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29.11.2017 Von: Lorenz Steinmann

Züriberg, Zürich 2, Zürich Nord, Zürich West

«Das Heil ist nicht im Wachstum zu suchen»


«Vier Herzchirurgiezentren sind zu viel für Zürich», kritisiert Gesundheitsökonom Willy Oggier indirekt das Triemlispital. (Foto: ls.)

Um die Finanzmisere bei den Stadtspitälern zu lindern, macht die FDP überraschende Aussagen. So stellt sie sich gegen Wachstum und fordert Abstriche bei Prestigeobjekten wie der Herzchirurgie. Derweil geht Stadträtin Claudia Nielsen auf Tauchstation.

Anfang dieser Woche stellte die FDP der Stadt Zürich Ideen vor, wie man die Stadtspitäler Waid und Triemli wieder auf finanziell positive Bahnen bringen könnte. Dieses Ansinnen als «Wahlkampf» und Frontalangriff auf die Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) abzutun, ist zu einfach. Denn an der Medienkonferenz griffen die Gemeinderäte Elisabeth Schoch und Michael Baumer nicht zum Zweihänder. Im Gegenteil. Baumer, der für die Nachfolge von Andres Türler im Stadtrat kandidiert, räumte ein: «Die beste Stadträtin aller Zeiten hätte Mühe, alles richtig zu machen.» So gab sich die FDP Mühe, konstruktiv zu bleiben. «Erstklassige, kostendeckende medizinische Versorgung für die städtische Bevölkerung und keine Prestigeobjekte» bedeutet für die FDP, dass vier Herzchirurgiezentren in Zürich zu viel sind. Der an die Medienkonferenz bestellte Gesundheitsökonom Willy Oggier aus Küsnacht betonte, dass das Triemli mit seiner Wachstumsstrategie falsch liege. «Es gibt Überkapazitäten, wobei im regulierten Wettbewerb nicht die Grossen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen fressen», so Oggier. Er und mit ihm die FDP fordern nun rasch eine neue Rechtsform der Spitäler. Sie hüten sich aber, im linksgrün dominierten Zürich von einer Privatisierung zu sprechen. Vielmehr könnte es eine AG sein, die in der öffentlichen Hand verbleibt, wie etwa die SBB. «Da die Halbwertszeit im medizinischen Wissen mittlerweile lediglich drei Jahr beträgt, ist viel mehr unternehmerischer Handlungsspielraum nötig», erklärt Oggier. Er hat sich einen Namen gemacht, weil er laut eigenen Angaben schon rund 50 Spitäler in Optimierungsfragen beraten hat. Einen Pfeil Richtung Nielsen schiesst Oggier dann doch ab: Er ortet fachliche Mängel bei der politischen Führung des Triemli- und Waidspitals. «Nötig ist ein Spitalrat, wie das zum Beispiel beim Unispital schon lange gehandhabt wird», so Oggier. Elisabeth Schoch, Vizepräsidentin der Sonderkommission Gesundheits- und Umweltdepartement im Gemeinderat, sprach an der Medienkonferenz davon, dass «das Heil nicht im Wachstum, sondern in der effizienten Erfüllung der Aufgaben zu suchen ist». Töne, die man von einer Wirtschaftspartei so nicht erwartet. Zudem will die FDP momentan von einer Zusammenlegung von Triemli- und Waidspital nichts wissen. Grund: «Zuerst muss die Strategie geklärt werden. Erst dann kann über die Struktur befunden werden», so Schoch.

Einstimmig abgeschmettert
Die dreizehnköpfige Spezialkommission im Gemeinderat hat kürzlich die Vorschläge aus dem Departement Nielsen einstimmig abgeschmettert. Nun muss Claudia Nielsen innert sechs Monaten ein neues Strategiepapier ausarbeiten, das gemäss Schoch «mehr als eine Auslegeordnung» ist. «Die vorliegende Weisung gibt keinerlei Antworten für die Spitäler», kritisiert die Gemeinderätin das Papier.

Claudia Nielsen schweigt
Und Claudia Nielsen? Seit drei Wochen bemüht sich die Lokalinfo um einen Termin mit der Gesundheitsvorsteherin. Immer wieder erfolgten Vertröstungen. Auch auf einige Fragen rund um die Vorschläge der FDP und von Willy Oggier gab es eine Absage. Aktueller Grund: Der Stadtrat werde aller Voraussicht nach am Mittwoch (nach Redaktionsschluss der Lokalinfo-Zeitungen) über die Causa Nielsen und die Stadtspitäler informieren.
Übrigens: An der Medienkonferenz der FDP war – als Zuhörer – auch Lukas S. Furler zugegen. Er ist Direktor des Waidspitals. Auf Anfrage wollte er sich nicht äussern. Er verwies auf die Medienstelle von Claudia Nielsen.



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