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02.11.2017 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Jetzt mischelt auch noch Cablecom mit


Doppelspurigkeit: Viele Küsnachter Haushalte sind einerseits ans Telekommunikationsnetz der Werke am Zürichsee angeschlossen, haben aber auch einen Anschluss an das Glasfasernetz von Swisscom. Foto: Lisa Maire

GGA Maur in Kooperation mit den Werken am Zürichsee, Swisscom und nun auch noch UPC Cablecom – das digitale TV-Angebot in Küsnacht wird grösser. Sinnvolle Konkurrenz oder unnötige Doppelspurigkeit?

5500 Küsnachter Haushalte werden ab Mitte November Zugang zu den TV-, Internet- und Telefonie-Angeboten von UPC Cablecom haben. Dies vermeldet eine Medienmitteilung des Unternehmens. Damit würden Küsnachter in Zukunft unter anderem mit 500 Mbit/s online surfen und mit dem neuen Sportsender «MySports» Schweizer Eishockey sowie die Fussball- Bundesliga über Sky geniessen können, preist das Unternehmen sein Angebot an.
In den umliegenden Gemeinden ist UPC bereits vertreten: In Erlenbach und Herrliberg nutzt der Provider sein eigenes Glasfaserkabelnetz, in Zollikon erhalten die Kundinnen und Kunden die Produkte von UPC über die Genossenschaft für ein Radio- und Fernseh-Kabelnetz in Zollikon.

Kein gemeinsames Glasfasernetz
Der Ausbau in Küsnacht ist Teil der Expansionsstrategie von UPC: Über die Nutzung von Netzen bereits bestehender Lokal- und Drittanbieter will UPC bis Ende 2018 bis zu 200 000 zusätzliche Haushalte ausserhalb des eigenen Netzes versorgen. In Küsnacht nutzt sie das Glasfasernetz von Swisscom, das ab dem Jahr 2011 stetig ausgebaut wurde. Wie ein Sprecher von UPC Cablecom erklärt, nutzt das Unternehmen «fremde» Netze immer dann, wenn die lokale Infrastruktur es erlaube, seine Produkte für Internet, TV und Telefonie in bester Qualität anzubieten. Denn in diesen Fällen mache es wenig Sinn, ein eigenes Glasfaserkabelnetz komplett neu aufzubauen.
Genau dies hat Swisscom allerdings vor sechs Jahren getan. Eine Zusammenarbeit mit den Werken am Zürichsee, die aus einem Teilzusammenschluss der Gemeindewerke von Zollikon, Küsnacht und Erlenbach hervorgingen und in Küsnacht Anschlüsse in nahezu alle Haushalte unterhalten, kam damals nicht zustande. Wie Rolf de Pietro, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Werke am Zürichsee (WaZ), auf Anfrage erklärt, hatte Swisscom ganz klare Vorstellungen, «wer wie wann baut» und wie die vertraglichen Bestimmungen aussehen müssten. «Die Konditionen waren dazumal klar zu unserem Nachteil», so de Pietro. Weiter hält er fest, dass es die Swisscom – und nicht sie selber – seien, die für die Bereitstellung von Internet und TV ein Problem habe mit dem Kupferkabel. De Pietro: «Unser Netz (Glasfaser und Koaxialkabel) erfüllt heute noch die notwendige Performance, auch wenn mehrheitlich die letzten Meter vom Netz bis ins Haus mit Koaxialkabel erschlossen sind.»
Weil es also mit dem gemeinsamen Bau eines Glasfasernetzes nichts wurde, nahm die Swisscom dies in Eigenregie in Angriff. Das Unternehmen gibt nun keine Auskunft darüber, wie viele Anschlüsse es in Küsnacht heute betreibt, ein weiterer Ausbau sei aber in naher Zukunft nicht geplant, sagt Mediensprecherin Sabrina Hubacher. Gesamtschweizerisch hat Swisscom bis Ende Juni 2017 über 1,29 Millionen Wohnungen und Geschäfte mit Glasfasern erschlossen. Der Zugang auf dieses Netz stehe allen Anbietern seit Jahren offen. «Namhafte Anbieter wie zum Beispiel Sunrise, Init7 und im vorliegenden Fall UPC bieten heute bereits Produkte auf dem Swisscom- Festnetz an und profitieren vom kontinuierlichen Netzausbau mit Glasfasertechnologien », erklärt Hubacher. Dies bedeute, dass andere Anbieter das Netz der Swisscom gegen Entgelt mitnutzen können. Keine Auskunft gibt die Sprecherin auf die Frage, ob denn das Netz der Swisscom nicht ausgelastet sei.
Während Swisscom das eigene Netz gebaut hat, haben nun auch die Werke am Zürichsee mit dem Bau eines Glasfasernetzes begonnen: Es beträgt heute 95 Kilometer. «Auch im Jahr 2016 und 2017 wurde viel in das glasfaserbasierte Netz der Gemeinde Küsnacht investiert. Die Glasfaserleitungen ersetzen immer mehr Koaxialkabel, kommen so näher zu den einzelnen Liegenschaften oder sind sogar schon im Haus», führt de Pietro aus.

Rendite kleiner als erwartet
Mit dem Markteinritt von UPC erhalten die Werke am Zürichsee, die für TV und Radio mit dem Anbieter GGA Maur zusammenarbeiten, also einen weiteren Konkurrenten. «Wir werden sicherlich wieder einige Kunden verlieren », meint Geschäftsführer de Pietro. Insbesondere Neuzuzüger, die aus einem Gebiet mit Swisscom oder UPC-TV-Internet kommen, würden eventuell eher bei ihrem Provider bleiben, als dass langjährige Kunden der WaZ einen Wechsel in Betracht ziehen würden. Grundsätzlich befürworte er mehr Konkurrenzangebote, denn diese würden das Geschäft beleben und für Effizienz sorgen, hält der Küsnachter fest. Es stelle sich aber schon die Frage, wie sinnvoll es sei, ein Parallelnetz zu betreiben. «Gesamtwirtschaftlich ist es sicher nicht sinnvoll, denn irgendjemand muss es ja bezahlen», so der WaZGeschäftsführer.
Dass die grossen Player im Telekommunikationsmarkt ihr eigens Netz bauen, ist nicht überall der Fall: In der Stadt Zürich baut die Swisscom das Glasfasernetz zusammen mit der öffentlichen Hand aus. Auch in Meilen und Herrliberg ging Swisscom mit dem lokalen Netzanbieter meifi.net für den Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur eine Kooperation ein.
Wie die «NZZ» am 25. Oktober schrieb, machte sich punkto Rendite jedoch bereits 2012 Ernüchterung breit. Die Stadt Zürich habe von den investierten 600 000 Millionen inzwischen bereits 90 Millionen Franken abschreiben müssen. Den Grund nennt das Stadtwerk Winterthur gegenüber der Tageszeitung: Die Nutzungspreise für die Miete der Glasfaserleitungen seien stärker und schneller gesunken, als erwartet.
In Küsnacht scheint Swisscom mit der Akquise von UPC als Neumieter jedoch auf einem aufstrebenden Ast zu sein. Und für den Konsumenten bedeutet ein zusätzlicher Player auf dem Markt schliesslich ein Angebot mehr im Dschungel der TV- und Internetanbieter: Wer daraus Profit schlagen will, braucht allerdings Geduld, um die verschiedenen Angebote eingehend zu vergleichen.



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