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29.11.2017 Von: Benny Epstein

Zürich 2

Unkraut auf dem Teller


Benny Epstein mag Lucy und Glühwein. Foto: zvg.

In der heutigen Kolumne gelobt Benny Epstein, sich 2018 zu verbessern.

Lucy beleuchtet die Bahnhofstrasse, beim singenden Weihnachtsbaum probieren im Glühwein getränkte Männer «Oh Happy Day» mitzulallen und den Black Friday haben wir und unser Portemonnaie auch überlebt – wir stecken mitten im Endspurt des Jahres. Wieso also nicht jetzt schon mal ans 2018 denken und überlegen, was man da so alles besser machen könnte?
Nun gut, belassen wir es vielleicht bei einer Sache, die wir uns vornehmen. Mein Plan für Sie und für mich: Wir meiden Pop-up-Restaurants. Das sind jene Gastronomiebetriebe, die nur vorübergehend geöffnet sind. Für ein paar Tage oder für wenige Wochen. In den letzten Jahren spriessen sie wie Unkraut aus dem Boden. Und Unkraut ist ungeniessbar. Pop-ups sind es meistens auch.

Das Menü bleibt geheim

Pop-up-Restaurants haben Bewegung in die Restaurantszene gebracht. Viele Beizer müssen sich nun wieder in den Allerwertesten kneifen. Innovativ werden, besser werden. Schliesslich kämpfen sie gegen tückische Konkurrenz. Pop-ups haben den Vorteil, dass sie viel weniger Auflagen erfüllen müssen als angestammte Restaurants. Zudem haben Pop-ups eine ganz besondere Anziehungskraft: Es gibt sie nur wenige Wochen, also muss ich jetzt hin. Das Menü? Bleibt oft geheim. Die Gäste finden dieses Mysteriöse recht sexy. Bald aber weicht das Mysteriöse der Enttäuschung. Dann nämlich, wenn der Gast sich beim Besuch verarscht fühlt. Ein banales, langweiliges, fades Gericht nach dem anderen aufgetischt bekommt und ihn allmählich das Gefühl beschleicht, dass das Menü nur geheim gehalten wurde, um den Gast nicht vorzeitig abzuschrecken. Aus dem gleichen Grund muss vielfach schon vor dem Besuch oder gleich zu Beginn bezahlt werden.
Pop-ups finden oft in speziellen Räumlichkeiten statt. In einer Kirche, in einem Keller, in einem Laden, in einer Bauruine. Das Szenario ist cool, die Stimmung auch. Doch reicht dieses Erlebnis, wenn das Dargebotene auf dem Teller wieder und wieder flach ist? Offenbar ja. Das treue Pop-up-Publikum lässt sich Mal für Mal aufs Neue verarschen.

Fettes Futter wegfressen
Gerade in der Weihnachtszeit tauchen die Pop-ups wieder vermehrt auf. Clever, denn jetzt finden die grossen Geschäftsessen und Weihnachtspartys statt. Die ertragsreichste Zeit im Jahr der Gastronomen. Genau in jener Zeit wird den Gastronomen also ihr fettes Futter weggefressen, das ihnen doppelte Umsätze garantieren würde, mit denen sie das magere Jahr aufpolieren könnten. Das ist nicht fair. Ich mache da nicht mehr mit. Ich werde künftig nur noch Pop-ups besuchen, bei denen ich weiss, dass ich nicht nur eine tolle Kulisse, sondern auch eine grossartige Küche kriege. Ansonsten besinne ich mich lieber und besuche ein tolles Restaurant in der Stadt, das ich vor lauter Pop-up-Unkraut vergessen hatte. Tun Sie es mir gleich!

Benny Epstein ist Journalist und lebt in Wollishofen. Eines seiner liebsten Lokale ist Caduffs Wine Loft an der Kanzleistrasse im Kreis 4. Ein Klassiker in Zürich. Und der Gastgeber ist fast so grossartig wie sein Weinkeller.



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