Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
01.11.2017 Von: Jan Bolliger

Zürich 2

Der Detektiv geht auf Adliswils Bühne um


Für Sherlock Holmes (rechts) ist natürlich auf den ersten Blick klar, wer der Vorbesitzer von Watsons Uhr ist. Foto: Katrin Bretscher

Die Premiere von «Sherlock Holmes» des Theaters «Ni&Co» erntete in der Kulturschachtle viele Lacher und Applaus. Besonders überzeugte das Bühnenbild.

Wenn man auch fast 130 Jahre später noch über den Sprachwitz einer Geschichte lacht, dann ist Zweierlei gewiss: Bei dem Stück handelt es sich um einen zeitlosen Klassiker, und der Vortragende hat seine Arbeit gut gemacht. Beides trifft auf die Theatervorführung am vergangenen Freitag in der Kulturschachtle in Adliswil zu. Das Theater «Ni&Co» präsentierte ihre Version des Sherlock-Holmes-Krimis «Das Zeichen der Vier», geschrieben von Sir Arthur Conan Doyle. Mit dieser Stückwahl liegen sie voll im Trend. Der berühmteste Detektiv der Welt erlebt zurzeit ein Revival. Sowohl Hollywood als auch die BBC verfilmten in den letzten Jahren die Geschichten des scharf- und eigensinnigen Holmes und seines Gefährten Doktor Watson.

Die Neuaufnahme eines Klassikers wirft immer viele Fragen auf. Wie geht man mit dem bekannten Text um, bleibt man ihm treu, bringt man seine eigenen Ideen rein? Diese mussten sich auch die beiden Regisseure Nico Jacomet und Tanja Hoppler stellen. Hopplers Antwort: «Wir haben uns bewusst dafür entschieden, sehr nahe am Originaltext zu bleiben.» Dementsprechend klassisch war ihre Aufführung. Die Kostüme und das Bühnenbild versetzten die Zuschauer ins ausgehende 19. Jahrhundert, und auch beim Text übernahm man das Original oft Wort für Wort. Auf experimentelle und abstrakte Elemente wurde fast gänzlich verzichtet.

Beeindruckendes Bühnenbild
Das heisst aber nicht, dass die Jungschauspieler und Jungschauspielerinnen es sich einfach gemacht hätten. Denn, um möglichst nahe am Text bleiben zu können, haben sie fast alle Schauplätze des Buchs mit einbezogen. Das implizierte zahlreiche Bühnenbildwechsel und bewies, dass es sich bei der Aufführung keinesfalls um Theater von gestern handelt. Die Kulisse war auf die Mitte der Bühne konzentriert, und man bediente sich Vorhängen, Projektoren und Drehscheiben, um möglichst schnell zwischen den 16 Spielorten hin und her zu wechseln. Auf eine klassische «Hufeisenkulisse» bei der das Bühnenbild die Schauspieler umrahmt, habe man bewusst verzichtet, erklärt Hoppler.
Das Bühnenbild war der heimliche Star des Abends. Liebevoll bis ins kleinste Detail gestaltet, führten sie einen in den Salon der Bakerstreet 221b oder auf die nächtliche Themse. Verantwortlich für das Bühnenbild war Nico Jacomet zusammen mit Roland Gemperle und seinem Team. Dass sie mit dem Bühnenbild den Schauspielenden ein wenig die Show stahlen, soll aber keineswegs deren Leistung mindern. Von der exzentrischen Schwester des Opfers über den dümmlichen Kommissar bis zum unheimlichen Verbrecher waren alle Figuren souverän und glaubhaft gespielt. Nach minimen Anlaufschwierigkeiten, wie sie bei Premieren üblich sind, zeigte sich, wofür die neun Hauptdarsteller in den letzten Monaten geprobt hatten. Sie brachten die beinahe ausverkaufte Kulturschachtle oft zum Lachen und konnten die Spannung hochhalten, obwohl wahrscheinlich die meisten Zuschauer wussten, wie die Geschichte ausgeht. Eine weitere Schwierigkeit beim Spielen eines Klassikers.

Urchige Beleidigungen
Ganz nehmen liessen es sich die Regisseure aber nicht, diesem ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Die Schauspieler sprachen reinste Mundart und sparten nicht an Beleidigungen, von denen «Füdlibürger» noch die unoriginellste war. Dies irritierte anfänglich etwas, ist man sich von Holmes doch sonst ein sehr klares britisches Englisch gewohnt und kein urchiges Schweizerdeutsch. In ihrer Biederkeit haben die beiden Sprachen aber durchaus ihre Gemeinsamkeit. Und dass der britische Humor auch auf Schweizerdeutsch funktioniert, zeigt einmal mehr, wie gut die Sherlock Holmes Geschichten sind. Und die Jungschauspieler von «Ni&Co».

Weitere Aufführungen: 2., 3. und 4. November, 20 Uhr, 5. November 17 Uhr, 8., 9., 10., 11. November, 20 Uhr. Kulturschachtle Adliswil, Schulhausstrasse 8.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 16. November 2017
Zürich 2 vom 16. November 2017
Zürich Nord vom 16. November 2017
Zürich West vom 16. November 2017
Küsnachter vom 16. November 2017
Küsnachter Amtlich vom 16. November 2017

Sonderzeitungen

Tonhalle
Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger