Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
16.11.2017 Von: Lorenz Steinmann

Küsnachter Amtlich, Küsnachter

Die Krux mit barrierefreien Unterführungen


Auch die mittlere Unterführung ist für Rollstuhlfahrer, Senioren mit Gehhilfen und für Kinderwagen unpassierbar. Sie soll nun saniert werden. (Foto: aj.)

Am übernächsten Sonntag befinden die Küsnachter Stimmberechtigten unter anderem über einen 9,1-Millionen-Kredit zur Sanierung der SBB-Unterführung. Tatsache ist, dass die heutigen drei Unterführungen beim Bahnhof nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Senioren mit Gehhilfen, Eltern mit Kinderwagen oder Reisende mit Rollkoffern mühsam bis unmöglich passierbar sind. Doch nicht wenige Stimmbürgerinnen und Stimmbürger fragen sich nun, warum sich die SBB nicht an den Kosten von immerhin gegen 10 Millionen Franken beteiligen. Gelten für den Staatsbetrieb andere Gesetze als jene, an die sich private Bauherren halten müssen?

SBB als Sündenbock?

Joe Manser, Rollstuhlfahrer, Architekt und Mitarbeiter bei der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen, kann die Vorbehalte verstehen. Doch bei der These, die SBB als Sündenbock hinzustellen, winkt er ab: «Die besonderen Bauvorgaben gelten nicht nur für die SBB, sondern generell für den Aussenraum, auch wenn Private bauen», so Manser. Der Stadtzürcher Gemeinderat und ausgewiesene Spezialist erklärt, dass beim Bahnhof Küsnacht die üblichen Vorgaben zum Zuge kämen. «Erlaubt sind Gefälle bis 12 Prozent, wenn der Weg überdeckt ist; wenn die Zugänge nicht überdeckt sind, darf das Gefälle lediglich 10 Prozent betragen», erklärt Manser.

Kriterien werden erfüllt

Die Differenz erklärt sich durch den Einfluss von Schnee und Eis. Die beiden peripher gelegenen Rampen beim Bahnhof Küsnacht erfüllen dieses Kriterium. Darum stellen sich die SBB auch auf den Standpunkt, dass die mittlere Unterführung vom Bahnunternehmen nicht saniert werden müsse. Ein Argument, das Manser nachvollziehen kann. Generell scheint das Unterfangen der Vorlagengegner eher aussichtslos, die SBB zu einer Kostenbeteiligung zu bewegen.

150 Bahnhöfe als totale Barriere

Aus Sicht von Menschen mit Behinderung sei es durchaus sinnvoller, zuerst die schweizweit rund 150 SBB-Bahnhöfe (von total 750) zu sanieren, die heute für Rollstuhlfahrer eine absolute Barriere darstellen. Ein Beispiel ist der Bahnhof Zürich-Wollishofen, der erst 2018 umgebaut wird.

Dann ist die Situation in Küsnacht gar nicht so schlimm? Manser: «Dieser Bahnhof ist zumindest zugänglich, das Problem ist also relativ. Mit einem Elektrorollstuhl oder einem Hilfsgerät, wie ich es habe, ist er befahrbar.» Hinzu kämen topografische Gründe in dieser Gemeinde. «Wegen der zum Teil steilen Strassen und Trottoirs muss ich mich als Rollstuhlfahrer sowieso anders organisieren.» Trotzdem begrüsst Manser das Anliegen der Gemeinde, die mittlere Unterführung neu zu bauen. «Jede Massnahme zur Beseitigung von baulichen Barrieren ist sinnvoll», so der 64-Jährige, der seit seiner Kindheit wegen seiner Erkrankung an Kinderlähmung auf den Rollstuhl angewiesen ist.



Anzeigen

Dossier Wahlen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 14. Dezemeber 2017
Zürich 2 vom 14. Dezember 2017
Zürich Nord vom 14. Dezember 2017
Zürich West vom 14. Dezember 2017
Küsnachter vom 14. Dezember 2017
Küsnachter Amtlich vom 14. Dezember 2017

Sonderzeitungen

Tonhalle
Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger