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01.11.2017 Von: Lisa Maire

Zürich 2

Der Quartierbibliothek droht das Aus


Vereinspräsidentin Adrienne Schäfer (r.) und Quästorin Barbara Klemm schmökern im vielseitigen Leseangebot der Bibliothek. Foto: mai.

Die Lesegesellschaft Wollishofen ist einer der ältesten Zürcher Vereine. Doch nun hat die Stadt ihr die Unterstützung aufgekündigt. Gelingt es nicht, neue Geldgeber zu finden, muss die historische Quartierbibliothek Ende 2018 schliessen.

Nächstes Jahr will die Lesegesellschaft Wollishofen ihr 220-jähriges Bestehen mit verschiedenen Aktivitäten festlich begehen. Das Jubeljahr könnte aber auch zum Schlussbouquet der Vereinstätigkeit geraten. Denn die Zukunft der Quartierbibliothek sieht düster aus, seit die Stadt aus Spargründen ihren jährlichen Unterstützungsbeitrag von 10 000 Franken gestrichen hat. Das ist genau die Summe, die der Verein neben den Mitgliederbeiträgen benötigt, um den Betriebsaufwand von rund 19 000 Franken zu decken. Dieser besteht überwiegend aus einem (bescheidenen) Bibliothekar-Honorar, den Kosten für die Anschaffung von Büchern und Hörbüchern sowie für Miete und Unterhalt der Bibliothek im Kirchgemeindehaus.

Sehr beliebt auch ohne E-Books
Die Streichung der städtischen Gelder ab 2018 wurde dem Verein 2015 angekündigt. «Wir haben lange gehofft, dass die Stadt sich doch noch erweichen lässt», sagt Quästorin Barbara Klemm. Doch ein Wiedererwägungsgesuch wurde abgelehnt – mit dem Hinweis, es gebe ja noch die Pestalozzi-Bibliothek Sihlcity. Die Bibliothek Wollishofen, so betont Vereinspräsidentin Adrienne Schäfer, werde jedoch zum grossen Teil von Quartierbewohnern genutzt, die sehr froh seien über die kurzen Wege zum Lesestoff: Familien mit kleineren Kindern oder auch Seniorinnen und Senioren. An den beiden offenen Nachmittagen herrscht in dem kleinen Bücherparadies denn ein recht reges Treiben. Auch ohne digitalisiertes Angebot. Wie sich bei einer Nutzer-Befragung herausstellte, sind die fehlenden E-Books aber kein Nachteil. Im Gegenteil: Gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung der Welt werde die Wollishofer Bibliothek als besonders charmant und wertvoll empfunden, sagt Schäfer.

Der siebenköpfige Vereinsvorstand hat bereits allerhand versucht, um der drohenden Schliessung entgegenzuwirken. So wurden letztes Jahr die Mitgliederbeiträge erhöht und auch die Bucheinkäufe zurückgefahren. Beides ein zweischneidiges Schwert. Schäfer: «Wir müssen uns am Wettbewerb orientieren, die Beiträge können wir nicht mehr höher schrauben – und die Buchkäufe nicht mehr weiter zurückfahren. Eine attraktive Bibliothek lebt doch von neuen Büchern.»

Sponsoren und Gönner gesucht
Dank vermehrter Öffentlichkeitsarbeit, zusätzlichen Veranstaltungen für Gross und Klein und dem Einsatz von viel Herzblut gelang es dem Verein zudem, neue Mitglieder zu gewinnen. Die Bibliothek zählt heute rund 250 Einzel- und Familienmitgliedschaften und gut 2000 Besucher im Jahr. Das Wachstum reiche aber nicht aus, um die entstandene Finanzierungslücke zu kompensieren, weiss Klemm. Andererseits dürfe die Bibliothek gar nicht mehr viel weiter wachsen, sonst würden die räumlichen und personellen Kapazitäten gesprengt. Deshalb versucht der Verein nun, die zum Überleben nötigen Mittel anders zu beschaffen: Zurzeit werden Stiftungen angeschrieben, dazu kommen Spendenaufrufe und Werbeaktionen für Gönnermitgliedschaften. Klemm: «Bis Ende 2018 haben wir noch Kapital. Wenn bis dahin die Finanzierung für mehrere weitere Jahre nicht steht, müssen wir zumachen.»

Bibliothek der Lesegesellschaft Wollishofen, Kilchbergstrasse 21. Geöffnet Di und Do, 15–18.30 Uhr. PC 80-2788-3. Infos: Barbara Klemm, bibliothek.wollishofen@gmx.ch



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