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29.11.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Zürich 2

Unternehmen sollen sich Büros teilen


Am Bleicherweg 10 hat Spaces seinen Zürcher Standort eröffnet. Foto: pw.

Am Bleicherweg in der Enge ist Spaces eingezogen. Der internationale Anbieter für Coworking-Space eröffnet offiziell seine Büros. Das Modell Coworking steckt in der Schweiz allerdings noch in den Kinderschuhen.

Sie heissen Impact Hub, Citizen Space, Office LAB oder Village Office: Sogenannte Coworking-Spaces, also eine Art Bürogemeinschaft, werden immer beliebter. Grössere und kleinere Coworking-Anbieter schiessen aus dem Boden. Gleich in der Nähe des Paradeplatzes hat beispielsweise die Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstrasse das «Büro Züri» eröffnet, an der Blaufahnenstrasse bietet die Reformierte Kirche Kanton Zürich den Coworking-Space «Blau 10» an. Ob die Gemeinschaftsbüros Business-Center, Technopark oder eben modern – Coworking-Spaces – genannt werden, das Modell ist schon älter, setzt sich aber erst jetzt langsam durch.

Effizienter arbeiten
Ein grosser, globaler Anbieter in diesem Bereich wagt nun den Schritt in die Schweiz. Spaces, das ursprünglich aus Amsterdam stammt, ist ein Schwester-Unternehmen des Business-Center-Anbieters Regus, der weltweit 3000 Standorte betreibt. Heute Donnerstag wird Spaces am Bleicherweg 10 den ersten Zürcher Standort mit 2300 Quadratmetern offiziell eröffnen. Es ist nach Genf das zweite Coworking-Angebot des Unternehmens in der Schweiz. Doch weshalb sollten Firmen ihre Büros teilen und Coworking-Spaces nutzen? «Am Ende geht es um Effizienz», erklärt Garry Gürtler, der neben Spaces auch Regus Schweiz leitet, bei einer Vorbesichtigung. Die Unternehmen seien heute punkto Arbeitsplätze auf die Spitzenzeiten ausgerichtet. Aber: «Etwa die Hälfte der Arbeitsplätze steht leer, weil die entweder Leute krank oder in den Ferien sind, direkt beim Kunden oder von zuhause aus arbeiten», so Gürtler. Im Immobilienmarkt habe man langjährige Verträge, die Mieter müssten aber kurzfristig auf neue Bedürfnisse reagieren können. Es laufe deshalb in Zukunft darauf hinaus, dass an den festen Hauptsitzen die Kernarbeitsplätze bleiben würden, die anderen jedoch flexibel und mobil arbeiten könnten.

Ein Augenschein am Bleicherweg zeigt: Die Räumlichkeiten sind modern eingerichtet, verfügen über Sitzecken, Kabinen, um in Ruhe telefonieren zu können, grosszügige Schreibtische, Sitzungszimmer, einen Gemeinschaftsbereich und eine Kaffeebar. Spaces setzt auf Mitgliedschaften. Ist man Mitglied in Zürich, kann man an einem der weltweit über 43 Standorte arbeiten. Allerdings hat die exklusive Lage am Bleicherwege mit Nähe zum Paradeplatz seinen Preis: 800 Franken kostet eine Mitgliedschaft ohne eigens Büro im Monat.

Veloflickkurse für Mitglieder
In Zürich erstreckt sich Spaces über mehrere Stockwerke. Im ersten Stock befindet sich der Business Club, in den weiteren Etagen flexibel mietbare Büros. Zudem sollen Apps die Mitglieder untereinander vernetzen. «Der Fokus liegt bei Spaces auf der Gemeinschaft. Wenn ein soziales Netzwerk entsteht, werden darin auch Ideen ausgetauscht», sagt der Geschäftsführer von Spaces Schweiz. «Wir glauben, dass Interaktion mehr bringt, als alleine vor sich hinzubrüten.» Aus diesem Grund plant Spaces Anlässe für die Mitglieder. Gürtler: «In Holland führen wir beispielsweise Veloflick-Kurse durch. So kommen Menschen zusammen, die etwas gemeinsam haben.» Gürtler rechnet damit, dass die Büros bis Ende Dezember rund 50 Prozent ausgelastet sein werden, in 18 Monaten will das Unternehmen die Vollauslastung erreichen. In der Schweiz möchte Spaces in den nächsten Jahren auf zehn Standorte wachsen. Im Ambassador House in Opfikon, das derzeit saniert wird, hat man bereits 2000 Quadratmeter mieten können. Global gesehen ist laut der «NZZ» der grösste Konkurrent von Spaces im Bereich Coworking-Space der amerikanische Anbieter We Work, der in 56 Städten präsent ist.

2015 wurde in Zürich der Verein Coworking Switzerland gegründet, insgesamt machen Coworking-Spaces in der Schweiz aber noch einen verschwindend kleinen Anteil am Büroflächenmarkt aus. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Immodea: «Alle Coworking Spaces zusammen nutzen rund 35 000 Quadratmeter Bürofläche.» Im Vergleich zum gesamten Büroflächenmarkt von rund 54,7 Millionen Quadratmetern eine verschwindend kleine Grösse. «Oder anders gesagt, alle Coworking Spaces der Schweiz hätten zweimal im Roche-Turm in Basel Platz», halten die Studienautoren fest. Mit einem prognostizierten Wachstum von 80 Prozent in diesem Jahr und einem weiteren starken Wachstum bleibe Coworking aber nicht mehr lange ein Nischenmarkt. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von 50 Prozent pro Jahr würden Coworking Spaces Ende 2023 einen Marktanteil von ein Prozent erreichen, was etwa. 550 000 Quadratmetern entspräche.

Will heissen: Es würde dann immerhin schon rund sieben Roche-Türme brauchen, um alle Coworking-Spaces unterzubringen.



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