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13.12.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Züriberg, Zürich 2

Einst wurde der Turner vom Sockel gestossen


Foto: pw.

Seit fast 30 Jahren steht in der Seeanlage am General-Guisan-Quai ein leerer Sockel. Darauf befand sich früher das Turnerdenkmal. Nun hat die Stadt den Prozess für eine Nachfolgelösung gestartet.

Seit 1989 ist er im Depot der städtischen Denkmalpflege eingelagert: Der Turner, der einst stolz in der Anlage am General-Guisan-Quai stand, hat nur einen leeren Sockel hinterlassen. «Vaterland, nur Dir» prangt auf dem Stein. Früher stand dort die Skulptur von Baptist Hoerbst. Laut dem Blog «Gärten der Welt» des Museums Rietberg in Kooperation mit Grün Stadt Zürich zeigen Postkarten aus der Zeit um 1900 einen durchtrainierten Mann, mit einem Lorbeerkranz gekrönt. In der linken Hand trägt er einen Fechtsäbel, die rechte Hand streckt einen Siegesbecher in die Höhe. Der Spruch «Vaterland, nur dir» sei Ende des 19. Jahrhunderts die Losung der Schweizer Turnbewegung gewesen.

Unbekannte stürzten Denkmal
Doch warum fehlt dem Sockel das Denkmal? «Seit den Jugendunruhen von 1980 wurde der Turner immer wieder gestürzt, 1989 kurz nacheinander zweimal», erklärt Christoph Doswald, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (Kiör). Die Arbeitsgruppe gehört zum Tiefbau- und Entsorgungsdepartement. Seither sei die Skulptur nicht mehr aufgestellt worden. «Die ursprünglichen Gründe sind nicht festgehalten», sagt Doswald.

Die «NZZ» schrieb vor zwei Jahren: «Über die Motive der anonymen Denkmalstürzer liess sich nur spekulieren.» Der «Tages-Anzeiger» habe Anarchisten und Vaterlandslose am Werk gesehen, ein Bürger in einem Brief an die Denkmalpflege gemutmasst, es handle sich um Leute, «die die Nation untergraben wollen».

Wer wirklich dahintersteckte, lässt sich bis heute nicht sagen. Tatsache ist, dass der Sockel stehengelassen wurde – allerdings liegen hier die Gründe ebenso im Dunkeln. «Was ursprünglich der Grund war, wissen wir nicht», erklärt Doswald. Der Sockel sei zwar immer wieder mal diskutiert worden, habe aber die Öffentlichkeit, die Politik und die Verwaltung nie dermassen bewegt, dass eine Lösung dringend schien. «Im Laufe der Zeit inspirierte der leere Sockel mehrere Unbekannte zu künstlerischen Aktionen. So wurden zum Beispiel ein Fernseher, ein Isolier-Kupferdraht, eine Katze oder Kehrichtsäcke auf den Sockel gestellt», so der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Kiör.

Allerdings gab es einmal einen politischen Vorstoss: 2001 reichte Anita Nideröst eine Einzelinitiative ein. «Das Turnerdenkmal mit der Aufschrift ‹Vaterland nur Dir› in der Parkanlage General-Guisan-Quai sei wieder zu erreichten und zu einem Platz des Patriotischen Geistes zu ergänzen.» Hinzukommen sollten ein Mosaik einer Schweizer Karte und 27 Fahnenmasten – 26 Fahnen für die einzelnen Kantone und eine Schweizerflagge – sowie Tafeln in allen Landes- und Weltsprachen. Mindestens eine Million Franken sollte die Anlage zudem kosten. Das Parlament erteilte dem Begehren eine klare Absage.

Der Turner fristet also weiterhin ein Dasein im Depot der Denkmalpflege. Doch jetzt könnte sich etwas ändern. Doswald: «Die AG KiöR hat kürzlich zusammen mit der Gartendenkmalpflege einen Prozess gestartet, um zu bestimmen, was mit dem Denkmal und dem Sockel geschehen soll.» Was bereits gesagt werden könne: Die Turnerskulptur sei für den Aussenraum schlecht geeignet, die äussere Metallschicht sei dünn und reisse sehr schnell ein. «Insofern müsste für den Aussenraum eine Kopie aus Bronze hergestellt werden», resümiert Doswald.

Auch andere Sockel stehen leer
Der Kranzturner ist derweil nicht das einzige Beispiel für Denkmäler, die über die Jahre aus dem Stadtbild entfernt wurden. «Ein bekanntes Beispiel ist der leerstehende Sockel im Platzspitzpark», erklärt Doswald. Ab 1884 habe sich darauf das Denkmal für den Minnesänger Johannes Hadlaub befunden. In der Zeit des Needle-Parks sei die Skulptur nicht mehr unterhalten worden. Doswald: «1990 schlug ein Ast in einem Sturm den Kopf ab. Seither ist die Skulptur eingelagert.» Auch dieser Sockel sei ein beliebter Ort für temporäre Kunstaktionen.



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