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20.12.2017 Von: Lorenz Steinmann

Zürich 2

«Today is tomorrow» war sein Motto


Pionier der Street Parade: Rinaldo Blum (in der Mitte mit Helm) an der ersten Ausgabe von 1992 auf dem Limmatquai. Foto: zvg.

Eines von Rinaldo Blums (1954–2017) Vermächtnissen ist das Aufleben der Bibliothek Wollishofen. Ein Nachruf auf einen Menschen mit hoher Affinität zur Kunst, zur Literatur – und zum Quartier.

Es ist bald zwei Jahre her. Rinaldo Blum stellte an der Generalversammlung des Quartiervereins Wollishofen die Quartierbibliothek mit all den von ihm initiierten Neuerungen vor. Sofort zog er die über 100 Anwesenden in den Bann. Er strahlte eine Freude und Überzeugung aus, die absolut ansteckend war. Kein Wunder, erlebte die altehrwürdige Bibliothek ein Revival, seit er die Leitung zwei Jahre vorher übernommen hatte. Weil Rinaldo Blum auch ein Flair für die Anliegen der Leser im Kinder- und Jugendalter hatte, waren auch jene stimmigen Leseabende ein Riesenerfolg.

Dienste für die Allgemeinheit
Rinaldo Blum liess sich vor fünf Jahren bei der Suisa frühpensionieren und leistete seither wertvolle Dienste für die Allgemeinheit, eben zum Beispiel die Leitung der 219-jährigen Quartierbibliothek. Blum selber war ein leidenschaftlicher Leser, ihn faszinierten Bücher über Mythologie und Märchen. Eine weitere Passion war die Kunst. Mit seinem langjährigen Ehepartner Mauro Smedile besuchte er oft Kunsthäuser, aber auch barocke Kirchen, etwa in Süditalien.
Unter dem Namen «Silverstein» machte sich Rinaldo Blum einen Namen als bildender Künstler. Seine Kunstausbildung absolvierte er in der F+F-Schule. Schnell avancierte er mit seinem Talent zum Lehrer dieser damals noch mehr als heute angesagten Ausbildungsstätte. Mit seinen grossflächigen Bildern im Graffiti-Stil hatte er innert kurzer Zeit einen respektablen Erfolg. In den 1990er Jahren hatte er ein Atelier im ehemaligen CeCe-Areal in Zürich-Affoltern. Auf dem dortigen Gelände schaute er neben seiner Tätigkeit als Künstler so zum rechten, dass das gemischte Volk von Zwischennutzern immer bestens miteinander auskam.

Er blieb seinem Stil immer treu
Das war eine der Stärken von Rinaldo Blum. Er konnte auf jeden Couleur von Mensch zugehen und einen fruchtbaren, zielführenden Dialog aufbauen. Blum alias «Sliverstein» hatte später Ateliers im Enge-Quartier, seinem Stil blieb er immer treu. Vom Oktober 2016 bis April 2017 hatte Blum noch eine Pop-up-Location an der Sternenstrasse gemietet, als Atelier und Galerie.

Boutique «Jet-Set»
Rinaldo Blum war nie der Typ mit Anzug und Krawatte. Ihm war stilvolle, spezielle Mode sein Leben lang wichtig. Er arbeitete viele Jahre als Modeberater in der damals sehr renommierten Boutique «Jet-Set» an der Löwenstrasse. Daneben war ihm die Musik ebenfalls sehr ans Herzen gewachsen. Er war einer der rund 1000 Teilnehmer der ersten Street Parade im Jahr 1992. Das damalige Motto lautete «Liebe, Friede, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz». Vielleicht sind es genau diese Stichworte, die Rinaldo Blum charakterisieren. Blum liebte den Techno, aber auch berührende Balladen des italienischen Sängers RAF.

Er schaute nie zurück
An der Beerdigung im Friedhof Manegg in Wollishofen lief unter anderem die Street-Parade-Hymne «Today is tomorrow» von DJ Tatana. Rinaldo Blum schaute nie zurück und immer in die Zukunft. Eine heimtückische Infektion im Hirn sorgte dafür, dass Rinaldo Blum am 28. Oktober starb – mit erst 63 Jahren. Er hinterlässt einen aufopfernden Ehemann, eine 86-jährige Mutter und drei Geschwister.
Ein Nachtrag: Der Stadtzürcher Gemeinderat liess sich vergangenen Samstag erweichen, der Bibliothek Wollishofen die 10 000-fränkige Unterstützung für 2018 doch noch zuzusagen. Dies ist wohl eine kleine Genug-tuung für den Menschenfreund Rinaldo Blum. Möge er sich im Jenseits über die späte Hommage freuen. 



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