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08.11.2017
Zürich West

Im Handball harzt es bei Helfern und Hallen


Der ehemalige Horgemer Roman Sidorowicz (links) steht beispielhaft für die gute Ausbildungsarbeit von GC Amicitia – er spielt heute in Winterthur und in der Nationalmannschaft. Foto: shv.

Lange Jahre sank die Zahl der Handballer stetig. Nun scheint der Trend gebrochen. Mit der Nachwuchsarbeit von GC Amicitia sind die Breitensportvereine zufrieden, sie wünschen sich aber eine verbesserte Kommunikation.

David Herter

Viel Zeit ist vergangen, seitdem die Schweizer Handballer 1994 an einer Weltmeisterschaft den vierten Platz belegten. Noch länger dauert der Abwärtstrend der Sportart an. Von 1986 bis 2014 hat sich die Zahl der Handballerinnen und Handballer auf noch 17 500 halbiert. In Höngg, Affoltern und Oerlikon verschwanden traditionsreiche Quartiervereine oder schrumpften stark.
Nun gibt es Anzeichen für eine Trendwende. Am Zürcher Handballschülerturnier nahmen im Frühling über 100 Mannschaften teil, ein Drittel mehr als noch 2013. Aktuell läuft die Anmeldefrist für das nächste Turnier (siehe Kasten). Das steigende Interesse führen die Vereine zurück auf viele Probelektionen in den Schulen. Dabei macht ein Handballer die Schüler mit der Sportart bekannt und spielt ein kleines Turnier.

Andy Schmid als Zugpferd

Stark gewachsen ist zuletzt der Turnverein Unterstrass. Jugendleiter Rafael Wilhelm führt das auf verschiedene Faktoren zurück. Einer sei die verstärkte Arbeit in den Schulen, ein anderer das Bevölkerungswachstum. Dazu kämen Wartelisten in anderen Sportarten und die Tatsache, dass Andy Schmid viermal in Folge als wichtigster Spieler der deutschen Bundesliga ausgezeichnet worden sei.
Südlich der Limmat sind zwei Handballklubs zu Hause: Albis Foxes Handball und das Aushängeschild des Zürcher Handballs GC Amicitia. Dabei decken die Füchse ein sehr grosses Gebiet ab, mit Adliswil, Kilchberg und dem Zürcher Kreis 2. GC Amicitia seinerseits konzentriert sich auch bei den Juniorinnen und Junioren vor allem auf den Spitzensport. Die letzten grossen Erfolge von Amicitia, das kurz darauf mit Rekordmeister Grasshoppers fusionierte, liegen ein Jahrzehnt zurück. Nach wie vor ist der Klub aber mit je einem Team in der höchsten Liga von Frauen und Männern vertreten. Und bei den Juniorinnen und Junioren leistet er ausgezeichnete Arbeit, das bestätigen die Breitensportvereine. Viele Meistertitel und ebensoviele Transfers von Spielern von GC Amicitia zu den besten Teams aus Schaffhausen und Winterthur zeugen davon.

Brachliegende Quartiere

Die Zusammenarbeit mit den Breitensportvereinen laufe besser als vor einigen Jahren, sagt Thomas Rosser, der bei GC Amicitia den Männer-Nachwuchs leitet. Früher wollten die Breitensportvereine ihre Spieler nicht immer abgeben, und umgekehrt warb GC Amicitia Talente manchmal ohne Gespräch mit dem Stammverein ab. «Die Zwiste der Vergangenheit konnten beigelegt werden, und diverse begabte Kids finden den Weg zu uns und auch wieder zurück zu ihren Stammvereinen», sagt Rosser. Auch dank der Arbeit der Breitensportvereine habe GC Amicitia die Zahl der Juniorinnen und Junioren zuletzt stabil halten können. Rosser sieht aber einige Quartiere der Stadt brachliegen. «Die Unterschiede sind enorm.» Wo der Handball von Vereinen gelebt werde, gelinge es leicht, Kinder für die Sportart zu gewinnen.

Die sinkende Bereitschaft, sich ehrenamtlich für einen Verein zu engagieren, sehen die Verantwortlichen der Handballvereine als eine von zwei Hürden, die einem weiteren Aufschwung im Weg stehen. Selbst dem Spitzenklub GC Amicitia gelinge es kaum, für alle seine Teams Trainerinnen, Trainer und Schiedsrichter zu finden, sagt Thomas Rosser: «Es ist schwierig.» Immer weniger treue Schultern müssten die Lasten tragen.

Sein Kollege im Kreis 2, Christian Traber von den Albis Foxes, legt noch eine Schippe drauf: «Das dringlichste Problem sind die fehlenden Helfer, Trainer und Vorstandsmitglieder.» Für einmalige und ausserordentliche Einsätze lasse sich das nötige Personal meist finden. Viel schwieriger gestaltet sich aber die Suche nach Erwachsenen, die bereit sind, regelmässig viel Zeit zu investieren. Ohne genügend Funktionäre seien die Vereine gezwungen, Jugendliche abzuweisen, sagt Rafael Wilhelm vom TV Unterstrass. Gelinge es nicht, wieder mehr Erwachsene für den Handball zu gewinnen, würden die Zürcher Vereine den aktuellen Boom selbst wieder abwürgen. «Das würde die Abwärtsspirale erneut in Gang setzen.»

