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08.11.2017 Von: Pia Meier

Zürich Nord

«Gesunder Schlaf ist wichtiger als Glockenschlag»


Die Guthirt-Glocken erregen die Gemüter. Foto: pm.

Die Glocken der katholischen Kirche Guthirt in Wipkingen schlagen in der Nacht jede Viertelstunde. Nachbarn beklagen sich. Aus formalrechtlichen Gründen fand bei der Kirchgemeindeversammlung keine Abstimmung statt. Das Thema wurde aber diskutiert.

In vielen Schweizer Kirchen wird alle 15 Minuten die Kirchenglocke geschlagen, auch tief in der Nacht. Immer wieder kam es deswegen in den vergangenen Jahren zu Lärmklagen, die vor Gericht aber oft keine Chance hatten. Die Tradition, dass jede Viertelstunde die Kirchenglocke ertönt, wurde oft höher gewichtet als das Interesse der Anwohner. Doch im vergangenen Jahr gab das Verwaltungsgericht erstmals den Anwohnern recht. Ein Anwohner-Paar der reformierten Kirche Wädenswil klagte, weil der Lärm des 200 Meter entfernten Kirchturms die beiden nachts aus dem Schlaf riss.

Unzulässige Lärmemission
Grund war eine Studie von ETH-Forschern. Sie kam zum Schluss, dass der Schlaf bereits ab einem Lärmpegel von 40 Dezibel (dB) gestört wird. «Mit Blick auf die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse kann nächtliches Kirchengeläut von über 40 bis 45 dB – abweichend von der früheren Praxis – bereits eine unzulässige Lärmimmission sein», urteilte deshalb das Gericht. Ein stündlicher Glockenschlag würde Aufwachreaktionen bedeutend reduzieren.

In der Stadt Zürich gibt es keine einheitliche Regelung. Die Glocken verschiedener Kirchen schlagen aber nachts nicht mehr, so zum Beispiel diejenigen der reformierten Kirche Wipkingen.

Auf Dialog setzen
Auch die Nachbarn der katholischen Pfarrei Guthirt beklagen sich seit 2015 wiederholt bei der Kirchenpflege. Vor Kurzem reichte Corinne Jeisy einen Antrag zu Handen der Kirchgemeindeversammlung ein. Am vergangenen Sonntag hätte darüber abgestimmt werden sollen. Doch kurz vorher wurde festgestellt, dass dies nicht rechtens ist, weil die Kirchenpflege keinen klaren Entscheid gefällt hatte. «Wir müssen deshalb das Traktandum zurückziehen», hielt Lukas Tschopp, Präsident der Kirchenpflege, fest. Man wolle auf einen konstruktiven Dialog setzen. Die Versammlung stimmte zu. Am Schluss der Versammlung fand eine ungefähr einstündige Diskussion zu diesem Thema statt.

Eine klare Mehrheit der knapp 50 Anwesenden, die im Umkreis von 200 Metern von der Kirche wohnen, war der Meinung, dass das viertelstündliche Schlagen in der Nacht nicht notwendig sei, eventuell sollte die Glocken auch den Stundentakt nicht schlagen. Die Gegner des nächtlichen Glockenschlags argumentierten, dass die Glocken sehr laut seien, dass gesunder Schlaf wichtiger sei, dass das nächtliche Aufwachen zu ernsthaften Schlafstörungen führe, dass die reformierte und die katholische Kirche Wipkingen gleich vorgehen sollten. Auch wurde betont, dass der Stundenschlag, das regelmässige Schlagzeichen zur vollen Stunde, oft auch zur Viertelstunde, keinen kirchlichen Hintergrund hat. Er stamme aus der Zeit des Mittelalters, als der Grossteil der Bevölkerung keine Uhr hatte und von der Turmuhr der Kirche abhängig war. Generell wurde aber gesagt, dass der Lärm im Quartier allgemein zugenommen habe.

Die Befürworter des nächtlichen Glockenschlags hielten fest, dass das Schlagen der Glocken kein Lärm sei, er gehöre dazu und gebe Sicherheit. Gegner und Befürworter strebten eine einvernehmliche Lösung an. Mit dem stündlichen Schlagen könne man sich abfinden, hiess es mehrfach. Dass Handlungsbedarf besteht, war aber offensichtlich.

Der Quartierverein Wipkingen hat auf seiner Homepage eine Umfrage gemacht, die besagt, dass 71 Prozent der 357 Teilnehmer eine Reduktion wünschen zwischen 22 und 7 Uhr.

Technisch nicht möglich
Tschopp wies darauf hin, dass es technisch zurzeit nicht möglich sei, etwas am Schlagen der Glocken zu ändern. Dies sei erst nach der Renovation der Kirche, die fürs kommende Jahr geplant ist, der Fall. Die Kirchenpflege werde sich mit dem Thema beschäftigen. Dann wolle man wieder auf die Kirchgemeindeversammlung treten. «Wir wollen, dass die Kirche im Dorf bleibt», betonte Tschopp. Die nächste Versammlung findet im Mai 2018 statt.



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