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16.11.2017 Von: Fabio Lüdi

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Arbeiten zwischen Legoklötzchen und Luxusschlitten


Mit ihrem «mobilen Büro» rattern Seraina und Danile Haerings durch Küsnacht und lösen Probleme. (Foto: Fabio Lüdi)

Das kam nicht so, wie gedacht: Ursprünglich glaubten die Küsnachter Seraina und Daniel Haering, mit ihrem Butler-Service vor allem älteren Menschen unter die Arme greifen zu können. Bald stellte sich allerdings heraus, dass nicht etwa die altgedienten Generationen ein vorrangiges Interesse an alltäglichen Service-Leistungen reklamieren. «Unsere Kunden sind grossenteils Familien mit Kindern und Personen in den besten Lebensjahren», sagt Daniel Haering. Vor gut vier Jahren gründete er zusammen mit seiner Frau den Butler-Dienst «MyButler», denn die Jobsuche des Ex-Bankers verlief schleppend – also machte er aus der Not eine Tugend. Seither knattert der Küsnachter Butler-Dienst im mobilen Büro-Wägelchen durch den Ort und löst die Alltagsprobleme seiner Kundschaft. War Daniel zu Beginn noch vornehmlich alleine für den Service zuständig, kam bald auch seine Frau Seraina vollzeitlich mit an Bord.

Die Marketingfachfrau und der ehemalige Banker waren in ihren alten Jobs auf der Führungsetage immer wieder angeeckt, weil sie sich jeweils einen Tick zu enthusiastisch den Problemen ihrer Kundschaft annahmen. Eine Eigenschaft, die den beiden nun zugutekommt: «Den Dienstleistungsgedanken haben wir immer gepflegt, auch im privaten Umfeld», meint Seraina. Die Hotelfachschulabsolventin kocht beispielsweise leidenschaftliche gerne und ist darum immer wieder nach Koch-Tipps oder Rezepten gefragt worden, ihr Mann sollte zu Verabredungen mit Freunden manchmal gleich sein Werkzeug mitbringen, um etwa einen Rasenmäher zu reparieren. «Wir waren immer eine Art Auskunftsstelle für unser Umfeld», sagt Daniel Haering. Da war es eigentlich nur ein kleiner Schritt bis zum Butler-Service. Die Probleme, die das Küsnachter Ehepaar nun täglich zu lösen hat, sind in der Regel auch keine High-End-Aufträge, sondern Alltagsschwierigkeiten. Das geht vom Zusammenstellen eines Fotoalbums über eine Kellerräumung bis zur Party-Organisation.

Alltägliches Krisenmanagement

Meist handelt es sich um schlichte Terminkonflikte, wie sie etwa bei Familien des öfteren auftreten: Alle sind aus dem Haus, aber die Handwerker kommen und müssen instruiert werden, oder der Karton muss zeitgleich entsorgt werden, wie die Kinder in die Schule gebracht werden sollten. «Wir sind eigentlich ein Krisenmanagement-Unternehmen», sinniert Daniel Haering, und das gefällt ihm und seiner Frau. Anderen eine Freude zu machen, ihnen zu helfen, mache nun mal grossen Spass: «Wir sind die Heinzelmännchen im Hintergrund, die nach der Party aufräumen und wie von Zauberhand einen gedeckten Frühstückstisch erscheinen lassen.» Ihre Angebotspalette lassen sich die mobilen Butler dabei von ihrer Kundschaft diktieren, schliesslich sei es unmöglich, eine abschliessende Liste aller Alltagsprobleme zu erstellen.

So wird das Ehepaar immer wieder mit neuen und auch kuriosen Aufgaben konfrontiert. Für eine Kundin sollten sie beispielsweise die Legoklötzchen des Sohns sortieren, Hunderttausende Teile seien das gewesen, die nach Formen und Farben systematisiert werden wollten. «Wir haben mit einigen Helfern Bankett-Tsche aufgestellt und zwei Tage lang Legos sortiert»; blickt Seraina Haering amüsiert zurück. «Keiner hat mehr klar gesehen danach, aber alles war fein säuberlich in Tüten geordnet.» Bei einer anderen Gelegenheit sollte ihr Mann für einen Kunden, dessen Fahrer unabkömmlich war, den Chauffeur mimen und ihn zu Terminen fahren – in der Luxuskarrosse des Auftraggebers. Ein fundamentaler Unterschied zu ihrem normalen Geschäftsauto. «Unser Transporter rattert, ist laut und stinkt», lacht Daniel Haering, darum habe er sich im Internet erst ein Video mit Fahrinstruktionen ansehen müssen. «Ich habe nur nicht rausgefunden, wie ich den Tankdeckel öffnen kann», erzählt er weiter. «Ich musste also inbrünstig hoffen, dass der Tank voll war und ich ihn nie auffüllen muss.»

Aufträge, die sich um Autos drehen, kriegen sie allerdings selten, obwohl sie ihren Butler-Service gerne auf dieses Gebiet ausweiten würden, zum Pneu wechseln etwa. Aber das eigene Gefährt geben die Besitzer nur ungern aus den Händen. «Eigentlich komisch», konstatiert Daniel Haering mit Schalk in den Augen. «Die Schlüssel für das eigene Haus werden schnell aus der Hand gegeben. Aber beim Auto - keine Chance.»



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