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15.11.2017 Von: David Herter

Züriberg

Kunst und Parolen am Bauzaun


Zwischen Tags, Werbung und Kunst prangen am Zaun um den Kunsthausneubau linke Parolen. Schlimm, findet ein SVPGemeinderat. Die Bauherrschaft sieht kein Problem.

Ein Foto von Stadtpräsidentin Corine Mauch hielt Pop-Art-Künstler Andy Warhol nie in Händen. Am Bauzaun entlang der Rämistrasse hängt denn auch kein echter Warhol, sondern das Plagiat eines anonymen Künstlers. Das Porträt von Marilyn Monroe hat er darauf vierfach durch das Porträt von Präsidentin Mauch ersetzt.
Genau so hatte es sich die Bauherrschaft für den Kunsthausneubau gedacht, als sie die Bretterwand um den 206-Millionen-Neubau für die Gestaltung durch Künstlerinnen und Künstler freigab. Diese sollten die Wand nach Belieben nutzen dürfen, «solange die üblichen Regeln eingehalten werden», wie Franziska Martin vom Amt für Hochbauten sagt. Diskriminierende Symbole und rechtswidrige Botschaften würden nicht akzeptiert und übermalt.
Nicht übermalt wurde lange Zeit eine politische Parole, wie sie häufig am 1. Mai auf Bannern oder Plakaten zu lesen ist. «Krieg dem Kriegstreiber » stand da den Sommer über geschrieben, bevor der Slogan einer «technischen Anpassung» weichen musste – und nach wie vor steht da auch: «Nieder die Zäune, hoch die Fäuste!» Zwei Aussagen, die Urs Fehr, SVP-Gemeinderat und Präsident des Gewerbevereins Zürich-Ost, stark stören. Fehr versteht die Parolen als Aufruf zur Gewalt. «Meiner Meinung nach hat das nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun», sagt Fehr. Mehrere Male forderte er die Stadt auf, die fraglichen Sätze sofort zu übermalen. Vergebens.
«Wir bieten mit dem Bauzaun einen Ort an für kreative Beiträge und hoffen auf eine Auseinandersetzung mit dem späteren Inhalt des Kunsthausneubaus », sagt Franziska Martin. Es seien schon einige interessante und originelle Beiträge entstanden. Auf dem Bauzaun hätten aber auch politische Aussagen Platz. «Im Zweifel geben wir der Meinungsäusserungsfreiheit den Vorzug», sagt Martin. Die von Fehr kritisierten Parolen seien für die Bauherrschaft – zu der neben der Stadt die Zürcher Kunstgesellschaft, die Stiftung Zürcher Kunsthaus und der Kanton gehören – weder rechtswidrig noch diskriminierend. Politische Parolen wie diese würden deshalb nicht übermalt, wie auch die Aussage «Schauspielhaus links, Scheisse Sozi» die am Zaun auch schon zu lesen war, nicht übermalt worden sei. «Auf ein Katz-und- Maus-Spiel wollen wir uns nicht einlassen », sagt Martin. Auch weil das Übermalen ein Kostenfaktor sei.

«Kein Aufruf zu Gewalt»
In der linken Tradition stehe «Hoch die Fäuste» für ein sinnbildliches Herzeigen des Produktionsmittels der Arbeiterklasse, ihrer Arbeitskraft, sagt AL-Gemeinderat Andreas Kirstein. «Wer die Fäuste hochreckt, droht deshalb mit der Verweigerung seiner Produktionskraft und nicht mit Schlägen.» Um den von Fehr ins Feld geführten Tatbestand des Aufrufs zu Gewalt zu erfüllen, müsste in den Parolen auf ein strafrechtlich relevantes Vergehen Bezug genommen werden, sagt Kirstein. Dies sei aber eindeutig weder bei der Aufforderung «Hoch die Fäuste» noch beim Begriff «Krieg» der Fall. Die Parole fordere weder zu Kriegsverbrechen auf, noch zu einem Krieg gegen die Schweiz.
Auch aus kleinen Sätzen könne sich ein Sturm entwickeln, sagt SVPGemeinderat Urs Fehr. «Das Einfachste wäre, wenn man alle politischen Texte konsequent entfernen würde.» Die Stadt und das Kunsthaus machten es sich sehr einfach, wenn sie solche Texte als Beitrag zur künstlerischen Gestaltung der Stadt erklärten, sagt Fehr. Die Kosten für das Übermalen jedenfalls dürften bei einem Budget von 206 Millionen Franken keine Rolle spielen.



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