Nachfrage grösser als Angebot

Den meisten Handballvereinen steht als zweite Hürde die fehlenden Hallenkapazitäten im Weg, wobei das Problem für die Albis Foxes und GC Amicitia nicht gleichermassen dringlich erscheint, wie für die Klubs nördlich der Limmat. Wohl auch weil die Heimhalle der Albis Foxes in Kilchberg steht und GC Amicitia auf Utogrund und Saalsporthalle zählen kann. Anders sieht die Lage für Schwamendingen und Unterstrass aus. «Selbst wenn unser Verein mehr Junioren hätte, wäre es undenkbar, dass wir in absehbarer Zeit mehr Trainingszeiten erhalten», sagt Thomas Maag von Schwamendingen HB.

Die Nachfrage nach Hallen sei einfach viel grösser als das Angebot, unterstreicht Rafael Wilhelm vom TV Unterstrass. Wo immer es die Platzverhältnisse erlaubten, soll die Stadt darum Dreifach- oder Vierfachhallen statt Einfach- oder Doppelhallen bauen, finden die Vereine aus Zürichs Norden. Das lohne sich selbst dann, wenn die Einwohnerzahlen in einem Quartier stagniere. «Da die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, werden diese grösseren Hallen ausgelastet», ist Wilhelm überzeugt.

Hoffen auf GC Amicitia

Von GC Amicitia als Zugpferd erhoffen sich die Breitensportvereine bald wieder Erfolge, auch wenn in den Sternen steht, wann dies sein wird. Momentan entspricht das öffentliche Interesse an den Spielen des Spitzenklubs den sportlichen Resultaten. 300 Zuschauer wurden in der vergangenen Saison in der Saalsporthalle durchschnittlich gezählt, GC Amicitia musste in die Abstiegsrunde und landete auf Platz 8. Meister wurde Kadetten Schaffhausen vor Pfadi Winterthur. Sehr gut waren in den vergangenen Jahren hingegen die Resultate der Junioren und Juniorinnen von GC Amicitia. Die Breitensportvereine sind denn auch gewillt, ihre besten Spielerinnen und Spieler weiterzugeben, damit sie sich dort optimal entwickeln können.

Spieler würden heute nicht einfach mehr still und leise abgeworben, sondern GC Amicitia suche zuerst das Gespräch mit den Bereitensportvereinen, sagt Jürg Rauser vom TV Witikon. Es sei richtig, wenn talentierte Jugendliche leistungsorientiert trainieren und spielen könnten, und da sei GC Amicitia der richtige Verein. Den Breitensportvereinen ist es aber wichtig, mit «ihren» Spielern in Kontakt zu bleiben. «Wer den Sprung nicht schafft, sollte den Weg zurück zum Stammverein finden», sagt Rauser. Eine solche Zusammenarbeit würde Spitze und Breite gleichermassen stärken, ist er überzeugt. «Hier wünschen wir uns eine bessere Kommunikation.»

Events für Zürich und Basel

Ein Konzept, wie Zürich seine Probleme mit Hallen und Helfern lösen könnte, hat der Schweizerische Handballverband (SHV) nicht. «Die Vereinsentwicklung ist seit der Zentralisierung des Verbandes 2016 aber ein Thema mit hoher Priorität», sagt Mediensprecher Marco Ellenberger. Der Handballsport sei in den grossen Städten unterschiedlich verankert. Während St. Gallen und Winterthur traditionelle Hochburgen seien, werde Handball in Zürich oder Basel weniger wahrgenommen, auch weil die Konkurrenz anderer Sportarten und Veranstaltungen grösser sei. Das versuche der SHV mit Events auszugleichen, zum Beispiel mit dem Heimspiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Deutschland im Hallenstadion, das im vergangenen Herbst 10 000 Zuschauer verfolgten und das die Schweizer knapp mit 22:23 verloren.

Wer sich für die Einschätzungen der anderen am Handball-Schülerturnier beteiligten Teams interessiert, findet die entsprechenden Artikel in den Quartierzeitungen «Züriberg», «Zürich 2» und «Zürich Nord» oder unter www.lokalinfo.ch

Anmelden fürs Schülerturnier

Noch eine gute Woche, bis am 19. November, läuft die Anmeldefrist für das «Handball-Schüeli» in der Stadt Zürich. Anmelden können sich Mannschaften mit Mädchen und Knaben von der 3. bis zur 9. Klasse. Zuletzt nahmen 101 Mannschaften am Anlass teil, der am Sonntag, 14. Januar, und am Sonntag, 4. März, (Final) ausgetragen wird. Organisiert wird das Schülerturnier vom Zürcher Handballverband und den Vereinen Albis Foxes Handball, Handball TV Unterstrass, Handball Schwamendingen, GC Amicitia und TV Witikon Handball. Die Teilnahme ist ebenso kostenlos wie ein Probetraining, das via Turnierorganisator oder direkt mit einem der beteiligten Vereine vereinbart werden kann. (dh.)

Weitere Informationen und Anmeldeformular unter: www.handball-schueli.ch.



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