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30.11.2017 Von: Jakob Metzler

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Lieblingsmenschen unter sich


Im Stück «Lieblingsmenschen» läuft in den Beziehungen zwischen den Studenten manches schief. (Foto: Jakob Metzler)

Die Junge Kulisse Küsnacht feierte letzte Woche Premiere mit ihrem Stück «Lieblingsmenschen». Die Komödie der Schweizer Autorin Laura de Weck spielt im Studentenmilieu.

Irgendwie brauchen die Studenten in «Lieblingsmenschen» einander, können sich aber trotzdem nicht richtig leiden. Die sechs jungen Erwachsenen müssen sich mit der oft unangenehmen Freiheit herumschlagen, sich nach bestandener Matur selbst neue und eigene Ziele setzen zu müssen und diese auch zu erreichen. «Wenn Darius nicht durchkommt, hat er vier Jahre umsonst studiert», erklärt Jule Darius’ Betrunkenheit. Darius, gespielt von Felix Helmrich, wird seine Prüfung nicht bestehen und steht damit vor dem Scherbenhaufen vierjährigen Studierens.

Darius’ Ex-Freundin Jule (Nadine Bitterli) besucht eine Schauspielerschule, kann gut mit Männern und hat aber schlussendlich doch ein Problem damit, dass sich Darius und ihre beste Freundin Lili näherkommen. Lili (Ailin Nolmans), will einen Mann, «der sie verführt». Anna (Paige Hicks) hingegen ist in einer sechsjährigen Beziehung mit Phillip, der im Stück selbst nicht auftritt und den Anna auch nur noch «irgendwie» liebt. Sven (Florian Feuchter) ist der letzte im Bunde. Er war wohl noch nie so richtig betrunken und hat ganz allgemein das Gefühl, etwas zu kurz gekommen zu sein. Der Student nimmt sich vor, all das, was er glaubt verpasst zu haben, quasi gleichzeitig nachzuholen und bringt damit auch das Liebesleben der anderen Studenten völlig durcheinander, was gravierende Auswirkungen haben wird.

Dynamische Zusammenarbeit

«Lieblingsmenschen» wird zurzeit von der Jungen Kulisse in der Aula der Schule Heslibach aufgeführt. Zusammen mit der Regisseurin Renate Muggli haben die Jungschauspieler das Theaterstück seit Mai eingeübt. Für Muggli hatte die Arbeit mit den jungen Erwachsenen auch Vorteile gegenüber der Arbeit mit erfahreneren Schauspielern: «Es ist eine richtige Dynamik entstanden.» Sie habe körperlich viel von ihrer Schauspieltruppe verlangen können, ausserdem seien die jungen Darsteller auch immer ehrlich gewesen und hätten immer nachgefragt, wenn sie gewisse Anweisungen nicht ganz nachvollziehen konnten – was erfahrenere Schauspieler oft nicht täten.

«Es war eine wirklich coole Zusammensetzung», fanden auch die Darsteller. Erstaunlich ist das, weil vor zwei Wochen noch die Rolle der Anna neubesetzt werden musste. Es sprang Paige Hicks ein, die sich sofort sehr gut aufgenommen fühlte. «Ich fand das Stück auch einfach gut», so Hicks. Die Regisseurin hat den Text zwar original übernommen, man habe jedoch trotzdem fast jede Szene mehrmals interpretieren müssen. «Manchmal ist im Text nicht ganz klar, was gemeint ist, das muss man dann selbst bestimmen», erklärt Muggli. Auch für die Rollen gibt es in dem Stück keine einfache Bedienungsanleitung. Die Schauspieler mussten sich ihre Rollen selbst zurechtlegen.

Auch Tränen fliessen

In der Theateraufführung gibt es immer wieder «SMS-Szenen», in denen die Studenten per Handy kommunizieren und die Nachrichten, mit Zeitangaben und teilweise Tippfehlern, laut vorlesen. Im Stück kommen viele amüsante Momente vor. Zum Beispiel wenn Lili und Jule über die richtige Mehrzahl von «Penis» diskutieren. Doch nicht immer geht es lustig zu und her. So auch, als Lili Darius ein einfaches Kompliment macht, worauf der verbitterte Student sie zum Weinen bringt mit den Worten: «Deine Impfnarben sind schöner als deine Augen».

Normale Realität?

Im Theaterstück läuft in den Beziehungen der Studenten fast alles schief und alle scheinen auf ihre eigene Art und Weise mentale Wracks zu sein. Ist das eine reale Normalität? Lili-Darstellerin Ailin Nolmans findet es zwar schon normal, aber es sei alles «zugespitzt und verdichtet». Florian Feuchter (Sven) ist die Geschichte zu einseitig, als dass sie einer Normalität entsprechen könnte: «Nur Stellen, die schlecht laufen, kommen vor.»

Die Probleme und Ängste, welche die Studenten im Stück umtreiben, sind jedoch sehr real. Es geht um Angst vor dem Versagen oder – wie Jule-Darstellerin Nadine Bitterli beobachtet – um die Angst davor, etwas zu verpassen. So befürchtet etwa Anna im Stück, dass wegen ihrer langjährigen Beziehung mit Phillip die Leidenschaft auf der Strecke bleibt. Und in einer Szene wirft Darius den anderen vor: «Ihr habt nur Prüfungsangst!» Ist es am Ende nur der Leistungsdruck, der die Studenten in «Lieblingsmenschen» umtreibt? Wäre dies eindeutig, wäre das Stück nicht so gut, wie es ist.

Aufführungen gibt es noch am Donnerstag, 30. November, und Freitag, 1. Dezember, jeweils 19.30 Uhr. Aula Schule Heslibach, Mittelfeldstrasse 8, Küsnacht.



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