmes Ambiente, Erkenntnisse, die sie aus eigener Erfahrung gezogen haben. «Das Essen ist wichtig, klar, aber wenn ich irgendwo essen gehe, achte ich immer auf die Atmosphäre, das Drumherum», erzählt Martina. Als Gast müsse man sich wohlfühlen und nicht das Gefühl vermittelt bekommen, man sei nur ein notwendiges Übel. «Mit unserem Flair möchten wir das Restaurant aufpeppen und auch junge Familien zu uns holen», erklärt die neue Pächterin. Aber so, dass die Beiz seinen Charme nicht verliere. «Ziel ist es, die ‹Schützenstube› als gutbürgerliches Restaurant zu etablieren, in das die Gäste gerne einkehren », fasst ihr Mann zusammen. Ein ambitioniertes Vorhaben, zumal das junge Ehepaar zum ersten Mal die Gastgeberrolle in der Gastronomie übernimmt.
Doch das ist noch nicht alles: Zur Eröffnung am 1. Februar schlüpfen Martina und René nämlich nicht nur in ihre neue Rolle als Wirtepaar, sie werden dann auch frischgebackene Eltern sein. Die beiden selbstdiagnostizierten Workaholics lassen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. «Als gutes Team meistert man alle Herausforderung gemeinsam. Wir wollen etwas auf die Beine stellen, worauf wir später zurückblicken und sagen können: Das haben wir miteinander geschafft», sagt René. «Und wenn man solch eine Chance kriegt, muss man sie ergreifen und seinen Traum verwirklichen», stimmt Martina mit ein.



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