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01.11.2017 Von: Pascal Wiederkehr, David Herter

Zürich 2

Umfrage zeigt: Schifffahren ist auf dem Zürichsee vergleichsweise günstig


Wurde bisher gerne als Tramalternative benutzt: Aber auch für das Limmatschiff ist ein Zuschlag von fünf Franken fällig. Archivfoto: pw.

Der Schiffsfünfliber erhitzt die Gemüter: Ein Vergleich mit anderen Schweizer Seen zeigt aber, dass Schifffahren auf dem Zürichsee trotzdem günstiger ist. Grund dafür ist die Quersubventionierung durch den ZVV.

Seit bald einem Jahr muss man auf dem Zürichsee fürs Schifffahren mehr bezahlen: Fünf Franken beträgt der Zuschlag auf jedes Ticket. Damit möchte der Kanton die Finanzen um drei Millionen Franken aufbessern. Der Regierungsrat will trotz Kritik und deutlichem Passagierrückgang bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) am Zuschlag festhalten. Im Kantonsrat waren Anfang Oktober gleich zwei Vorstösse zur Abschaffung des Zuschlags eingereicht worden.

Doch wie sieht es auf anderen Schweizer Seen aus? «Zürich 2» hat die Schifffahrtstarife genauer unter die Lupe genommen. Als Basis wurde der volle Preis für eine Hin- und Rückfahrt auf einer Strecke von rund 20 Kilometern genommen. Auf dem Thunersee kostet eine Fahrt zwischen Thun und Interlaken 77 Franken. Im Vergleich dazu: Von Zürich nach Wädenswil muss man für ein Ticket inklusive Schiffzuschlag 26.60 Franken berappen. Auf dem Thunersee zahlen Passagiere also rund 190 Prozent mehr. Die BLS, Betreiberin der Schifffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee, erklärt sich den Unterschied so: «Die BLS muss und will ihre Schifffahrt kostendeckend betreiben. Sie erhält keine Abgeltungen von der öffentlichen Hand», sagt Sprecherin Helene Soltermann. In den beiden letzten Jahren sei ein kostendeckender Betrieb gelungen.

Ins gleiche Horn bläst die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees AG (SGV): Sie sei wie die meisten Schifffahrtsgesellschaften primär im touristischen Verkehr tätig und damit nicht abgeltungsberichtigt. «In der Folge davon müssen wir wirtschaftlich selbstständig, das heisst, kostendeckend arbeiten», sagt SGV-Direktor Stefan Schulthess. Im Gegensatz dazu wird der Schiffsverkehr auf dem Zürichsee als öffentlicher Verkehr definiert und via ZVV subventioniert. «Müsste die ZSG ihren Betrieb und ihre Investitionen auch selber finanzieren, müssten die Fahrpreise auf dem Zürichsee schätzungsweise verdoppelt werden», gibt Schulthess zu bedenken. Eine Fahrt zwischen Luzern und Gersau kostet auf dem Vierwaldstättersee 55 Franken.

Ähnlich teuer ist es auf dem Genfersee. Zwischen Lausanne und Thonon-les-Bains in Frankreich zahlt man 50 Franken. Die Erklärung ähnelt: «Die ZSG ist Teil des ZVV, und dies ist am Genfersee nicht der Fall. Dies erklärt den Unterschied bei den Tarifen», so die Betreibergesellschaft CGN. Vergleichsweise günstig ist die Schifffahrt hingegen auf dem Bodensee: Eine Strecke von etwa 20 Kilometern zwischen Kreuzlingen und Stein am Rhein kostet 36 Franken. «Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG muss eigenwirtschaftlich betrieben werden», gibt Geschäftsführer Remo Rey Auskunft. Der Fahrtpreis ist für eine vergleichbare Distanz etwa 35 Prozent höher als auf dem Zürichsee.

Bloss wenige hundert Pendler

Weshalb kam es dann trotz des günstigen Preises zu einem drastischen Passagierrückgang auf dem Zürichsee? «Preiserhöhungen können aufgrund der Preissensitivität der Fahrgäste stets zu einem Frequenzrückgang führen», erklärt ZVV-Sprecher Stefan Kaufmann. Die Pendler hat die Preiserhöhung am stärksten getroffen. «Es ist uns nicht möglich, die Pendlergruppe scharf auszuweisen. Man kann aber sagen, dass es sich bei der Benutzergruppe, die am stärksten vom Zuschlag betroffen ist, gleichzeitig um die kleinste Benutzergruppe handelt», sagt Kaufmann. Die ZSG gehe von wenigen hundert Personen aus, die regelmässig pendeln. «Die Benützung der Limmatboote oder der Schiffe auf dem See war bis anhin gleich teuer wie eine Pendlerfahrt mit einem Tram respektive einer S-Bahn», betont Kaufmann. Weil die ZSG an den ZVV-Tarif gebunden sei, könne sie nicht wie andere Anbieter marktgerechte Preise für ihre Schifffahrten verlangen.
Der Zuschlag soll einen Beitrag an den tiefen Kostendeckungsgrad von nur 37 Prozent leisten. Das Defizit von zwei Drittel aller Kosten, jährlich 12 Millionen Franken, muss von Kanton und Gemeinden getragen werden. Kaufmann: «Aber auch mit dem Schiffszuschlag bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis der Zürichsee-Schifffahrt gut und der See einer der günstigsten der Schweiz.»



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