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06.12.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Zürich 2, Züriberg

Stadt wollte Kahlschlag vermeiden


Nun steht fast kein Baum mehr: Am General-Guisan-Quai mussten kranke Bäume gefällt werden – mehr als ursprünglich erwartet. Die Grünen kritisierten dafür die Stadt – diese wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Der Vorwurf ist hart: «Die Grünen bezweifeln stark, dass sich der Zustand all dieser 31 Bäume innert so kurzer Zeit verschlechtert hat. Viel mehr befürchten wir, dass hier nun vom zuständigen Stadtrat Filippo Leutenegger und Grün Stadt Zürich die effizienteste und kostengünstigste Variante gewählt wird», liess die Partei Mitte November verlauten. Hintergrund war ein Communiqué des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements.

Die Vorgeschichte: Im Frühling war in der Seeanlage am General-Guisan-Quai ein Trompetenbaum wegen eines Sturms umgekippt. Sofort verschickte die Stadt eine Medienmitteilung. Die Botschaft: Alle anderen Bäume müssten vorsorglich untersucht werden. Im März wurden vier Bäume gefällt und der gestürzte Trompetenbaum entfernt. Im April folgte dann die ernüchternde Nachricht: Bei der Prüfung durch Grün Stadt Zürich wurde bei den Bäumen Pilzbefall und Fäulnis festgestellt. Ergebnis: 50 von 64 Bäumen müssten ersetzt werden. 14 wurden sofort gefällt. Weil die Stadt einen Kahlschlag vermeiden wollte, sollte der Ersatz etappenweise geschehen.

Die verbliebenen 31 Bäume untersuchte die Stadt später erneut. Das traurige Ergebnis: Die Stadt musste sie alle noch im November fällen. Die Befunde der Untersuchungen seien eindeutig gewesen. «Die Standsicherheit der Bäume war nicht mehr gegeben», sagt Axel Fischer, Geschäftsbereichsleiter Park- und Grünanlagen bei Grün Stadt Zürich, auf Anfrage. Es seien erstmals abgestorbene Rindenpartien sowie weiter zunehmender Pilzbefall festgestellt worden. Lediglich 6 der verbliebenen 31 Bäume hätten noch ein bis drei Jahre stehengelassen werden können. «Weil sie durch das Fällen der benachbarten Bäume allein in der Anlage gestanden wären, hätte das Risiko durch Winddruck jedoch entsprechend zugenommen», erklärt Fischer. Der Geschäftsbereichsleiter erinnert an den Orkan Lothar im Dezember 1999. Wegen Winterstürmen und dem anstehenden Silvesterzauber sei es nicht zu verantworten gewesen, die Bäume länger stehen zu lassen.

Stadt prüft Bäume regelmässig

Trotzdem werfen die Grünen in ihrer Mitteilung der Stadt fehlende Sensibilität für eine nachhaltige Baum- und Alleenbewirtschaftung vor. «Grün Stadt Zürich unternimmt grosse Anstrengungen für einen gesunden und alterungsfähigen Baumbestand», kontert Fischer. Durch gezielte Pflege und geeignete Standortverbesserungen stelle man sicher, «dass die Bäume, für die wir verantwortlich sind, ein möglichst hohes Alter erreichen». Aufgrund der Stressfaktoren im städtischen Umfeld sei jedoch die Lebenserwartung von Bäumen in der Stadt deutlich geringer als in der offenen Landschaft. Alle Strassenbäume werden in einem zweijährigen Turnus einer visuellen Baumkontrolle unterzogen, die protokolliert wird.

Bei der Sanierung der Anlage im Jahr 2002 ist die Stadt davon ausgegangen, dass die Bäume noch eine Lebenserwartung von 15 Jahren haben. «Deshalb liess man sie stehen», so Fischer. Es sei alles darangesetzt worden, um den Bäumen die damals prognostizierte verbliebene Lebensdauer zu ermöglichen. Die Bauarbeiten wurden von Baumspezialisten begleitet. Fischer: «Die laufende Bodenbelastung des General-Guisan-Quais durch Veranstaltungen war dem Gesundheitszustand der Bäume sicher nicht förderlich. 2017 hatten die Bäume ihren Zenit endgültig überschritten und machen nun der nächsten Generation Platz.»

Wenn die altersschwachen Bäume am Ende ihrer Zeit angekommen sind, ist dann nicht sowieso alles nach Plan verlaufen? «Am General-Guisan-Quai wurden wir im Frühling insofern überrascht, als ein Baum von einer Windböe umgeworfen wurde», sagt Fischer. Daraufhin habe man alle Bäume vorsichtshalber untersuchen lassen. Dass die Schäden schon so weit fortgeschrittengewesen seien, habe man den Bäumen bei den regelmässig durchgeführten visuellen Kontrollen nicht ansehen können. Fischer: «Die ernüchternden Untersuchungsergebnisse haben uns gezwungen, den Baumersatz früher als geplant einzuleiten.»

Kostenpunkt: 1,5 Millionen
Im Frühling 2018 werden die Baumreihen nachgepflanzt, die Baumgruben vergrössert und miteinander verbunden. Ein Anfahrschutz soll verhindern, dass Fahrzeuge ihnen zu nahe kommen. Welche Sorte gepflanzt wird, ist noch offen. Fischer: Die bevorzugte Variante sehe für die mittleren zwei Reihen Kolchische Ahorne vor, die Baumart, die auch im benachbarten Arboretum nach der Ufersanierung gepflanzt wurde, «und seeseitig eine Reihe mit Rosskastanien». Die Kosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Franken.



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