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17.01.2018 Von: David Herter

Zürich 2

Leimbach will die Manegg


Die Manegg (rechts) gehört zu Leimbach, findet der Quartierverein. Foto: dh.

Ganz im Südwesten der Stadt, in der Manegg, prägen Bagger und Kranen das Bild. Das Neubaugebiet gehört zu Wollishofen, doch der Quartierverein Leimbach will das ändern.

Zwischen Leimbach und Wollishofen fliesst die Sihl. Der Fluss trennte bisher auch die Gebiete der gleichnamigen Quartiervereine. Doch vom linken Ufer wollen die Leimbacher übersetzen in die Manegg. Dorthin, wo anstelle von alten Industriebauten 1500 Wohnungen und 4000 Arbeitsplätze entstehen. Bereits sind die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in fertiggestellte Wohnhäuser eingezogen («Zürich 2» vom 23. November).

Der Sprung über die Sihl mache Sinn, sagt der Leimbacher Quartiervereinspräsident Christian Traber. Für die Bewohner der Manegg sei der Weg zu Fuss nach Leimbach viel kürzer als über Entlisberg nach Wollishofen, argumentiert er. «Die Schulkinder gehen in der Regel in Leimbach zur Schule, für die katholische Kirche gehört die Manegg zu Leimbach, und die Postleitzahl 8041 ist ebenfalls dieselbe.» Traber glaubt deshalb, dass sich die neuen Bewohner der Manegg «ganz automatisch» eher nach Leimbach orientieren werden.
Den Wollishofern ist das Ansinnen der Leimbacher bekannt. Der Präsident des Quartiervereins Wollishofen nimmt es gelassen: «Wir kümmern uns nicht gross darum», sagt Martin Bürki. Einen konkreten Antrag gebe es bisher nicht. Bürki will vor einem allfälligen Entscheid über eine neue Grenzziehung abwarten, wohin sich die Bewohner der Manegg orientieren, mit ihren sozialen und kulturellen Interessen und für ihre Geschäfte. Noch sei nicht sicher, ob das Ziel Leimbach sein werde oder Wollishofen – oder ob die neuen Bewohner mit der SZU ins Sihlcity und direkt ins Zentrum fahren, sagt Bürki. Ab Dezember werde ausserdem die verlängerte Buslinie 70 die Manegg mit dem Bahnhof Wollishofen verbinden.

Fakten schaffen derweil die Zürcher Gemeinschaftszentren. Ende November hat die Stadt der Stiftung bewilligt, die Manegg von Leimbach aus zu erschliessen. Aktuell sucht der Leiter des Gemeinschaftszentrums Leimbach, Stephen Nuttall, einen Angestellten für die Aussenstelle in der Manegg, die bereits zeitweise geöffnet ist. «Wir werden im Auftrag der Stadt Projekte entwickeln, die den Zusammenhalt fördern», sagt Nuttall und zählt einige Gründe auf, warum die Erschliessung von Leimbach aus erfolgt: Geografisch liege die Manegg näher bei Leimbach. Das GZ Leimbach führe bisher keine Aussenstelle, während das GZ Wollishofen bereits drei Standorte betreue. Bis das neue Schulhaus Allmend fertiggestellt sei, gehen die Schüler aus der Manegg mehrheitlich in Leimbach zur Schule.

Besser wäre ohne Streit
Auf die neue Mitarbeiterin oder den neuen Mitarbeiter des GZ Leimbach wartet in der Manegg viel Arbeit. In den Wohnungen für kinderreiche Familien, in den Genossenschaftswohnungen und in den privaten Miet- und Eigentumswohnungen werden ganz verschiedene Bewohner einziehen. Für diese Klientel gemeinsame Angebote zu entwickeln, werde nicht einfach, sagt Nuttall. Er hofft, die Bewohner beispielsweise mit einem Frühlingsfest zusammenbringen zu können. Und er will stark mit dem GZ Wollishofen zusammenarbeiten. Grössere Anlässe könne Leimbach nicht alleine bewältigen.

Ob die Manegg neu zu Leimbach gehören wird, müssen die beiden Quartiervereine unter sich ausmachen. Es gibt zwar eine Quartierkonferenz, die alle Vereine gegenüber der Stadt vertritt. Entscheide darüber, ob ein Gebiet zum einen oder zum anderen Verein gehört, hatte die Organisation bisher aber nie zu treffen. «Der Vorstand der Quartierkonferenz hat keine Absicht und sieht keinen Bedarf, sich einzumischen», sagt Präsident Christian Relly. Er rechnet damit, dass Leimbach und Wollishofen sich auf friedlichem Weg einigen können, wie das vor Jahren zwischen den Vereinen Triemli, Wiedikon und Albisrieden auch möglich gewesen sei: «Ohne Beteiligung der Quartierkonferenz.»

Auch die Stadt wünscht sich eine einvernehmliche Lösung. «Welches Gebiet von welchem Quartierverein betreut wird, ist grundsätzlich Sache der Quartierkonferenz und ihrer Mitglieder», sagt Nat Bächtold, Sprecher des Präsidialdepartements. «Streitfälle» seien von Konferenz und Vereinen gemäss Statuten zu regeln.

Wobei: Zuständig für neue Grenzziehungen «innerhalb der bestehenden Kreisgrenzen» – also innerhalb von Kreis 2 – sei der Stadtrat, lautete die Auskunft, die der Leimbacher Quartiervereinspräsident Christian Traber vor einiger Zeit erhalten hat. Dies gehe aus der Gemeindeordnung hervor, schrieb ihm die damalige Stadträtin Ruth Genner (Grüne) im Jahr 2013. Anstösse für Gebietsumteilungen könnten per Postulat oder Petition an den Stadtrat herangetragen werden. Auch Genner gab aber einer einvernehmlichen Lösung den Vorzug: «Die Unterstützung einer solchen Umteilung durch die beiden betroffenen Quartiere wäre vorteilhaft.»

500 Franken als «Gewinn»
Um die Manegg streiten mögen Leimbach und Wollishofen auch nicht. «Eine Entscheidung ist nicht dringend. Wir werden eine pragmatische Lösung finden», sagt Martin Bürki, Präsident des Quartiervereins Wollishofen. Sie hätten abgemacht, an Anlässen in dem Neubaugebiet vorderhand beide aufzutreten und die Wahl den Bewohnern zu überlassen. Zwei Aussagen, die der Leimbacher Präsident Traber bestätigt.

Materiell ist für den «Gewinner» des Gebiets Manegg ohnehin nicht viel zu holen. Um die 500 Franken sind die rund 3500 Personen pro Jahr wert. Diese Summe wird die Stadt dem für die Manegg zuständigen Quartierverein als Unterstützung für seine Arbeit zahlen. Allerdings erst nach 2020, wenn die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Quartierkonferenz – und damit auch die Unterstützungszahlungen – neu festgelegt werden. Auf diesen Zeitpunkt hin kann die Quartierkonferenz der Stadt auch veränderte Grenzen zwischen Quartiervereinen mitteilen.



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